Suche
  • Werner Helbig

40 Tage in Kambodscha

Aktualisiert: 29. Juni 2018

Nun ist es soweit ... am Pfingstmontag geht es mit Vietnam Airlines über Hanoi und Vientiane nach Phnom Penh. Zunächst 10 Tage in der Hauptstadt Kambodschas ... Besuch von Freunden und Institutionen, die als NGO in Kambodscha Hilfe leisten.

Ich bin sehr gespannt, was ich alles sehen werde, gezeigt bekomme und ... was sich vielleicht entwickeln wird!

Danach geht es für 20 Tage nach Siem Reap. Dort warten 95 Wasserfilter zur Verteilung an die Familien aus Jim´s Dorf auf mich! Außerdem soll ich mich als Reisbauer bewähren ... mal sehen ;-)!

Danach noch einmal 10 Tage in Phnom Penh ... offen, was da alles passieren wird!

Ich freue mich auf die Reise!


22.05.2018

Angekommen …. Ankommen


Es ist immer wieder ein Erlebnis, wenn man in Asien aus dem Flughafengebäude kommt … sofort merkt man, dass man anderswo auf der Welt angekommen ist: Wärme und Luftfeuchtigkeit, aber auch andere Düfte und spezieller Lärm sind deutliches Zeichen dafür.

Für die Fahrt vom Flughafen zum Hotel, das in der Nähe des Royal Palace liegt, nehme ich mir ein Tuktuk, um gleich wieder mittendrin zu sein. Phnom Penhs Verkehr ist schon etwas Besonderes! Dominiert vom „VW“ der Bevölkerung, dem Motorscooter, schlängeln wir uns, mein Tuktuk-Driver und ich mit Koffer, in mehr oder weniger eleganter Weise durch das für europäische Gemüter unglaubliche Chaos. Ich fragte im vergangenen Jahr Jim, wie dieses vermeintliche Chaos funktioniert. Er sagte etwas Interessantes: „Wenn ein anderer mit dem Reifen seines Scooters etwas weiter in der Kreuzung ist, so respektieren wir seine Vorfahrt!“ Aha, Respekt im Verkehr … für uns etwas ganz Neues, dachte ich mir! „… und wir schwimmen wir die Fische im Verkehr, mit- und nicht gegeneinander!“ So geht es also … hinzu kommt allerdings, dass die Geschwindigkeit der motorisierten Fortbewegung in der Stadt meist nicht schneller als 30 km/h ist.


Im Hotel angekommen zeigt sich gleich die Auswirkung des anstehenden Monsuns … es regnet, was das Zeug hält. Ich war bereits im Trockenen. Nach einer Stunde ist alles vorbei!


23.05.2018

Erster Tag in Phnom Penh


Nach dem Frühstück gebe ich mir Zeit, mich ausführlich treiben zu lassen. Es ist mein viertes Mal Phnom Penh … diesmal ohne Gruppe und mit aller Zeit der Welt, ein Luxus.


Aus dem Hotel heraus lande ich gleich in einer der Straßenwerkstätten: einem Schildermacher. Mit der Laubsäge bearbeitet er vorgezeichnete Teile einer Schablone. Alles wird nach der Sägearbeit zu einem Schild zusammengesetzt.



Handarbeit, die mir auf meiner Erkundungstour durch die Hauptstadt permanent begegnen wird. Ich frage mich, wie hoch die Entlohnung des Arbeiters wohl sein wird, der so eifrig mit seiner Laubsäge zugange ist. In der Textilindustrie des Landes, die Kleidung von KiK bis Boss herstellt, hat die Regierung den Mindestlohn von 128 auf 140 USD im Monat erhöht. Ein Angestellter in einem Speditionsunternehmen verdient 250 USD im Monat. Im Tourismus sieht es noch bescheidener aus: ein Kassierer in einem Restaurant erhält ca. 120 USD im Monat.

Wie teuer ist das Leben in Phnom Penh? Ein Freund berichtet mir, dass sein Zimmer, das er mit seiner Schwester bewohnt, 100 USD im Monat kostet. Es bleiben ihm 150 USD zum Leben. Er sagt, dass er vor 5 Jahren ca. 2,50 USD am Tag zum Essen benötigte, heute seien es 5 USD. Damit ist sein Einkommen aufgebraucht. Wohlgemerkt, er gehört zur privilegierteren Mittelschicht. Eine gesetzliche Kranken- oder Rentenversicherung existiert in Kambodscha nicht. Sollte man ernstlich erkranken, kann man in die schlechten öffentlichen Krankenhäuser gehen oder muss in den privaten Kliniken viel Geld für die Behandlung bezahlen. Das können sich die meisten Menschen nicht leisten. Boren, ein Freund aus Siem Reap sagte mir einmal: „Wenn Du in Kambodscha kein Geld hast, stirbst Du sehr schnell!“



Nun bin ich auf meinem Spaziergang bei einem buddhistischen Kloster angekommen. Es ist Wat Ounalom. Als Sitz des kambodschanischen Mohanikay-Ordens ist es das wichtigste Wat von Phnom Penh und das Zentrum des kambodschanischen Buddhismus. Es wurde 1443 gegründet und besteht aus 44 Gebäuden. Es wurde während der Roten Khmerzeit beschädigt, seitdem aber restauriert. Der Hauptkomplex beherbergt einen Stupa, in der angeblich ein Augenbrauenhaar von Buddha und eine Inschrift in Pali aufbewahrt werden. Ein netter Mönch sitzt im Hauptbereich des Klosters. Ich frage ihn, ob ich fotografieren darf. Er lächelt mich freundlich an und nickt. Also los! Ein großer Raum mit Säulen umgibt mich. Am Ende eine große Ansammlung schlanker Buddha Figuren, sorgsam aufgestellt. Ich vermute, dort irgendwo sind auch die Augenbrauen von Buddha deponiert. Ich gehe nochmal zu dem netten Mönch und frage nach einem mit Haarbüscheln geschmückten Karren, der in der Ecke steht. Er erzählt mir, dass dies ein Ochsenkarren sei, der zu rituellen Zwecken genutzt würde. Auf meine Frage, wie viele Mönche in diesem Kloster seien, gibt er die Zahl 230 an. Viele der Mönche kämen aus der Provinz, eine Schule sei angeschlossen und eine von den Mönchen betriebene NGO. Er sei nun 3 Jahre in diesem Kloster und finde es sehr gut! Nun möchte ich den so locker erzählenden und fröhlich lächelnden jungen Mann auch fotografieren. Er stimmt sofort zu und dann geschieht etwas sehr Interessantes … sein bis eben noch fröhliches Gesicht, voll lebendiger Mimik verändert sich. So, als würde er in sich selbst eintauchen, bekommen seine Gesichtszüge etwas Entrücktes, Distanziertes. Schaue ich mir Fotos von anderen Mönchen an, so haben alle diesen Ausdruck irdischer Entrücktheit.



Also wieder zurück zu Irdischem … dem alten Markt. 32 Grad und Fisch ungekühlt zum Verkauf ausgestellt … das ist gewöhnungsbedürftig! Die Gerüche, die mir da in die Nase steigen, kitzeln ab und zu recht heftig an meinem Würgereiz.



Ebenso sind die Metzger in einem Teil des Marktes zu finden. Da baumeln die Fleischstücke fröhlich in der Sonne … Kambodschaner müssen gute Verdauungstrakte besitzen, denke ich so bei mir!



Die Obstabteilung ist allerdings farbenprächtig anzuschauen … da gibt es viel Exotisches. Durian ist ebenfalls an vielen Ständen zu erwerben, die Stinkfrucht. Chinesen sind ganz wild auf dieses Obst. Es schmeckt ganz gut, ist aber wegen des impertinenten Gestankes zur Mitnahme in allen Hotels verboten.



In einem anderen Teil des Marktes kann man Nonfood-Artikel erstehen… es ist also das Kaufhaus. Von der Bluse bis zum Goldkollier, von der Unterhose bis zum BH, alles vorhanden. Besonders hat es mir die Abteilung mit Haarersatzteilen angetan. Ich scherze mit den netten Verkäuferinnen, ob sie mir vielleicht so ein Teil ästhetisch hochwertig auf meinem Kopf drapieren könnten. Sie lachen lauthals los … na ja, kann ich verstehen!


Mein Spaziergang geht weiter ….


24.05.2018

Begegnung beim Mittagessen


An Restaurants mangelt es in Phnom Penh beileibe nicht! An der sogenannten Waterfront, dem Ufer des Tonle Sap, reihen sich Essens-Tempel an Essens-Tempel. Von Khmer Food bis zur französischen Küche, über Pizza bis Fisch ist hier alles erhältlich. Der Tourismus lässt schön grüßen!

Geht man weiter in die Stadt hinein, bekommt man in offenen Straßenküchen frisch zubereitete Khmer Kost. Ich bin allerdings noch nicht so mutig, dort einzukehren und begnüge mich mit einem Restaurant an der Waterfront. Da es in Kambodscha viele britische Touristen gibt, dürfen auch „Fish and Chips“ nicht fehlen. Also gut, heute mal britisch Food!

Während ich mein frisch gezapftes Bier genieße und auf meinen Bratfisch warte, bekomme ich im Minutentakt Besuch an meinem Tisch: fliegende Händler und Bettler. Alte und Kinder, Rollstuhlfahrer und ärmlich gekleidete Menschen. Dies ist das andere Gesicht der Hauptstadt. Auch wenn man abends unterwegs ist, sieht man es. Kinder und ganze Familien, die auf der Straße leben, viele Menschen mit abgetrennten Gliedmaßen (Minenopfer), die von den Spätfolgen des Krieges, der bis 1997 in Kambodscha wütete, gezeichnet sind. Alle möchten mir etwas verkaufen oder sind einfach nur als Bettler unterwegs. Nein, ich kann nicht die Welt retten, obwohl ich jedes Mal ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich ein freundliches, aber bestimmtes „NEIN“ von mir gebe!

Dann kommt ein freundlicher junger Mann in die Nähe meines Tisches und fragt höflich, ob er sich zu mir setzen dürfe. Eine gewisse Skepsis kann ich zunächst nicht ganz verbergen, aber er lächelt, meine Unsicherheit bemerkend und beginnt sofort in erfrischender Weise zu erzählen. Er hätte Mittagspause, arbeite in einem 5 Sterne Hotel im Service und wolle etwas essen.

OK, Unsicherheit beiseite gewischt, Neugier geweckt!

Er heißt Dara, ist 28 Jahre alt, hat 12 Jahre Schule mit Abschluss absolviert, konnte nicht studieren, weil das Geld gefehlt habe, hat dann die Ausbildung zur Hotelfachkraft gemacht und ist seit 4 Jahren in dem besagten Hotel tätig. Ich bin erstaunt, wie und warum ein wildfremder Mensch mir in kürzester Zeit seinen Lebenslauf präsentiert. Ich frage ihn. Er sagt, ich sähe nett aus und er sei froh, mal ein bisschen über sich erzählen zu können. Na, da ist er bei mir ja gerade an den Richtigen geraten!

Neugierig frage ich nach und bekomme gleich seine gesamte Familie präsentiert inklusive des gestrigen Neuzugangs, einem Jungen. Der digitalen Welt sei Dank, das Fotoalbum hat man ja nun immer in der Hosentasche dabei! Viele Köpfe bekomme ich gezeigt inklusive verschiedener Erzählungen zu den einzelnen Familienmitgliedern. So erfahre ich, dass seine Mutter seit einer Woche im Krankenhaus in Phnom Penh ist. Dort kann man ihr aber nicht helfen, da die medizinischen Mittel fehlen. Dara schickt nun sein Erspartes nach Hause, damit seine Mutter in ein Krankenhaus nach Thailand gebracht werden kann. Dort wäre die Chance zur Hilfe besser, sagt er. Glücklicherweise habe er einen Job und könne mit dem Trinkgeld, das er bekomme, gut leben. Er teile sich ein kleines Zimmer, das er hier in Phnom Penh angemietet habe, mit einem Arbeitskollegen. Nach der Arbeit könne er nicht in sein Heimatdorf fahren, da es zu weit entfernt sei, ca. 45 km in Richtung thailändischer Grenze. So sei er in Phnom Penh und fahre nur nach Hause, wenn er Urlaub habe. Ich frage ihn nach seiner Arbeitszeit. Er schmunzelt. Nun hätte er 4 Stunden Mittagspause. Er arbeite jeden Tag (6 Tage in der Woche) in der Regel von morgens 7 – 12 Uhr und dann von 16 bis 22 Uhr. Bei Veranstaltungen könne es schon mal länger werden. Ich frage ungläubig nach, ob ich richtig gehört habe: 11 Stunden Arbeitszeit jeden Tag? Ja, das Leben sei nicht so einfach hier!

Ich denke kurz an das stöhnende Deutschland … nein lieber nicht!

Deshalb sei es auch ein wenig schwierig für ihn sonntags in die Kirche zu gehen? Nochmals ungläubiges Fragegesicht meinerseits … habe ich richtig gehört, KIRCHE? Wieder ein Lächeln meines Gesprächspartners. Er genießt es sichtlich, mich zu erstaunen. Soll er haben!

Alle Mitglieder seiner Familie seien Buddhisten. Er habe vor Jahren einen guten Freund gehabt, der ihm von Gott erzählt und aus der Bibel vorgelesen habe. Außerdem sei da ein Lied gewesen, das ihn zutiefst berührt habe. Nun liebe er Gott, weil er ihm immer alles sagen könne, was ihn in seinem Herzen bewege. Schade sei, dass er sonntags arbeiten müsse und deshalb nicht zum Gottesdienst gehen könne. Aber er wisse, Gott nähme es ihm nicht Übel, weil ER ihn ja sähe und wisse, dass er Geld verdienen müsse. Eine christliche Gemeinde gäbe es in Phnom Penh. Gleich zeigt er mir ein Bild des Pfarrers (in Badehose am Strand).

Mein Fisch kommt. Lecker übrigens, für 3,50 USD. Wenig Geld für mich, viel Geld für Kambodschaner!

Wir reden noch viel über Gott und die Welt … ich habe wieder Vieles erfahren und bin über dieses spontane Gespräch mit Dara sehr dankbar.

Wir bleiben in Verbindung!

25.05.2018

Wenn es Nacht wird in Phnom Penh



Ich gönne mir einen Blick vom Hoteldach auf die in Dämmerung befindliche Stadt, die rasant von stockfinsterer Dunkelheit eingehüllt wird …. ein Lichtermeer lässt Phnom Penh in einem festlich, fröhlichen Gewand erscheinen. Asiaten mögen bunte Lichter … der Beweis liegt mir zu Füßen.



Besonders schön präsentiert sich nun der königliche Palast. Golden erstrahlt er und ist Sinnbild für den Glanz dieser Stadt, die einst in der französischen Kolonialzeit als „Paris des Ostens“ bezeichnet wurde. Übrig geblieben ist an vielen Orten nur noch der morbide Rest dieses Glanzes.



Wenn ich mich umschaue, sehe ich allerdings auch das neue, aufstrebende Phnom Penh. Moderne Hochhäuser, Spielcasinos, Appartementhäuser … alles in einem riesigen Areal der Stadt entstanden. Viele dieser „Geldanlagen“ gehören dem langjährigen und immer noch im Amt befindlichen Präsidenten Kambodschas, Hun Sen und seiner Familie. Ein Schelm, der etwas Böses dabei denkt! Weiterhin investieren hier vor allem Koreaner und Chinesen.


Die Hitze des heutigen Tages lässt langsam nach. Mittags war es unerträglich! Nun, gegen 21.00 Uhr ist es angenehm warm. Kurze Hosen, T-Shirt … that´s all!

Tra, ein guter Freund, den ich nun einige Jahre kenne und mit dem ich seit unserer ersten Begegnung in Whatsapp-Kontakt bin, fährt mit seinem Motoscooter vor. Ich steige auf und die Fahrt durch das nächtliche Phnom Penh beginnt.



Scooter hinter uns, vor uns, neben uns, dazwischen Tuktuks und Autos. Nachts und aus der Roller-Perspektive betrachtet sieht alles fast unwirklich schön aus. Der Verkehr hat irgendwie seine chaotische Wirkung verloren. Viele Scooter sind mit Pärchen besetzt, die in Richtung der nächsten Disco unterwegs sind. Alles fährt dicht nebeneinander, aneinander vorbei und an den Ampelkreuzungen hat das gesamte Geschehen einen echten Happening-Charakter. Viele scheinen sich zu kennen und plaudern lachender Weise, man beäugt sich und macht Witzchen. Bei grün fährt alles gleichzeitig los, in wildem Durcheinander, wie die Fische im Wasser… wie vor dem Ampelstopp: dicht nebeneinander, aneinander vorbei …

Wieder ein Ampelstopp … ich muss zweimal hinschauen: eine ältere Frau liegt mitten auf der dreispurigen Straße, eine Schale steht neben ihr. Ich frage Tra, ob da ein Unfall passiert sei und ob wir helfen sollen. Nein, sie würde hier immer an der Ampelkreuzung liegen und die wartenden Fahrzeuge um Geld anbetteln. Nicht zu glauben … bei fließendem Verkehr kann sie leicht übersehen und überfahren werden. Aber man scheint hier an sie gewöhnt zu sein … heftig! Dieses Bild bleibt lange in meinem Kopf!


Nun erreichen wir unser Ziel, den Gemüsemarkt Phnom Penhs. Es ist der Gemüsegroßhandel, bei dem sich alle Restaurants und die Gemüseverkäufer in der Stadt mit allem eindecken, was Feld, Wald und Wiese so hergeben. Rechts und links der befahrenen Hauptstraße werden von den skurrilsten Vehikeln unterschiedliche Gemüsesorten ab- oder aufgeladen. Gemüse, soweit das Auge reicht! Der Markt ist rund um die Uhr geöffnet, nachts ist aber der meiste Betrieb, weil da sowohl angeliefert wird, als auch die Einkäufer der Restaurants unterwegs sind. Auf meine Frage, wo denn all das hier angebaut würde, kommt die ernüchternde Antwort: meist in Vietnam. Die Vietnamesen können wohl durch Einsatz von viel Chemie günstiger als die heimische Landwirtschaft produzieren. Schlecht für die kambodschanische Gesundheit und die heimische Landwirtschaft.


Der größte Gemüsemarkt Kambodschas



26.05.2018

Samstag … noch ein bisschen Alltagsflair


Heute setze ich meinen Spaziergang durch die Stadt fort. An der ersten Kreuzung begegnet mir gleich das Bierauto … kann man es so nennen? Das Gewicht der Bierdosen auf dem Anhänger kann ich nicht schätzen, aber der Motorscooter hat ordentlich zu arbeiten, um die Fracht zu bewegen.



Kambodschaner trinken auch gerne mal ein Bierchen, wenn auch im Maßen.

„Entgegen anderen Religionen spricht der Buddhismus keine generellen Verbote aus. Das Trinken von Alkohol ist also nicht mit einem „Du-darfst-nicht“ belastet – es sollte freiwillig und ganz bewusst auf den Konsum von Drogen verzichtet werden. Daher obliegt es jedem Gläubigen selbst zu entscheiden, welche Bewusstseinsstufe er oder sie erklimmen möchte. Um aus dem Samsara, dem immerwährenden, leidvollen Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt auszubrechen, können Sie sich an die von Buddha ausgegebenen Tugenden halten. Jene bilden die Grundlage eines ethisch einwandfreien Lebens. Die sogenannten „Fünf Silas“ beziehen sich auf das Töten, Stehlen, Lügen und die Abkehr von sexuellem Fehlverhalten. In der letzten Sila geht es um den Verzicht von Rauschmittel ganz allgemein.“ (siehe https://www.buddhanetz.net/alkohol-im-buddhismus)


So viele Scooter und Tuktuks und keine einzige Tankstelle zu entdecken. Ich weiß von meinem letzten Aufenthalt, dass es an den Ausfallstraßen Phnom Penhs Tankstellen gibt, aber die Massen von Fahrzeugen können doch nicht immer alle zum Tanken aus der Stadt hinausfahren!? … und da ist sie auch schon, die innerstädtische Tankstelle. Benzin abgefüllt in PET-Flaschen (vorher war dort Cola drin) wird literweise verkauft. Der freundliche „Tankstellenbesitzer“ hat sogar Druckluft, um die Reifen des Scooters aufzufüllen. Er legt dazu selbst Hand an. Hier wird Service noch großgeschrieben!



Jeder Motorroller-Besitzer achtet sehr auf sein Gefährt. Der Anschaffungspreis ist nicht erheblich billiger als bei uns, bei einem Zehntel unseres vergleichbaren Einkommens. Deshalb ist für die meisten Menschen eine Anschaffung nur auf Kredit möglich. Motorscooter sind in Asien aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Sie dienen dazu, sich fortzubewegen und Güter zu transportieren. Auch in Asien verändert sich die Welt … Mobilität ist notwendig um Arbeit zu finden und konkurrenzfähig zu sein, mit allen Konsequenzen, die wir zur Genüge kennen! Abends ist jeder Scooter-Besitzer deshalb genau darauf bedacht, sein Zweirad sicher zu deponieren. Diebstähle sind leider an der Tagesordnung … zum Teil Armutskriminalität, zum Teil Beschaffungskriminalität für Drogen. Überall trifft man deshalb auf bewachte Parkplätze. Für ein paar Riel kann man hier seinen Scooter abstellen und er ist sicher.



Ich komme an vielen kleinen Handwerksläden vorbei und treffe einen Rikschafahrer, der Pause macht. Gemütlich macht er auf seinem Dreirad ein Nickerchen. Fast schon ein Anachronismus, denn heute sind die Rikschas meist motorisiert und heißen Tuktuk. Anders als im europäischen Süden gibt es hier in Kambodscha keine offizielle Siesta, d.h. die Geschäfte haben hier den ganzen Tag geöffnet, ohne Pause. In der brütenden Mittagshitze fahren die meisten Leute aber ihr Aktivitätslevel stark nach unten … wen wundert´s!



Nebenan gibt es einen Open-air-Friseur ... einen voll ausgestatteten Friseurladen mit allem, was einen guten Schönheitssalon ausmacht, nur eben auf dem Bürgersteig. Davon gibt es jede Menge …



In der Nähe des Königspalastes hat eine freundliche junge Frau einen Coffee-Shop eröffnet. Sehr geschmackvoll eingerichtet, mit Bistrotischchen davor und Espressomaschine als Herzstück des Ladens. Das Ganze ist allerdings mobil gehalten und in einem kleinen Transporter untergebracht. Ich frage sie, wie lange sie diesen Shop schon habe. 3 Monate, erwidert sie, und sie hoffe, dass sie gut über die Low-Season, also die Regenzeit, komme. Von Mai bis Oktober sind recht wenig Touristen unterwegs … Ausnahme: die Chinesen. In Rudeln fallen sie lautstark überall ein und nehmen alles sofort in Beschlag. Der Capuccino war übrigens ausgezeichnet!



Auf der anderen Straßenseite sehe ich ein Geschäft, das mich interessiert: einen Wine-Shop. Ich gehe hinein und finde mich, gefühlt, in einer Tiefkühltruhe wieder. Nach erster Schockstarre nehme ich wahr, dass ich mich in einem Tempel guter Tropfen aus aller Welt befinde. Champagner, vom Piccolo bis zur Magnum, Weine aus Frankreich, Italien, Südafrika, Chile und dem Rheingau. Die Preise beginnen bei 40 USD die Flasche! Der Besitzer ist ein Franzose. Die Franzosen haben zu Kambodscha wohl immer noch eine besondere Beziehung … die Kolonialzeit lässt schön grüßen! Im kulinarischen Bereich ist der französischen Einfluss ausgesprochen befruchtend. Cross-Over-Restaurants gibt es sehr viele, das Essen aus einer Mixtur von "bell cuisine" und "asiatisch" ist ausgesprochen lecker und meist sehr raffiniert zubereitet. Eine echte Empfehlung für Gourmets!



Noch einmal zurück zum Alltag der normalen kambodschanischen Bevölkerung: ich finde eine Straßenschuhmacherei. Vor einem älteren Ehepaar liegen haufenweise kaputte Schuhe … von alten Jesuslatschen angefangen bis zu Adidas-Sneakern, deren Sohle vom Schuh herunterhängt. Letztere interessieren mich besonders, da ich weiß, dass keiner unserer Schuhmacher, so man überhaupt noch einen findet, bei solchen Defekten auch nur einen Finger krümmen würde. „Kauf Dir neue!“ bekäme man zu hören. Nein, die ältere Dame, zeigt mir, dass sie die Schuhe zunächst leimen und dann nochmal von unten durch die Sohle nähen würde, damit alles gut fixiert bliebe. Wir unterhalten uns nonverbal, sie ist aber gut verständlich! Meine Frage, was diese Arbeit denn koste, versteht sie nicht … ich spreche wahrscheinlich einen etwas merkwürdigen Dialekt.


27.05.2018

Die Königliche Universität der feinen Künste in Phnom Penh


Manche Dinge kommen unverhofft … für heute erhielt ich eine freundliche Einladung, dem Unterricht der Tänzer in der Universität der feinen Künste beizuwohnen.



Die Universität blickt auf eine recht lange Geschichte zurück. Sie wurde 1918 als Königliche Schule der Künste eröffnet. Während des Gewaltregimes der Khmer Rouge schloss man sie von 1975 bis 1979. 1980 eröffnete man sie erneut als Kunstschule und änderte ihren Status 1988 in „Königliche Universität der feinen Künste“. An der Hochschule gibt es fünf Fakultäten: Architektur und Stadtplanung, Archäologie, Bildende Kunst, Choreographie und Musik. Rund 800 Schüler besuchen die verschiedenen Klassen der Universität. Die Studiengänge werden in Übereinstimmung mit nationalen und internationalen Lehrstandards durchgeführt. Bildungsabschluss ist der Bachelor. Die Königliche Universität der Schönen Künste ist Kambodschas Hauptzentrum für Bildung und Forschung in Kunst und Kultur.

Ihr Hauptziel ist es, eine junge Generation von aktiv tätigen Künstlern, Architekten und Archäologen auszubilden. Sie sollen zur Bewahrung und Entwicklung der verschiedenen Formen und Ausdrucksformen der Khmer-Kultur beitragen.

Ein Bekannter studiert hier Tanz. An seinem Unterricht darf ich heute teilnehmen.

Die Fakultät für Choreografische Künste besteht aus drei Hauptbereichen: Tanz, Schauspiel und Kino. Tänzer, Choreografen und Regisseure werden ausgebildet. Sie sollen vor allem klassische Formen der darstellenden Künste erlernen. Den Studierenden werden auch die Grundlagen der modernen audiovisuellen Medien vermittelt.

Beim Betreten des Universitätsgeländes fällt mir auf, dass es ein Ort ist, der durch viele alte Bäume, einer großen Anzahl alter Gebäude, die durch ihre rote Farbe eine heimelige Atmosphäre ausstrahlen, Ruhe und Ausgeglichenheit vermittelt.

Dazwischen gibt es kleine Pavillons, in denen Studierende der Bildenden Künste damit beschäftigt sind, zu malen.



Ein Stückchen weiter waren die Bildhauer am Werk. Einige Skulpturen sind ausgestellt. Hier sieht man die Bandbreite der Arbeiten, von klassisch bis modern.



Um die Ecke herum höre ich bereits eine recht dominante Stimme, deren Klang ich folge.

In einem großen Innenhof sehe ich eine überdachte Tanzfläche von ca. 15 x 10 Metern. Darauf ungefähr 80 junge Leute, die alle traditionelle Khmer-Kleidung tragen. Ein etwas dicklicher Mann, in Jogginghose gekleidet, steht vor der Gruppe, die in Reih und Glied aufgereiht ist und gibt mit lauter Stimme Anweisungen, denen die jungen Leute nachkommen. Ich treffe in der Aufwärmphase der Tänzer ein. Mir schmerzen nur vom Zuschauen alle Gelenke. Es wird gerade der traditionelle Khmer-Tanz gelehrt. Überdehnung der Finger in extreme Spannungslagen gehören ebenso dazu, wie Dehnungen von Armen und Beinen in Positionen, die für mich, als steifen Europäer, nicht nachvollziehbar sind, nicht einmal in Gedanken! Jahrelange Übung machen solche Stretching-Übungen möglich!



„Für die Angehörigen der Khmer ist die Tanzkunst ein einzigartiges und heiliges Kulturmerkmal. Sie stellt den geistigen Bedarf der Khmer nach der harten Arbeit dar. Inzwischen umfasst die Tanzkunst der Khmer drei Tanzarten, nämlich den folkloristischen Tanz, spirituellen Tanz und Theater-Tanz.

Zu traditionellen Festen tanzen junge und alte Paare zu folkloristischen Tänzen mit Melodien von Trommeln und traditionellen Musikinstrumenten. Alle folkloristischen Tänze der Khmer sind sehr lustig und schlau. Sie sind in allen Dörfern sehr populär. Wenn die Musik erklingt, tanzen die Dorfeinwohner, egal ob Kinder oder Senioren, spontan zur Musik. Die zweite Tanzart der Khmer ist der spirituelle Tanz. Diese Tanzart wird bei der Zeremonie zur Verehrung der Götter, die die Felder und Dörfer schützen sowie bei Festen in den Pagoden und zu Buddhas Geburtstag vorgeführt. Heutzutage ist diese Tanzart nicht mehr populär und dadurch in einigen Orten in Vergessenheit geraten.

Die letzte Tanzart ist der Theater-Tanz.

In der Tanzkunst der Khmer spielt die Musik eine entscheidende Rolle, ob Werke erfolgreich sind oder nicht. Die Musik und der Tanz sind harmonisch und stammen aus den Seelen der Khmer. Deshalb sind sie sehr extravagant und frei.

Für die Khmer hat die Tanzkunst einen großen Einfluss und eine enge Verbindung mit der Architektur, der Malerei und dem geistigen Leben. Die Tänze finden oft in den Pagoden statt. Man weiß nicht, ob die Pagode vor der Tanzkunst oder umgekehrt entstanden ist. In der Architektur der Pagoden der Khmer gibt es allerdings zahlreiche Darstellungen von Tänzern und heiligen Vögeln. Die Tanzkunst ist nicht nur mit dem Alltagsleben der Khmer verbunden. Sie ist ebenfalls ein einzigartiges geistiges Kulturmerkmal.“ (Han Ha, 08.03.2016)



Nun werden auf der großen Tanzfläche Stück für Stück neue Teile eines Tanzes eingeübt. Mir fällt sofort die Komplexität der Bewegungen auf: Arm-, Bein- und Körperhaltung, Mimik, Kopfhaltung … alles verändert sich permanent in vorgeschriebener Art und Weise. Eine Koordinationsarbeit, die unglaubliche Fähigkeiten an Körperbeherrschung und geistiger Konzentrationsfähigkeit verlangt. Das „Endprodukt“ ist ein sich grazil verwindender Körper des Tänzers, der zur Khmer-Musik intensive Gefühle auszudrücken im Stande ist. Ich bin sehr beeindruckt, auch über die Ausdauer, mit der geprobt wird. Von morgens 8 bis 17.00 Uhr, mit einer einstündigen Mittagspause, üben die Studierenden. Dabei haben wir ca. 35 Grad Temperatur und der Schweiß rinnt in Strömen.


Ein Stückchen weiter sehe ich kleinere Gruppen üben. Eine Fortgeschrittenen-Gruppe besteht aus 10 Tänzern. Hier sieht man noch mehr, wie extrem komplex diese Tänze aufgebaut sind.

Eine andere Gruppe besteht meist aus Mädchen und Frauen. Hier wird der Tempeltanz eingeübt. Die Abbildungen der rituellen Apsara-Tänzerinnen sieht man zu Hauf als Relief in Angkor. Diese Tradition wird hier am Leben erhalten!



Nach dem Unterricht gehe ich mit meinem Bekannten noch ein Bier trinken. Er erzählt mir, tanzen sei sein Leben und dass es sein größter Wunsch sei, im Ausland eine Tanzkarriere aufzubauen. Er hatte bereits Anfragen, die aber bisher alle mangels Geld scheiterten.

Ja, das Geld spielt in Kambodscha überall eine große Rolle. Die Wünsche und Träume vieler junger Kambodschaner platzen förmlich, weil die Finanzierung einfach nicht möglich ist. Ich frage ihn, wie es denn um die Möglichkeit stünde, in Kambodscha als Tänzer beruflich tätig zu sein.

Er lächelt!


28.05.2018

Have a break …


Nun bin ich eine Woche in Phnom Penh und habe viele neue Eindrücke gewonnen. Mein Besuch bei der Organisation „Clear Cambodia“, die Wasserprojekte in Südkambodscha durchführt, ist für das letzte Viertel meines Kambodscha-Aufenthaltes terminiert. Übermorgen fahre ich mit dem Bus nach Siem Reap. Mein geplantes Vorhaben, mit dem Schnellboot auf dem Tonle Sap die Strecke nach Siem Reap zu befahren, musste ich leider ad acta legen. Der Tonle Sap, es ist der größte Süßwassersee Südostasiens und eines der fischreichsten Gewässer der Welt, hat zur Zeit zu wenig Wasser, um es Schiffen zu ermöglichen, in Siem Reap anzulegen.

„Jedes Jahr im Juni ist dort ein weltweit einzigartiges Naturphänomen zu beobachten. Der Mekong führt zu dieser Zeit auf Grund der Monsunregenfälle und durch das Schmelzwasser aus dem Himalaya bis zu viermal mehr Wasser als in den trockenen Monaten. Da Kambodscha ein großteils sehr flaches und ebenes Land ist, drängt das Wasser des Mekong in den Tonle-Sap-Fluss, und dieser wechselt die Fließrichtung. Die Wassermassen drängen zurück in das Becken des Tonle Sap und füllen den See, der während der trockenen Jahreszeit eine Oberfläche von 2.600 – 3.000 km² aufweist, bis er auf circa 10.400 km² (inkl. umliegende Flusslandschaften: bis zu 25.000 km²) anwächst und bis zu fünfmal so tief ist (von 2–3 m auf 14 m). Der Höhepunkt der Überflutungen wird im September erreicht. Zu diesem Zeitpunkt ist knapp ein Drittel der landwirtschaftlichen Kulturfläche Kambodschas von Wasser bedeckt.“ (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Tonle_Sap_(See))

Die Schifffahrt beginnt wieder im Oktober. Also geht´s mit dem Bus nach Siem Reap. Für die 320 km lange Strecke entlang des Sees benötigt der Bus, wenn alles gut geht, ca. 6-7 Stunden. Es ist eine gut ausgebaute, aber auch verkehrsreiche Straße, die die beiden Städte verbindet.


Beim Abendessen frage ich Thea (Name geändert) nach den schwierigsten Themen in Kambodscha: Krieg, Khmer Rouge und heutige politische Lage des Landes. Ich merke, dass er sehr nachdenklich wird und sehr genau überlegt, was er mir sagt. Zunächst erzählt er mir, wie seine Familie, die in einem Dorf südlich Phnom Penhs lebt, die vierjährige Schreckensherrschaft der Roten Khmer unter Pol Pot, die von 1975 - 1979 dauerte, erlebt hat. Seine Großeltern mütterlicherseits seien Bauern gewesen und hätten 6 Kinder gehabt. 5 von Ihnen hätten eine gute Schulausbildung genossen, Thea´s Mutter hätte auf dem Bauernhof mithelfen müssen und war deshalb immer nur in ihrem Dorf. Seine Onkel und Tanten hätten vor der Herrschaft der Khmer Rouge alle in Phnom Penh gelebt und wären teils in akademischen Berufen tätig gewesen. Als die Roten Khmer Phnom Penh am 17. April 1975 eroberten, währte der Jubel über das Ende des Bürgerkriegs nicht lange. Nur wenige Stunden später zwangen sie die Bevölkerung von Pnom Penh dazu, die Stadt zu verlassen. Die Vertreibung der Stadtbevölkerung, ihre Zahl wird auf 1,5 bis 2,6 Millionen geschätzt, war der Eintritt in das „Jahr Null“, mit dem eine neue Zeitrechnung in Kambodscha beginnen sollte. Es war der erste Schritt der Roten Khmer auf dem Weg zu einem primitiven Agrarkommunismus. Über Lautsprecher und Megaphone hatten die Soldaten der Roten Khmer in den Morgenstunden des 17. April 1975 der Bevölkerung erklärt, dass sie die Stadt für ein paar Tage verlassen sollte. Sie begründeten die Evakuierung damit, dass angeblich ein amerikanischer Bombenangriff bevorstehe. Viele wurden unter vorgehaltener Waffe zum Gehen gezwungen.

Thea berichtet, dass sein Onkel, er war Hochschullehrer, seit diesem Zeitpunkt verschollen sei: ermordet oder vielleicht doch ins Ausland entkommen, die Familie weiß es nicht. Die neue Regierung der Roten Khmer um Pol Pot, der weitgehend im Hintergrund agierte, begann sofort mit der völligen Umgestaltung der Gesellschaft zu einem autarken radikal-kommunistischen Bauernstaat und nannte das Land zynischer Weise "Demokratisches Kambodscha". Die Ideologie: bedürfnislose Gleichheit der Menschen.

Die Städter wurden wie Vieh von Phnom Penh aufs Land vertrieben, damit sie für die Partei keine Gefahr darstellten und in der landwirtschaftlichen Produktion eingesetzt werden konnten. Intellektuelle wurden erschossen. Bald waren die Städte des Landes wie ausgestorben. Der Privatbesitz wurde abgeschafft, ebenso das Geld und der freie Handel.

Alle Kambodschaner, die nicht unmittelbar politisch verfolgt und getötet wurden, mussten unter strengster Bewachung auf den Reis- und Baumwollfeldern sowie im Straßenbau unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Dabei verhungerten und verdursteten viele, starben an Krankheiten oder wurden von den Aufsehern erschlagen. So entstanden die "Killing Fields": die Getöteten wurden direkt neben den Feldern, auf denen sie gearbeitet hatten, begraben.

Tuol Sleng, das Foltergefängnis in Phnom Penh – dieser Name steht für das Grauen und den Terror der Gewaltherrschaft der Roten Khmer, für Folter und Ermordung. Ein Auszug aus dem Verhörhandbuch für das Sicherheitsgefängnis S-21 in Tuol Sleng:

"Der Zweck der Folter ist es, Antworten zu erhalten. Wir machen das nicht aus Spaß. Wir müssen sie verletzen, damit sie schnell antworten. Eine weitere Methode ist, sie seelisch zu zerbrechen, ihnen den Willen zu nehmen." (siehe https://www.planet-wissen.de/kultur/asien/kambodscha/pwiedierotenkhmer100.html)

Zwischen 15.000 und 20.000 Kambodschaner starben in S-21. Sie wurden gefoltert und ermordet, weil sie sich nach Ansicht der Roten Khmer eines Verbrechens schuldig gemacht hatten, "subversive Elemente" oder schlicht "Intellektuelle" waren, also beispielsweise eine Fremdsprache beherrschten oder eine Brille trugen. Weniger als ein Dutzend Menschen überlebten das S-21.


Insgesamt kamen in den 4 Jahren der Gewaltherrschaft der Roten Khmer geschätzt 1,7 bis 2,2 Millionen Kambodschaner ums Leben, also ein Drittel der Gesamtbevölkerung.


Thea`s Tante beging Selbstmord, da Ihr Mann und Ihr Kind getötet wurden. Sein anderer Onkel verlor seine 8 Kinder und Frau … Es gibt in Kambodscha kaum eine Familie, die in dieser Zeit nicht Familienmitglieder verloren hat.


Und die Aufarbeitung? 2007 nahm ein Khmer-Rouge Tribunal die Arbeit auf. Es gab ein paar Verurteilungen, man sprach immer wieder von politischer Einflussnahme auf die Prozesse. Tatsache ist, dass viele der Khmer-Rouge-Spitzel, die überall in den Dörfern tätig waren, zum Teil bis heute in politischen Ämtern tätig sind.


Ich merke Thea an, dass er leise wird, wenn er über Politik spricht. Es ist auch heute in Kambodscha noch sehr gefährlich, seine Meinung zu äußern. Die Pressefreiheit wurde eingeschränkt, die Oppositionspartei verboten, Oppositionelle inhaftiert, mit den Menschenrechten steht es ebenfalls nicht zum Besten. Ich befinde mich in keinem freien Land!


Ich habe eine gute Zusammenfassung über Kambodscha gefunden, die sehr aktuell ist und versucht, dieses Land sachlich zu beschreiben. Es lohnt sich, dort einmal hineinzuschauen: https://www.liportal.de/kambodscha/geschichte-staat/


29.05.2018

Hans guck in die Luft


Heute kam ich zufällig am Zentralmarkt vorbei. Es ist eines der architektonisch interessantesten Gebäude der Stadt, wie ich finde… Art Decó aus der französischen Kolonialzeit. Angeregt von dieser Schönheit, tat ich nun das, was ich in Wiesbaden auch manchmal mache: ich spiele „Hans guck in die Luft“ und schaue nach oben. Ich erwähnte bereits, dass Phnom Penh zur Zeit der französischen Kolonie als „Paris des Ostens“ bezeichnet wurde. Aber nun der Reihe nach …

Natürlich fallen einem zunächst die traditionellen Gebäude der Stadt ins Auge. Zu ihnen zählen das Nationalmuseum, der Königspalast mit der Silberpagode, Wat Botum, Wat Langka, Wat Ounalom und Wat Phnom. Gebaut wurden diese Gebäude in ihrer „Erstfassung“ im 15. Jahrhundert. Einige wurden bereits mehrfach restauriert, renoviert oder gänzlich neu aufgebaut. Diese Prachtbauten prägen den asiatischen Charakter der Stadt und sind alle in gutem Zustand.


Königspalast Phnom Penh


Wandert man weiter durch die Geschichte Phnom Penhs, fallen einem die bereits erwähnten Gebäude aus der französischen Kolonialzeit auf, allen voran der Zentralmarkt (1935-1937 errichtet). Ein echter Traum in Art Decó! Er wurde vor Kurzem neu restauriert und erstrahlt nun in frischem Glanz. Aber auch das alte Postgebäude aus dieser Zeit kann sich durchaus sehen lassen. Das Gebäude des Foreign Correspondent’s Club of Cambodia (FCC) an der Waterfront ist gleichfalls im Reigen der Kolonialgebäude zu nennen.


Zentralmarkt


Altes Postgebäude

Leider sind bereits viele hervorragende Architekturbeispiele dieser Zeit dem Verfall oder neuer Boutique-Hotel-Bauten erlegen. Man hat beispielsweise ein ganzes Art Decó Ensemble dem Bau eines Parkplatzes geopfert. Aber es gibt auch andere Beispiele. Ich entdecke eine Großbaustelle, die hermetisch durch hohe Bauzäune abgeriegelt ist. Ein Schild verrät mir, dass dahinter ein Grandhotel entstehen wird. Irgendwie habe ich Glück, und ein Lastwagen möchte das Baugelände verlassen, als ich mich gerade vor dem Tor befinde. Security-Personal öffnet das Tor und gibt mir den Blick in die Baustelle frei. Ich sehe, dass der Bauplatz freigeräumt wurde, d.h. alle alten Bausubstanzen wurden abgerissen, nur in der Mitte steht, teils abgestützt, das Gerippe einer alten Kolonialvilla. Ich frage nach. Ja, das alte Haus soll in die neue Architektur des Grandhotels integriert werden. Na, so geht es doch auch, denke ich so bei mir. Sicherlich ist das Ganze eine Kostenfrage. Ich bin gespannt, wie sich mir bei meinem nächsten Aufenthalt in Kambodscha diese Baustelle und vor allem das alte Gebäude präsentieren werden.



Nachdem Kambodscha 1953 die Unabhängigkeit von den Franzosen erlangte, erlebte die Stadt einen beispiellosen Bauboom unter der Patronage von König Norodom Sihanouk. Diese goldene Ära der modernen Architektur wird auch Neue Khmer-Architektur genannt. Unter den Architekten ist vor allem Vann Molyvann zu nennen, der vom König zum Nationalarchitekten ernannt wurde und der in Paris unter Le Corbusier studierte. Er und andere Architekten entwickelten einen Stil, der als Mischung von Bauhaus, Moderne und Tradition von Angkor beschrieben werden kann. Einzigartige Bauwerke wie das Nationaltheater, das Haus der Minister, das Institut für Fremdsprachen, das Nationale Sportzentrum, die Gebäude der königlichen Universität sowie Villen für die aufstrebende neue Mittel- und Oberschicht wurden zwischen 1950 und 1970 errichtet. Bei meiner nächtlichen Fahrt zum Gemüsemarkt bin ich an einem anderen architektonischen Zeugnis aus dem Jahr 1958 vorbeigekommen, dem Unabhängigkeitsdenkmal.



Das modere Phnom Penh ist dominiert durch Hochhausbauten, die allerdings zum Teil von hervorragenden Architekten entworfen wurden. Das Bild der Stadt verändert sich rasant.

Zum Schmunzeln brachte mich auf meinem „Hans-Guck-in-die-Luft“-Spaziergang ein Appartementhaus im slimline-Format. Einem Streichholz gleich ragt es in den Himmel. Hier war sicherlich kein Star-Architekt am Werk, aber skurril ist das allemal!



30.05.2018

Erster Abschied


Heute ist zunächst der letzte Tag in Phnom Penh für mich, bevor ich Morgen nach Siem Reap fahre. Das Busticket ist gekauft. Ich werde mit dem nobelsten Bus fahren, der zwischen Phnom Penh und Siem Reap verkehrt: Giant Ibis. Das Ticket kostet inklusive Hoteltransfer zur Busstation 15 USD (für 320 km). Dafür werde ich dann 6 - 7 Stunden vollklimatisiert durch die Gegend geschaukelt.

Es ist heute unerträglich heiß, ich schätze um die 40 Grad. Am Abend entlädt sich die aufgeheizte Luft in einem heftigen Gewitter. Anders als bei uns kühlt es danach leider nicht ab. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit ist das Dampfbad nun perfekt!

Der beste Ort, um sich bei diesem Wetter aufzuhalten, ist ein klimatisierter Raum. Ich bin abends noch mit Tra unterwegs und wir genehmigen uns ein paar Cocktails, um uns innerlich ein wenig abzukühlen.

Bye, bye Phnom Penh … in 20 Tagen komme ich wieder!



31.05.2018

On the road to … Siem Reap


Super, alles hat heute Morgen wunderbar geklappt. Der Transfer vom Hotel zum Reisebus mit Shuttleservice des Busunternehmens, der bestellte Sitzplatz, die pünktliche Abfahrt … alles bestens! Im halb besetzten Reisebus befinden sich außer mir noch einige Kambodschaner und ansonsten Touristen aus alles Welt, darunter viele Backpacker. Kambodscha kann man ganz gut als Rucksacktourist bereisen. Es gibt in den Städten überall Hostels, die für sehr wenig Geld ein Bett zur Verfügung stellen. Ab 1 USD kann man da übernachten. Ideal für Studenten mit schmaler Reisekasse.

Die Fahrt geht durch 4 Provinzen: Kandan, Kampong Cham, Kampong Thom und Siem Reap.

Die Fahrt aus Phnom Pehn hinaus zieht sich eine ganze Weile hin. Schuld daran sind der Verkehr und die große Ausdehnung der Hauptstadt. Wir überqueren den Tonle Sap Fluß und fahren östlich des Tonle Sap Sees nach Norden in Richtung Siem Reap. Vorbei an kleinen Dörfern, in denen das Alltagsleben in vollem Gange ist, ändert sich die Landschaft zusehens.



Weite landwirtschaftlich genutzte Flächen, die zum Teil unter Wasser stehen, deuten auf Reisanbau hin. Erst etwas später sehe ich das faszinierende Farbe der Reisflächen. Soweit das Auge reicht leuchtet es saftig grün unter dem blauen Himmel. Obwohl der Tonle Sap im Moment das Land noch nicht überflutet hat, scheint in diesem Jahr genug Wasser vorhanden zu sein. Ich bin gespannt, wie es bei Jim nördlich von Siem Reap aussieht.



Die Bauweise der Häuser ändert sich ebenfalls. Überall stehen nun die typischen Stelzenhäuser, die anzeigen, dass das Land in einem Monat, wenn der Mekong den Tonle Sap See aufgefüllt hat, völlig unter Wasser stehen wird. Gut für den Reisanbau, schlecht für trockene Füße!



Pünktlich um 15.45 Uhr erreichen wir Siem Reap. Der Tuktuk-Fahrer des Hotels wartet bereits mit meinem Namensschild auf mich. Kurze Fahrt zum Hotel und einchecken.

Siem Reap … ich bin dann mal da!


01.06.2018

Erst mal wieder schauen


Zurück in Siem Reap …das letzte Mal war ich vor einem Jahr hier. Ich mag diese Stadt mit ihren Gegensätzen. Eigentlich kommt man sich vor, wie in einem Dorf, wenn man in einem der Außenbezirke unterwegs ist. Kleine, verwinkelte Gassen mit zum Teil sehr ärmlichen Häuschen, in denen jeweils Großfamilien leben, dann wieder ein Sportplatz, auf dem Volleyball gespielt wird und die Neuigkeiten des Tages ausgetauscht werden.



Aber es gibt auch die mondäneren Stadtviertel mit ihren Gartenvillen, die man vom Weg aus nicht erkennt, da sie weit hinten in den Grundstücken liegen und dann ... der Touristen-Bereich: Ballermann lässt schön grüßen (Pub Street, 3 Nightmarkets, der Old Market) … Kneipe an Kneipe, Shop an Shop, Massagesalon an Massagesalon. Laut und schrill … wenn man aber beispielsweise Pattaya in Thailand kennt, dann ist dies hier noch ein Idyll.


Zugpferd der Touri-Gastronomie ist das gezapfte Bier für einen halben USD, also 50 Cent. Es dient den Restaurants dazu, die Kunden anzulocken. Und es funktioniert!


Ich gehe an diesem Abend mit zwei Freunden in eine Kneipe, in der vor allem Einheimische verkehren. Essen ist prima, Bier kostet auch hier nur 50 Cent. Beim Essen erzählt mir Li seine Lebensgeschichte im Zeitraffer: Eltern unbekannt, als Kind bettelnd auf der Straße gelebt, dabei fast gestorben, dann von einer NGO gefunden und aufgenommen, hat sich dort bestens entwickelt, war gut in der Schule und hat diese mit Auszeichnung abgeschlossen. Dann Kochlehre und in verschiedenen Hotels angestellt. Dann die Liebe seines Lebens gefunden und fliegt Morgen nach Italien, um dort mit seinem Mann zu leben (er ist Italiener). Die Heirat ist geplant.

Ich denke so bei mir, wieviel Prozent der Kids, die ich hier auf der Straße sehe, werde es wohl ebenso wie Li schaffen? Ich befürchte, sehr wenige.


Wir genießen die Abendshow in einer Bar und trinken ein paar Cocktails.



02.06.2018

Mit dem Motorroller auf Erkundungstour


Heute habe ich mir einen Motorscooter ausgeliehen … ich möchte ausprobieren, wie es ist, im Verkehrschaos mitzuschwimmen. Offiziell ist es Ausländern verboten, in Kambodscha ein Kraftfahrzeug zu fahren. Aber hier würde es ein wenig relaxter gesehen, ich möge nur keinen Unfall bauen und immer schön Helm tragen, dann würde schon nichts passieren.

Also gut: no risk, no fun!

Bei der Fahrzeugübergabe erwarte ich die Nachfrage nach meinem Führerschein … Fehlanzeige. Ich unterschreibe irgendetwas und bekomme den Schlüssel für den roten Runner. Schön ist er nicht mehr, eher heruntergekommen, aber er springt auf Anhieb an und zieht aus ganz gut los. Die Bremsen … na ja!



Meine heutige Mission: Einige Tempel von Angkor, die touristisch völlig unbekannt sind, zu finden und zu erkunden. Dann noch eine NGO (Nicht-Regierungs-Hilfsorganisation) mit dem Titel "Angkor Kids Center" zu besuchen.


Also los geht´s ins Getümmel. Es ist ziemlich einfach, im Verkehr mitzuschwimmen. Man muss nur ein bisschen auf alles aufpassen, was um einen herum so passiert. Und man lässt einfach andere durch, wenn sie schon weiter in der Kreuzung sind … auf rechts vor links beharren führt zum sicheren Unfall. Ich bin wirklich erstaunt, wie unproblematisch ich mich von Anfang an mit meinem roten Renner bewegen kann. Mein Weg führt vorbei am Airport weit außerhalb des Großgeländes der Ausgrabungen von Angkor. Zunächst möchte ich mir Banteay Thom anschauen, einen Tempel, der aufgrund seiner abgeschiedenen Lage im Nordwesten von Angkor noch eine der Anlagen frei von Touristen ist. Nach 3 Fehlversuchen, die mich mit meinem Motorroller im Nichts enden ließen, finde ich den Weg, der zum Tempel führt. Doch ach … die Uniform kenne ich, ein Wächter der Tempelverwaltung, die Angkor vermarktet. Eine Eintrittskarte, um Angkor besuchen zu dürfen kostet zur Zeit 37 USD am Tag. Da ich das Zentrum Angkors mit Angkor Thom, Bayon, Ta Prom und Angkor Wat schon mehrfach gesehen habe, bin ich gar nicht an einem Ticket interessiert. Nun hat die Tempelverwaltung wohl auch den abgelegenen Tempel Banteay Thom mit in die „Bewachung“ einbezogen. Nun gut, ich fahre zu dem jungen Mann in Uniform, stelle mich dumm und frage nach dem Weg zum Tempel. Er möchte gleich mein Ticket sehen. Hab keins! Dann geht´s hier nicht weiter. OK, ich versuche es mit Lachen und Charme, bringt leider nichts. Also gut, abhaken. Er ist aber kommunikativ (ihm scheint auch langweilig zu sein) und fragt, woher ich komme. Deutschland. Ah ja, hat er Freunde. Er wohne hier in der Nähe mit seiner Frau und 2 Kindern. Ob ich Interesse an Land hätte, er wüsste da etwas. Ach, bin ich an einen Immobilienmakler geraten? Er würde es gerne selbst kaufen, habe aber kein Geld. Nun malt er mit einem Stöckchen ein Quadrat in den Sand und eine Zahl daneben. Das Grundstück solle 5000 USD kosten, sei in der Nähe der Hauptstraße und wäre 25x25 m groß. Man könne dort ein Häuschen bauen oder einen Coffee-Shop errichten. OK, ist aber schon etwas abgelegen, wende ich ein … na ja, aber in Siem Reap koste die gleiche Größe bereits das Zehnfache. Das Verkaufsgespräch endet mit dem Austausch von Telefonnummern …ich stelle mich als Landbesitzer in Kambodscha vor … nein, nicht wirklich.



Weiter geht meine Fahrt auf der asphaltierten Straße Richtung Angkor Thum. Unterwegs sehe ich, dass in einem Haus gerade eine Feier zu Ende zu gehen scheint. 7 Mönche, die wohl eine Zeremonie bei diesem Event abgehalten haben, machen sich auf den Weg in Richtung Straße. Ich halte, weil ich um ein Foto bitten möchte. Doch sie kommen mir zuvor. Von Weitem grüßt einer schon mit „How are you?“. Na bestens, erwidere ich. In kürzester Zeit umringen sie mich samt rotem Renner. Der Englisch sprechende Mönch fragt mich, wo ich hin wolle. Roundtrip … ancient monuments. Er lacht. Ich scherze, ob sie alle mit mir mitfahren möchten, auf meinem Moped. Großes Gelächter. Nein, zur Pagode zurück fahren sie mit dem Tuktuk, das schon bereitsteht. Ich mache mein Angebot dennoch ein zweites Mal. Und siehe da, ein alter Mönch möchte als Sozius mit mir fahren … krass, denke ich und schon sitzt er hinter mir auf der Mopedbank. Alle lachen! Nun also besonders vorsichtig fahren und los geht´s! Von der asphaltierten Straße geht es nun auf eine Holperpiste. Der Mönch hält sich wacker hinter mir fest, es schüttelt ordentlich! Nach mehreren Kilometern Rüttelstrecke erreichen wir eine Schule im Nirgendwo. Es ist gerade Schulschluss und die Kids sind ganz begeistert, als sie die Langnase mit Mönch im Nacken anknattern sehen. Ein großes Gelächter allerseits und mein Mönch lacht sich hinter mir ebenfalls fast kaputt. Nun geht es noch in Begleitung einiger radfahrender Schüler um zwei Biegungen und wir sind da, an der Pagode. Der Mönch bedankt sich freundlich bei mir, wobei er noch Tränen des Lachens in seinem Gesicht hat. Ich bitte um ein Foto mit ihm. Eine alte Frau, die hier zu wohnen scheint, ist gerade in unserer Nähe zu Gange. Sie soll nun ein Foto von uns schießen. Sie ziert sich. Ich drücke ihr einfach die Kamera in die Hand und zeige ihr den Auslöser. So ein Ding hatte sie noch nie in ihrer Hand, das sehe ich. Mit dem Daumen betätigt sie, unter verschämtem Lachen, den Knopf (wie das geht, ist mir ein Rätsel, aber sie schafft es, ein Bild zu machen). Etwas unten abgeschnitten, aber egal, wir sind dokumentiert inklusive des roten Renners im Hintergrund. Ich mache noch ein Foto von dem Mönch, dessen Mimik sich ebenso verändert, wie die des Mönchs, den ich am ersten Tag in Phnom Penh fotografiert habe … er wirkt plötzlich wie entrückt!




Freundlicher Abschied, die anderen kommen gerade mit ihrem Tuktuk an und winken mir lachend zu. Ich mache mich auf den Weg, um nun doch an einen weiteren versteckten Tempel Angkors heranzukommen (ohne abgestoppt zu werden).

Aber erst liegt noch das NGO Projekt "Angkor Kids Center" auf dem Weg.


Ich folge weiter der Hoppelpiste. Zum Glück habe ich in meinem Smartphone eine offline Karte, die richtig gut ist und das GPS funktioniert auch zufriedenstellend. Ich fahre nun an vielen kleinen Häuschen vorbei, die zwischen Bananenstauden und anderen exotischen Sträuchern und Bäumen versteckt sind. Alles sieht sehr ärmlich aus … die Menschen sind einfach gekleidet, die Kinder haben meist nur kurze Hose oder Kleidchen an und viele gehörten einmal in einer Badewanne richtig abgeschrubbt. Dies tut aber der Freundlichkeit und Neugier mir gegenüber, dem Europäer auf dem roten Renner, keinen Abbruch. Bei einer Familie, die mir lachend zuwinkt, mache ich halt. Die älteren Mädchen versuchen ihr Englisch: woher ich käme, ob ich Geschwister hätte, wie alt ich sei … Verhör im Kurzformat. Ich lache und gebe wahrheitsgemäß Auskunft, was bei den Müttern wohl für Erstaunen sorgt … so alt?!

Als Gegenleistung für meine personality-Daten darf ich fotografieren … Geben und Nehmen auf Augenhöhe.



Meine Suche nach dem "Angkor Kids Center" gestaltet sich als recht schwierig. Ich frage mich durch, wobei die älteren Leute hier kein Englisch verstehen. Erst beim 6. oder 7. Mal habe ich Glück. Zwei Schüler zeigen mir den Weg.

Versteckt hinter anderen Häusern steht nun das Schulgebäude. Ich war im Internet auf das Projekt gestoßen. Aus der Initiative eines einzelnen Kambodschaners entstand dieses Projekt, das von Spenden aus aller Welt lebt und sich zum Ziel gesetzt hat, den Kids der Umgebung Englisch beizubringen. Mein Gesprächspartner ist Thy, der als "Mädchen für alles" hier angestellt ist, wie er mir erzählt. Ca. 300 Kinder und Jugendliche seien von Montag bis Freitag jeweils 2 Stunden vormittags oder nachmittags hier, um Englisch zu lernen. Außerdem habe man ein Ökologie-Projekt, das für das Thema Umwelt sensibilisieren soll. Besonders würde man mit den Jugendlichen das Problem des Plastikmülls prakmatisch angehen. Der Englischunterricht würde ehrenamtlich von Studenten der näheren Umgebung abgehalten. Er zeigt mir stolz 7 neue Laptops, die eben erst gekauft worden seien. Eine Solaranlage um Strom zu erzeugen habe man auch. Diese sei aus Deutschland gespendet worden. Ich frage Thy, ob in der regulären Primary- und Secundary School kein Englisch gelehrt würde. Er sagt, wenn, dann von schlechter Qualität … aber viele Kinder aus der Nachbarschaft gingen gar nicht zur Schule, kämen aber hierher.

https://www.angkorkidscenter.org/

Ich verabschiede mich von Thy. Leider kann ich nicht sehen, ob die Aussagen auch wirklich zutreffen. Es ist Samstag und deshalb ist auch kein Unterricht.



Nun unternehme ich einen weiteren Versuch, an einen versteckten Tempel heranzukommen. Die Pisten, die ich fahren muss, sind mehr als abenteuerlich. Ich hoffe immer, dass mein roter Renner durchhält. Seit Kurzem brennt nämlich eine Warnlampe … mit dem Motor scheint etwas nicht in Ordnung zu sein. Ich beschließe, das blöde Licht zu ignorieren und auf mein Glück zu vertrauen.

Nach Urwaldpfaden, Schlammpisten und steinigen Pfaden erreiche ich tatsächlich „meinen Tempel“, den Banteay Prei. Ich bin ganz allein, das ist in Angkor der Luxus schlechthin, den ich mir allerdings auch ordentlich verdienen musste. Wie bei allen Khmer-Tempeln erschließt sich für mich der Zauber erst, wenn man die Möglichkeit hat, diese Ruinen ohne Störfaktoren wie Lärm etc. zu erkunden. Ich befinde mich im Dschungel (Banteay Prei bedeutet auch "Festung im Dschungel“) und höre Vögel und im Hintergrund sind Gibbons mit ihrem Reviergesang zu vernehmen. Ansonsten ist Stille um mich herum. Ich kann mich ganz auf den Tempel konzentrieren.



„Banteay Prei ist eine mittelgroße Anlage aus der gleichen Bayon-Periode und vom Grundriss ähnlich wie Ta Som und Ta Nei. Gallerien und Türme sind im Falle Banteay Preis niedriger, darum erscheint er nahezu wie ein Miniaturtempel. Innerhalb der äußeren (sogenannten "dritten") Einfriedung umgibt ein Wassergraben das Areal des Kerntempels. Er misst 80 m mal 60 m. Die Galerien bilden die Einfassung des innersten ("ersten") Hofes, der 30 m von Ost nach West und 25 m von Nord nach Süd misst. Die Mauern aller Gebäude sind mit Blumenornamenten und Devatas (Apsaras) im typischen Bayon-Stil geschmückt. Wie bei anderen buddhistischen Khmer-Monumenten sind bei vielen Skulpturen die Gesichter zerstört, einige von den hinduistischen Bilderstürmern des 13. Jahrhudnerts, aber andere erst während des Bürgerkriegs, als der Kunstraub der Roten Khmer diesen Teil Angkors oft heimsuchte. Es gibt einen Steinpfeiler mit einem Fischmotiv unbekannter Symbolik im südwestlichen Teil des Innenhofs. Ähnliche Stelen wurden in anderen Tempeln der Bayon-Periode gefunden, so im nahen Preah Khan und in Ta Som.“ (siehe http://www.angkor-travels.com/html/secretplaces.php?p_lang=de)



Nahe Banteay Prei steht gleich der kleine Tempelkomplex von Prasat Prei auf einer natürlichen Anhöhe, den ich mir ebenfalls anschaue.



Das war ein Tag voller Erlebnisse und Überraschungen. Mein roter Renner hat übrigens kurz vor dem Hotel den Geist aufgegeben ... Motorschaden. Morgen bekomme ich einen neuen.

Zufrieden lasse ich beim Abendessen nochmals alles Revue passieren.

Kambodscha erschließt sich mir gerade neu …


03.06.2018

Lotusfarm, Stelzenhäuser, versteckte Khmer-Tempel


Heute Morgen ist er tatsächlich da, der neue Motorroller. Na ja, neu ist auch der nicht gerade, knapp 30 000 km bei diesen Schotterpisten, das muss schon gute Qualität sein, wenn der noch problemlos läuft. Deshalb mache ich zunächst mal eine Proberunde. Er ist tatsächlich um Klassen besser als mein roter Renner. OK, Vertrauen geschenkt … dann kann es losgehen!



Meine heutigen Ziele sind der Schiffsanleger von Siem Reap am Tonle Sap und der Bereich um das Ausgrabungszentrum von Bakong.

Der weiße Blitz, wie ich meinen neuen Scooter taufe, macht seinem Namen alle Ehre … geht ab wie ein Zäpfchen in strahlendem Weiß. Ich übe mich wieder im traffic-swimming, geht ganz gut! Man kommt sich mit den anderen Scooterfahrern ziemlich nah, so als säße man in Bus nebeneinander. An der Ampel ist das recht interessant. Ich habe eben mal gezählt … wir standen zu zehnt nebeneinander an der Haltelinie einer Ampel auf einer 3 spurigen Fahrbahn. Mit von der Partie waren noch ein SUV und ein Tuktuk. Ich war auf das Chaos beim Start gespannt. Die Ampeln in Kambodscha zählen den Countdown herunter, sodass man genau weiß, wann es losgeht. Zu meiner Überraschung läuft alles sehr relaxt ab … jeder achtet auf seinen Nachbarn, keine Rangeleien, es organisiert sich alles wie von Geisterhand ... und ich mittendrin.


Meine Fahrt geht entlang des Siem Reap Rivers in Richtung Süden. Links fließt das Flüsschen, das im Tonle Sap mündet, rechts reihen sich Verkaufsstand an Verkaufsstand. Alles was man zum täglichen Bedarf benötigt, kann man hier erstehen. Irgendwann hören die Stände auf, ich nähere mich dem See. Nun sehe ich weite Felder, auf denen Lotusblumen angebaut werden. Die herrliche Blüte wird für buddhistische Zeremonien, als Opfergabe sowie zur Ausschmückung von Tempeln und Häusern genutzt. Die Samen der Blüte kann man auch gut essen. Sie schmecken ein bisschen so wie Zuckererbsen. Lotusblumen, soweit das Auge reicht. Sie können hier wachsen, weil durch die Nähe des Sees Wasser vorhanden ist. In der Trockenzeit werden die Felder durch Kanäle bewässert. Lotusblumen sind Wasserpflanzen, vergleichbar unseren Seerosen.

„Seine Fähigkeit, Schmutz von sich zu weisen, ließ den Lotus in weiten Teilen Asiens zum Sinnbild für Reinheit, Treue, Schöpferkraft und Erleuchtung werden. Das Symbol findet sich sowohl im Hinduismus als auch im Buddhismus, wo die Erleuchteten (Buddhas), insbesondere Siddhartha Gautama, regelmäßig auf einer geöffneten Lotosblüte oder einem Lotousthron stehend oder sitzend dargestellt werden.“ (siehe Wikipedia)



Nun bin ich am See angekommen … oder dort, wo ab Juli bis Oktober Wasser ist. Die Pfahlbauten zeigen unmissverständlich an, wie hoch die Fluten in ein paar Wochen hier sein werden. Nun sieht man aber all das, was ansonsten im Wasser des Sees landet ... Plastikmüll, Schmutz etc. Zwischen den Häusern sind kleine Dämme, die nun als Wege dienen. Ich balanciere mit meinem weißen Blitz darauf herum, von vielen Augen beobachtet. Diesmal ist mir nicht ganz wohl, hier herumzufahren. Es ist das erste Mal, dass ich den Eindruck habe, nicht wirklich willkommen zu sein. Dennoch schaue ich mich um. Mir fällt ein Schild auf, welches auf ein Wasserprojekt hinweist. „Water Pump Well“ steht darauf und zwei Mädchen zeigen mir gleich die Errungenschaft. Ein einfaches hellblaues Rohrsystem geht in den Boden und holt über manuelles Pumpen Grundwasser herauf. Ich weiß, dass das Trinkwasserproblem auch am Tonle Sap vorhanden ist. Das Wasser des Sees ist an den Ufern sehr schmutzig, da der See für alles Mögliche genutzt wird, u.a. gehen Abwässer ungeklärt hinein. In dem Bereich, in dem ich mich jetzt befinde, gibt es in der Trockenzeit gar kein Wasser. Die Leute müssen Trinkwasser kaufen oder aus Tümpeln, die es gibt, trinken. Nun wäre interessant herauszubekommen, ob dieses heraufgepumpte Grundwasser bakteriell einwandfrei ist. Ich bleibe dran!



Direkt neben diesem Stelzendorf erhebt sich ein Berg mit einem Kloster. Ich fahre zunächst einmal um den Berg herum. Die Piste ist rutschig und schwierig zu befahren. Bei einem Kloster am Fuß des Berges bleibe ich stehen. Nebenan eine Schule … Primary und Secundary School und ein Stückchen weiter tatsächlich die erste Highschool, die ich sehe und die ist wirklich sehr abgeschieden. Nach der Umrundung parke ich mein Gefährt, das übrigens super geländegängig ist und beginne meinen Aufstieg zum Gipfel des Berges bei ca. 38 Grad. Viele Treppenstufen führen hinauf. Am Ende der Treppe erwarten mich zwei Überraschungen … ich stehe auf einer Straße, die zum Gipfel führt (hätte ich auch hinauffahren können, denke ich mir) und … ein pinkfarbenes Hemd. Langsam sehe ich rot. Wieder einer dieser Tempelwächter. Ich möchte nur zum Gipfel um herunter zu schauen, nun darf ich nicht, weil dort angeblich ein alter Tempel sei. Wusste ich gar nicht. Langsam nervt mich diese Abzocke. Ich verstehe, dass bei den Touristenmassen von Angkor Wat ein Regulativ eingebaut werden muss, ich verstehe auch, dass die Erhaltung der Tempelanlagen Geld kostet … allerdings vermute ich, dass viele der Einnahmen nicht dort ankommen, wo sie eigentlich hinsollten. Die Restaurierungsarbeiten in Angkor machen zum Großteil ausländische Ärchäologenteams aus aller Welt u.a. auch aus Deutschland.



Ich darf also nur von meinem Treppenabsatz nach unten fotografieren und muss dann wieder absteigen. Echt doof!

Nach dem Lunch fahre ich nochmal in eine andere Richtung auf der Nationalstraße 6, um noch ein paar versteckte Tempel aufzuspüren. Diesmal besuche ich das Bakong-Gebiet, weit entfernt von Angkor. Ich fahre ein ganzes Stück vor der offiziellen Zufahrtsstraße zum Tempelbereich von der N6 ab, vielleicht stehen wieder irgendwo rosa Männer herum. Nun geht es an vielen kleinen Bauernhöfen vorbei. Die Piste ist alles andere als angenehm zu fahren … glatt, steinig, mit tiefen Löchern. Konzentration ist gefordert. Wieder begrüßen mich unterwegs Kindergruppen, zum Teil in hervorragendem Englisch.



In dem Gebiet gibt es drei größere Tempel, Bakong ist die bekannteste Anlage. Der in den frühen Jahren des Königreichs Kambuja erbaute Tempel gehört zur so genannten Roluos-Gruppe. Bakong ist der erste monumentale Tempelberg, den ein Khmer-König in der Ebene errichten ließ und stellt einen bedeutenden Entwicklungssprung in der Khmer-Architektur dar.

Also ganz unbekannt ist diese Tempelanlage nicht!

Das merke ich auch, als ich mich nähere … Ticketabfrage … hab keins … umdrehen. Na, kenne ich ja schon. Ich komme dann trotzdem auf Schleichwegen an die Tempel heran.

Mein erster ist der Prei Monti Tempel. Ich bin wieder ganz allein, diesmal auch keine rosa Tempelhüter.

„Der Shiva geweihte hinduistische Tempel Prei Montí entstand vielleicht schon im frühen 9. Jahrhundert. Auf einer gemeinsamen niederen Terrasse stehen nordsüdlich nebeneinander die Ruinen dreier Prasat (Tempeltürme) aus Ziegelmauerwerk; jeder Turm besitzt einen quadratischen Grundriss (etwa 4 auf 4 m), einen sandsteingerahmten Eingang auf der Ostseite und Scheintüren in den übrigen drei Wänden. In den Innenräumen standen vermutlich Linga-Skulpturen. Eine Erdumwallung (etwa 900 auf 700 m) umgibt die Anlage.“ (Wikipedia)

Auch hier nur Urwaldgeräusche, sonst nicht … oder doch? Zwei Kinder kommen angelaufen und sind sichtlich erstaunt, dass sich ein "foreigner" zu ihrem Spielplatz verlaufen hat.

Sie gehen wieder, da sie mich wohl für langweilig halten.

Der Tempel ist nicht gut erhalten, dennoch strahlt er etwas Mystisches aus. Sicherlich spielt hier die Umgebung auch eine Rolle, es ist schwül, überall tropft es von den Bäumen und der Wald lebt. Ich fotografiere recht lange und lasse diesen Ort auf mich wirken.



Dann weiter mit dem weißen Blitz auf wirklich verschlungenen Pfaden zum Bakong. In die Anlage komme ich nicht hinein … rosa Tempelwächter. Aber auch von außen kann man über die Mauer und den Wassergraben auf den erhöhten Tempel im Inneren schauen. Die Maiskolbenform des Tempelturmes erinnert schon stark an Angkor Wat.



Langsam dämmert es und ich will vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück in Siem Reap sein. Also das letzte Mal auf die Schlammpiste für heute bis zur N6 in Richtung Hotel.


04.06.2018

Wasser und kranke Kinder


Gestern Abend ging ein schweres Gewitter in Siem Reap nieder, die Straßen verwandelten sich in Flüsse. Eine Stunde, dann war alles vorbei … allerdings sieht man heute Morgen überall die Auswirkungen. Schlamm auf den Straßen, heruntergefallene Äste, herumliegende Gegenstände. Viele Menschen sind mit Säuberungs- und Aufräumarbeiten beschäftigt.

Angesichts der Wassermassen, die vom Himmel gekommen sind, überlege ich mir, dass ich heute „Wasser“ zu meinem Haupt-Exkursionsthema mache.

Ich fahre in Richtung westlicher Baray. Mein weißer Blitz rennt super!


„Der Westliche Baray ist ein Wasserreservoir aus der Angkorzeit.

Der Westliche Baray liegt knapp außerhalb der Stadtmauern von Angkor Thom und ist west-östlich ausgerichtet. Der unter der Herrschaft von Suryavarman I. begonnene Bau wurde von dessen Nachfolger Udayadityavarman II. beendet. Sein Grundriss ist rechteckig und bemisst sich auf 2,1 Kilometer mal 8 Kilometer; er bildet damit den größten Baray in Angkor. Das Wasser wird von aus Erde gebildeten Deichen gehalten. Im Zentrum des Baray liegt auf einer kleinen künstlich aufgeschütteten Insel der von Udayadityavarman II. bis 1066 fertiggestellte westliche Mebon. Die Baumeister des Westlichen Baray scheinen frühere Bauten mit einbezogen zu haben. Der östliche Teil des Deichs gehörte wohl größtenteils zur Deichanlage, die die Stadt bereits zur Zeit des Königs Yasovarman I. geschützt hatte. Im südlichen Teil wurde infolge des Deichbaus ein steinerner Pyramidentempel überflutet, während sich im Westteil eine alte Siedlung findet, die ebenfalls im Wasser unterging. Auf einer Stele aus dem Jahr 713 finden sich Hinweise auf Reisfelder, die der Königin Jayadevi als Opfer übereignet wurden.

In neuerer Zeit wurde zum Zweck der Wasserregulierung eine Schleuse in den Süddeich des Westlichen Baray eingebaut. Heute führt seine westliche Hälfte das ganze Jahr über Wasser; während der Regenzeit ist dann auch die östliche Hälfte gefüllt. Infolge des klaren, ruhigen Wassers ist der Baray ein beliebter Ausflugsort für Schwimmer und Ruderer.“ (siehe Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Westlicher_Baray)


Unten der Tonle Sap, in der Mitte (rechteckig blau) der Westliche Baray

Ich steige die Schleuse hinunter und befinde mich am Sandstrand, der sich einige hundert Meter nach links und ca. 2 Kilometer nach rechts zieht. Am Rande des Strandes stehen mit Palmblättern gedeckte Hütten, die den Badegästen als Laube dienen. Heute ist Montag, da ist nicht viel Betrieb. Ein paar badende Kinder, die mich aus dem Wasser heraus begrüßen und zwei Mönche, die unter einem Sonnensegel sitzend, auf den See schauen. Ich spaziere ein Stück am Strand entlang und fotografiere. Nun beobachte ich etwas Kurioses … einer der Mönche schnappt sich einen als Schwimmring bereitliegenden Autoreifen und stürzt sich in voller Möchsmontur in die Fluten. Er hat sichtlich Spaß dabei und plantscht mit den Kindern um die Wette. Ich gehe zu dem anderen Mönch, der noch auf seinem Platz sitzt, sage freundlich „Hello!“ und beginne meine Neugierde zu befriedigen. Ob das Wasser warm sei und ob er auch schon gebadet hätte … ja (mit breitem Grinsen). Es sei sehr schön hier und er genieße es. Er sei in einem Kloster in Phnom Penh und mache für 3 Tage mit seinem Mönchsfreund hier in Siem Reap Urlaub. Sie hätten eine billige Unterkunft gefunden, denn sie benötigten nicht viel Komfort und seien sehr glücklich, hier zu sein. Das glaube ich ihm aufs Wort. Echt netter Kerl, denke ich so bei mir. Wir plaudern über das Klosterleben und dass in seinem Kloster ein relativ liberaler Geist herrsche. Nun bin ich gespannt, wie das Foto wird, um das ich ihn bitte … diesmal bleibt die Mimik relativ offen mit angedeutetem Lächeln, ohne Rückzug nach innen. Wir verabschieden uns sehr freundschaftlich … eine kurze, aber intensive Begegnung.

Sein Freund plantscht noch!



Am Schleusenausgang sitzt eine alte Frau und angelt.



Ich gehe nun zu Fuß weiter … Wandern im Dschungel ist angesagt. Mein Ziel ist mal wieder ein alter Tempel. Zunächst geht es eine Fahrpiste entlang. Dann zeigt mein GPS an, ich solle nach rechts abbiegen … aha! Ich sehe keinen Weg, nur dichtes Gestrüpp. Ein paar Schritte weiter vernehme ich die Andeutung von Trittspuren, die in den Dschungel führen. OK, schaun wir mal! Nun wird es eng, dicht um mich herum wildes Grün teils recht stachelig … eine Machete wäre jetzt prima. So stapfe ich mehr gebückt als aufrecht eine halbe Stunde durch den Wald. Dann öffnet sich das Grün und ich stehe auf einer Lichtung. Ich sehe ein Bauernhaus und bewirtschaftetes Land. Erst mal durchatmen! Aber mein GPS funktioniert, sonst hätte ich mich nicht bis hierher durchgeschlagen. Ich höre etwas knattern und folge dem Geräusch. Um die Wegbiegung kommt ein junger Mann, der sich von einer Maschine, die er steuert, ziehen lässt. Ich folge ihm und sehe, dass er in Richtung eines Feldes fährt. Dort ist der Boden bereits umgepflügt. Er zerkleinert nun mit seiner Maschine die Erde in eine feinere Struktur, wohl um danach besser pflanzen zu können. Was angebaut werden soll, erfahre ich leider nicht. Er und sein Freund, der ebenfalls auftaucht, sprechen leider kein Englisch.



Mein GPS sagt, alter Tempel links … wie soll ich dorthin kommen? Ich frage eine Familie, die gerade damit beschäftigt ist, einen Zaun um ihr Reisfeld zu ziehen. Die jungen Leute wissen nichts vom „ancient temple“, aber der alte Mann deutet sofort in die Richtung, die auch mein GPS anzeigt. Und er zeigt mir auch den Weg. Also an zwei schnaubenden Wasserbüffeln vorbei zur Anhöhe. Nun wird mir klar, warum hier keine rosa Tempelwächter zu sehen sind. Der Kas Ho Tempel und sein Nachbar, der Mlob Rersey gehören sicherlich in die Zeit des Baus des westlichen Baray also um 1000. Zu sehen ist allerdings nicht mehr sehr viel davon. Ein angedeutetes Tor und ein paar herumliegende bearbeitete Steine auf einem Hügel. Rund herum wuchern Palmen und viel Gestrüpp. Zwei Termitenhügel sind zu sehen, die sich neben den Tempelresten fotogen platziert haben. Eine Würgefeige versucht, einer Palme den Garaus zu machen … wie es aussieht, mit Erfolg.

Ein Tempel, der wirklich versteckt ist … und ich war da (lach!)



Ich gehe wieder an den noch böser dreinschauenden Wasserbüffeln vorbei und gelange zurück auf den Weg. Er zieht sich nun entlang einiger Reisfelder. Alle sind voll Wasser. Das Gebiet um den Baray wird durch Wasserkanäle bewässert, deshalb ist es hier ein gutes Reisanbaugebiet. Anders in den Bereichen, in denen ich mich die letzten Tage herumgetrieben habe. Dort ist alles trocken. Ich bin gespannt, wie es bei Jim aussieht. Morgen ist er zurück aus Laos!



Auf der Rückfahrt nach Siem Reap komme ich an einer Großbaustelle vorbei. „Emergency bridging project for potable water supply“ steht auf einem Schild, was so viel bedeutet wie “Notfall Überbrückungs-Projekt zur Trinkwasserversorgung“. Ein großer Wasserspeicher auf Stelzen ist zu sehen und eine riesige Anlage, die sich im Bau befindet. Im Internet ist zu erfahren, dass eine Baufirma aus Phnom Penh die Bauarbeiten durchführt. Auf dem Wasserspeicher ist die japanische Flagge zu sehen. Ich denke mir, dass dieses Projekt von den Japanern als Entwicklungshilfe für Kambodscha finanziert wird. Das ist allerdings nur eine Vermutung, da im Internet nichts darüber zu finden ist. Auch über die genaue Wirkungsweise finde ich nichts. Ich vermute, dass es sich um eine Wasserpump- und Aufbereitungsanlange mit Wasserspeicher handelt. Ich werde Jim fragen, wenn er da ist. Sicher ist jedoch, dass es Trinkwasserprobleme in Siem Reap während der Trockenzeit zu geben scheint: kein Wunder, bei 170000 Einwohnern und über 2 Millionen Gästen jährlich.



Nun fahre ich noch zu einer NGO, dem "Angkor Hospital for Children". Mitten in Siem Reap finde ich dieses Krankenhaus der besonderen Art.


Freunde ohne Grenze - es begann mit einem Foto.

Der renommierte japanische Fotograf Kenro Izu kam 1993 zu seinem ersten Besuch nach Kambodscha, um dort die prächtigen Angkor Tempel zu fotografieren. Kambodscha befand sich noch im Krieg gegen die Khmer Rouge. Kenro war tief berührt von dem Leid der Kinder, die durch Minen Arme und Beinen verloren hatten. Kenro erkannte, dass er Kambodscha nicht verlassen konnte, ohne etwas für diese leidgeprüften Kinder zu tun. Er gründete eine Non-Profit-Organisation namens friends without a Border (FWAB). Mit Hilfe der internationalen Kunst-Community und mehr als 6.000 Unterstützern aus der ganzen Welt öffnete 1999 das Angkor Hospital für Kinder seine Tore. Es sollten in diesem Krankenhaus kambodschanische Kinder kostenlos behandelt werden und das Krankenhaus sollte von Kambodschanern selbst geführt werden. Heute sind 98% der Mitarbeiter des Krankenhauses Kambodschaner (500 + Mitarbeiter). Das medizinische Team besteht aus 70 Ärzten, 200 Personen in der Pflege und 100 anderen medizinischen Mitarbeitern. Das nicht medizinische Personal, einschließlich Entwicklung, Management und Logistik, hat 137 Mitarbeiter und 130 Supportmitarbeiter. Täglich sind 500-600 kleine Patienten zu versorgen.“


Eine nette junge Dame im Informationscenter erzählt mir die Geschichte des Krankenhauses. Es gibt auch etwas zu sehen … einen Videofilm über die Arbeit und 3 Räume, die die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft dokumentieren. Man stellt medizinische Versorgung nicht nur in Siem Reap bereit, sondern auch direkt auf dem Land durch Gesundheitszentren. Prävention ist ebenfalls ein Thema, das im Blick ist. Die Qualität aller Mitarbeiter, ob im Krankenhaus oder in den Zentren vor Ort, wird durch regelmäßige Schulungen sichergestellt.

Das Krankenhaus finanziert sich ausschließlich aus Spenden und ist von der Regierung unabhängig!



Ich darf einen Rundgang durch das Krankenhaus machen. Meine Begleiterin zeigt mir zunächst den offenen, überdachten Eingangsbereich. Es sieht aus wie eine Bühne, eine erhöhte Plattform. Wenn morgens die Tore öffnen, kommen die Menschen zunächst dorthin, um auf ihre Registrierung zu warten. Dann erfolgt das Erstgespräch meist durch eine Krankenschwester. Danach werden die Kinder zu dem jeweils zuständigen Doktor gebracht. Es sind zusätzlich zwei Fachbereiche angeschlossen: Augen- und Zahnklinik.

Ich sehe viele auf der Plattform wartende Menschen. Meist haben die Mütter ihre Kinder im Arm, einige Kids laufen aber auch neugierig in der Gegend herum. Diese Plattform bietet auch eine Übernachtungsmöglichkeit für all diejenigen, die an einem Tag nicht an die Reihe gekommen sind oder für Eltern, die von weit herkommen, um ihr Kind behandeln zu lassen oder das Kind stationär aufgenommen wurde. Diese Menschen haben kein Geld um sich in Siem Reap ein Zimmer zu mieten.

Um die Ecke herum ist eine Openair-Küche. Hier wird den Eltern gezeigt, wie und was sie für ihre Kinder zubereiten sollen, damit diese gesund bleiben. Ebenso ist ein kleiner Garten angelegt, der als Beispiel für Gemüseanbau dient. Ich darf in einen der Bettensäle schauen. Ich vermute, hier stehen 40 Bettchen nebeneinander, alles weiß und steril ... Krankenhausatmosphäre. Alles macht einen hochprofessionellen Eindruck. Die Ärzte, die mir begegnen, grüßen alle sehr freundlich. Überhaupt scheint hier viel gelacht zu werden … ich höre es aus allen Ecken tönen.

Ich bin wirklich beeindruckt von diesem Großprojekt, das ja nun schon seit 19 Jahren besteht.

http://angkorhospital.org/



05.06.2018

Angkor und nochmal Wasser


Heute habe ich einen Ruhetag eingelegt. Die vergangenen drei Tage waren so erlebnisreich, sodass ich Zeit brauche, um alles ein wenig setzen zu lassen. Deshalb dachte ich mir, gebe ich dem geneigten Leser heute die Möglichkeit, sich einem Kurzabriss der Geschichte Angkors zu widmen. Die meisten der beschriebenen Tempel wie Bayon, Angkot Wat, Angkor Thom und Ta Prom liegen im Kernbereich der alten Stadt. Hier war das politische, kulturelle und religiöse Zentrum des Khmer-Reiches. Bei früheren Reisen habe ich diese wirklich fantastischen Tempelanlagen mehrfach sehen dürfen. Eine Reise nach Kambodscha lohnt sich allein, um diese Tempel anzuschauen. Im 13. Jahrhundert zählte Angkor zu den größten Städten der Welt. Es gibt Vermutungen, dass im Großraum von Angkor bis zu einer Million Menschen auf etwa 1000 km² gelebt haben könnten. Durch den Bau zweier riesiger Wasserspeicher, dem östlichen und dem westlichen Baray konnte die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung und die Bewässerung der Felder vor allem in der Trockenzeit sichergestellt werden. Einige Forscher gehen davon aus, dass der Untergang des Khmer-Reiches auch mit der immer schneller wachsenden Bevölkerung und den dadurch entstandenen Problemen der Wasserversorgung zusammenhing. Ein anderer Faktor ist die Erstarkung der Thai im Westen.

Angkor Wat bei Sonnenaufgang (das Foto wurde 2016 von mir gemacht)

„Angkors Geschichte: Könige und Tempel

Angkor ist eine Region nahe der kambodschanischen Stadt Siem Reap und bildete vom frühen 9. Jahrhundert an den Mittelpunkt des Khmer Königreiches Kambuja (Kambodscha, engl. Cambodia). Berühmt ist Angkor vor allem für seine Tempel, die alljährlich Millionen Touristen nach Kambodscha locken. Mehr als 1000 größere und kleinere Tempel sowie Heiligtümer wurden bisher in Angkor entdeckt. Die berühmteste und größte Tempelanlage ist Angkor Wat.

Seit 1992 stehen sämtliche Ruinen Angkors auf der Welterbeliste der UNESCO. Die meisten Tempel sind stark verfallen und werden etappenweise restauriert. Ein Vorhaben, das voraussichtlich noch viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird.

Die Tempel von Angkor wurden im Laufe mehrerer Jahrhunderte von unterschiedlichen Khmer-Königen errichtet, zum Teil als Staatstempel in wechselnden Hauptstädten. Die Könige waren größtenteils Anhänger des Hinduismus, die Erbauung von Tempeln gehörte zu ihren wichtigsten Aufgaben. Jeder Tempel galt als Palast desjenigen Gottes, dem er geweiht war, zumeist Shiva. Nach damaligem Glauben verschmolz der König nach seinem Tod mit Gott. Aus diesem Grund ließen die nachfolgenden Könige die Tempel ihrer Vorgänger meist unangetastet und errichteten ihre eigenen.

Das Reich der Khmer

Die Geschichte Angkors ist mangels schriftlicher Aufzeichnungen nur teilweise überliefert. Außer Säulen-Inschriften, Chroniken und archäologischen Erkenntnissen gibt es so gut wie keine Quellen. Hier eine kurze Zusammenfassung der bekannten wichtigen geschichtlichen Ereignisse:

Gründer des Khmer Reiches war zu Beginn des 9. Jahrhunderts Jayavarman II., der von ca. 802 bis 850 regierte. Auf dem Berg Phnom Kulen nahe dem heutigen Siem Reap rief er einst das vereinte und unabhängige Khmer Reich aus. Anschließend verlegte er die neue Hauptstadt des Reiches nach Roluos. Indravarman I. (regierte von 877 bis 889) vergrößerte das Königreich und ließ unter anderem den Bakong Tempel errichten. Sein Sohn, Yasovarman I., der bis 910 das Reich regierte, gründete die Stadt Yasodharapura mit einem Haupttempel auf dem Phnom Bakheng. Darüber hinaus ließ er mit dem östlichen Baray ein riesiges Wasserreservoir anlegen.

Unter Jayavarman IV. (seine Regierungszeit begann 928) wurde Koh Ker (100 Kilometer nordöstlich von Angkor) Hauptstadt des Khmer-Reiches. Rajendravarman II. (regierte 944 bis 968) ließ die Hauptstadt dann wieder nach Yasodharapura verlegen und errichtete unter anderem den östlichen Mebon Tempel. Sein Sohn Jayavarman V. setzte während seiner Regierungszeit bis zum Jahr 1001 die Bautätigkeiten seines Vaters fort.

Suryavarman I. (1002 bis 1049) gelang es, das Khmer Reich bis nach Thailand zu erweitern. Unter seiner Herrschaft entstand mit dem westlichen Baray ein weiteres großes Wasserreservoir, das der Landwirtschaft zugute kam. Dreimal jährlich konnte nun Reis geerntet werden. Sein Nachfolger, Suryavarman II., der 1150 den Thron bestieg, schuf den berühmtesten und größten Tempel Angkors: Angkor Wat.

1177 eskalierten die Unruhen und Kämpfe der vergangenen Jahrzehnte. Die Cham (Bewohner des Königreiches Champa) eroberten Kambuja. Einige Jahre später gelang es Jayavarman VII. (regierte ab 1181), die Hauptstadt Yasodharapura von den Cham zurückzuerobern und 1203 das Königreich Champa zu besiegen. Unter Jayavarman VII. entstanden die neue Hauptstadt Angkor Thom mit dem Bayon als Staatstempel, ferner der Ta Prohm und der Banteay Kdei Tempel.

Nach Jayavarman VII. begann das Reich der Khmer zu bröckeln. Im Westen gründeten die Thai das Königreich Sukhothai und drängten die Khmer immer weiter zurück.“ (siehe https://www.klick-kambodscha.de/angkor/geschichte)


Heute Nachmittag gab es wieder einen dieser unglaublichen Gewitter-Regengüsse. Er dauerte genau 40 Minuten und verwandelte alle Straßen in Flüsse.

Wer mit Motorroller unterwegs war, hatte nun ein Amphibienfahrzeug.



06.06.2018

Wiedersehen mit Jim


Ich freue mich sehr, Jim wiederzusehen. Er war für eine deutsche Agentur 5 Tage zu einer Informationsreise in Laos. Unser Wiedersehen ist herzlich. Umarmung, wie es sich für gute Freunde gehört. Er sieht besser aus, als vor einem Jahr, als sein kleiner Sohn gerade verstorben war. Jetzt haben er und seine Frau neuen Nachwuchs bekommen, ein Mädchen. Die ältere Tochter war zunächst eifersüchtig auf das Schwesterchen, berichtet Jim. Jetzt habe es sich aber normalisiert.

Wir sprechen an diesem Abend über sehr viele Dinge, über das Wasserfilterprojekt, das ja nun mit meiner tatkräftigen Hilfe vor Ort in die zweite Runde gehen wird, über Alltagsprobleme und über Politik.

Auch frage ich Jim, wie es um die Eintrittsgelder und die Verwaltung von Angkor aussieht. Zunächst ist auch er erstaunt, dass vor den weit draußen liegenden Tempeln Aufseher der Verwaltungsgesellschaft stehen. Das wusste auch er nicht.


Ich finde folgendes dazu im Internet: „Das gesamte Mangagement für die Organisation der Besuche, die Unterhaltung der Anlage, Sicherheit und Versorgung liegt in der Hand einer privaten Firma namens Apsara … deren Eigentümer zufällig ein alter Kampfgenosse des Premierministers Hun Sen ist. Die Regierung erhält nur einen ausgehandelten und viel zu geringen Festbetrag, während Millionenbeträge feinster Devisen in die Taschen der Firma Apsara fließen.“

Weiter heißt es: „Seit 2016 obliegt die Verwaltung der Einnahmen aus den Angkor Pässen allerdings Angkor Enterprise, unterstützt von der Apsara Authority. Die Einnahmen fließen demnach nicht mehr, wie das vorher nach meinem Kenntnisstand der Fall war, ins Ausland. Unabhängig davon sind die Preise zu einem nicht gerade geringen Preis erhöht worden, was zusätzliche Einnahmen in die kambodschanischen Kassen spült.“ (siehe https://www.visit-angkor.org/de/2017/01/26/angkor-pass-neue-preise-1-2-2017-alle-infos/#comment-6386)

Soweit mal meine Recherche.


Jim und ich planen nun unser weiteres Vorgehen. Morgen hat er noch Kunden, ab Freitag geht dann die Arbeit los. Alle 95 Wasserfilter der zweiten Lieferung lagern schon vor Jims Haus und warten auf die Verteilung. Meine Frage, ob denn die Filter der ersten Lieferung auch ordentlich funktionieren und von den Leuten benutzt würden, beantwortet er klar: „Die Filter sind super, die Leute nutzen sie und sind sehr froh, sie zu haben.“

Ich würde es ja bald sehen, meint er!




07.06.2018

Kambodscha vor den Parlamentswahlen 2018


Ich habe heute mit mehreren jungen Leuten über die anstehenden Parlamentswahlen gesprochen. Alle waren mir gegenüber recht offen. Noch vor einem Jahr, als ich hier in Siem Reap dieses Thema angeschnitten hatte, verspürte ich so etwas wie Hoffnung und Aufbruchsstimmung. Ein Freund sagte mir damals: „Es wird das erste Mal sein, dass ich zu einer Wahl gehe!“ Die Situation vor einem Jahr stellte sich allerdings völlig anders da. Die Oppositionspartei hatte bei Bezirkswahlen große Gewinne verzeichnen können, die regierende Volkspartei unter Präsident Hun Sen musste herbe Verluste einstecken. Nun, ein Jahr später, ist die Oppositionspartei verboten, viele Oppositionspolitiker wurden verhaftet oder flohen ins Ausland. Regierungskritische Medien (Zeitungen und Rundfunkstationen) mussten ebenfalls ihre Arbeit einstellen. Meine Gesprächspartner sagten einstimmig, dass die kommende Wahl nicht als Wahl bezeichnet werden kann, da es zur Volkspartei keine Alternative gäbe.

Die Frustration ist groß, die Angst aber auch. Mir scheint der Zeitpunkt noch nicht gekommen zu sein, dass sich eine Solidarisierung der Menschen gegen die Regierung, also eine außerparlamentarische Opposition manifestieren könnte. Das Machtpotential Hun Sens ist riesig. Unterstützt von China hält er die politische, finanzielle und militärische Macht fest in Händen.

Ich habe einen Podcast des Deutschlandfunks gefunden, der die Situation und die Gefühle der Menschen in Kambodscha im Moment sehr gut wiedergibt.


https://www.podcast.de/episode/381964504/Kambodscha+vor+der+Wahl+-+Ein+Pr%C3%A4sident+im+Kampf+gegen+die+Demokratie/


Kambodscha vor der Wahl - Ein Präsident im Kampf gegen die Demokratie von Naly Pilorge, Margarete Wohlan, Holger Senzel

Im Juli 2018 stehen in Kambodscha Parlamentswahlen an. Das Land wird seit über drei Jahrzehnten von Ministerpräsident Hun Sen regiert, seit letztem Herbst ohne jegliche Opposition. Kritische Medien wurden verboten. Doch die jungen Menschen lassen sich nicht mehr einschüchtern.

Von Holger Senzel www.deutschlandfunkkultur.de, Weltzeit Hören bis: 31.10.2018 17:30


08.06.2018

Video gedreht, Wasserfilter beklebt


Jim hat mich heute um 9.00 Uhr vom Hotel abgeholt, Ziel: sein zuhause nicht sehr weit entfernt vom Airport Siem Reap. Ich erkenne sein Haus sofort wieder, obwohl wir das letzte Mal, als ich bei ihm zu Besuch war, von der anderen Seite mit dem Motorroller kamen. Seine Frau Sok Hur und seine Tochter Sokha erwarten uns schon. Mit viel Temperament und Herzlichkeit werde ich empfangen.

Erst mal gibt´s etwas zu trinken … heiß heute. Sok Hur kocht heute für uns Amok, das kambodschanische Nationalgericht. Sie zeigt mir den Strauch, aus dessen jungen Blättern Amok, gekocht wird. Auch kann man die Früchte des Strauches gut essen. Super sollen sie in Wein eingelegt duften und schmecken. Sok Hur spricht in einem temperamentvollen kreativen Englisch, aber wir verstehen uns auf Anhieb.


Amok

Jim hat noch Kundschaft, die er zum Flughafen bringen muss, ich mache mich in der Zwischenzeit nützlich und schneide die Aufkleber unseres Vereins Wasserzeichen e.V. zurecht. Sie werden auf jedem Wasserfilter angebracht, damit die Herkunft für jeden sichtbar ist.

Jim kommt zurück. Wir machen uns an die Arbeit … als erstes versuchen wir uns als Videofilmer und – darsteller.

Die Firmgruppe 2018 der Kath. Kirchengemeinde in Heidesheim hat es sich zum Projekt gemacht, mit viel Engagement Geld für das Wasserfilterprojekt zu sammeln. Am Sonntag ist die Firmung und wir möchten das Engagement mit unserer Bollywood-Produktion gerne würdigen und DANKE sagen. Jim hat Angst, vor der Kamera in Deutsch zu agieren. Er macht es aber letztendlich so charmant und souverän, wie man es besser nicht hätte machen können. Meine Idee, den Film per Mailanhang zu Michaela Luster zu schicken, scheitert kläglich. Viel zu groß als Anhang!

Da hat Jim die Idee, den Film einfach auf YouTube hochzuladen. Habe ich noch nie gemacht, aber einmal ist bekanntlich immer das erste Mal, also ausprobieren. Super, funktioniert auf Anhieb. Nun kann die Welt uns sehen, wie wir in Kambodscha werkeln. Ich bin selbst fasziniert. Jetzt hoffe ich, dass der Film am Sonntag in Heidesheim geschaut werden kann. Viel Spaß dabei!

Ich überlege bereits, die Verteilaktion der Filter am Sonntag ebenfalls zu filmen und bei YouTube zu veröffentlichen … ist doch toll, da kann dann jeder live mit dabei sein.

We`ll see!


Hier ist die Produktion Yav/Helbig:

https://www.youtube.com/watch?v=s7-UDo_X-Tc


Dann geht es an die richtige Arbeit: wir bereiten die angelieferten Wasserfilter-Bausätze für die Verteilung vor. Jim erzählt, dass er aus der ersten Lieferung gelernt hat. Man muss alles gut vorbereiten, d.h. Aufkleber anbringen und in jeden Stahlbehälter je ein Steigrohr, eine Packung großer Steine, ein Tropfsieb und einen Deckel legen. Dann können die Leute je einen Behälter mit Inhalt und dann noch einen Sack Biosand mitnehmen. Beim letzten Mal war alles wohl etwas chaotisch, aber learning by doing.

Wir machen es uns im Schatten gemütlich und holen die ersten Stahlbehälter, die zu zehnt zusammenstecken. Die Dinger auseinanderzubringen ist gar nicht so einfach, aber mit vereinten Kräften trennen wir sie. Zum Anbringen der Aufkleber muss die Schutzfolie der Stahlbehälter entfernt werden. Jim lacht, nein, bitte nicht! Warum? Die Leute möchten einen neuen, mit Folie geschützten Behälter haben und nichts Ausgepacktes. Aha … wie machen wir das jetzt? Er lacht wieder, holt sich ein Küchenmesser und ritzt damit die Folie in Größe unserer Aufkleber ein. Dann zieht er nur das Stückchen Folie ab, das er umritzt hatte. Ich kann nun den Aufkleber in das sich geöffnete Stahlfenster kleben …. strange, denke ich mir, aber OK! So schnitzt er nun Fenster und ich beklebe sie mit Wasserzeichen e.V.- Aufklebern.



Mittag … Amok-Zeit. Lecker mit Fisch zubereitet, sieht Amok ein bisschen aus wie Spinat, schmeckt aber sehr viel intensiver, aber sehr lecker. Dann gibt es noch einen Rotfisch, den Jim gestern aus seinem See direkt am Haus selbst mit Netz gefischt hat und eine Art Gemüseomlett. Dazu Reis … alles schmeckt hervorragend!

Jim erzählt mir, dass sie fast Selbstversorger seien, das allermeiste, was auf den Tisch kommt, wächst um uns herum … ich merke, wie fremd mir der Gedanke bereits geworden ist. Meine Großeltern hatte zwei Gärten und da war es ähnlich … in den 50er Jahren.

Und dann kommt der Hammer direkt vom Baum: eine Mango.

Jim hat sie nach kambodschanischer Art geschält und mundgerecht zugeschnitzt. Da ich ja nun schon auf den Geschmack mit YouTube gekommen war, habe ich es gefilmt …. guckt:


https://www.youtube.com/watch?v=awYrL8KAfg8


Ich kann nur sagen: WOW! Das war ne kulinarische Bombe!

Nach dem Essen wird ein Päuschen gemacht. Ich bekomme die kleine Tochter Jims von Sok Hur auf den Schoß gedrückt und sitze nun mit Baby im Grünen. Alle finden das ganz witzig!

Die ältere Schwester ist mir gegenüber noch vorsichtig … nach und nach taut sie aber auf!



Weiter geht´s mit Fensterschneiden und kleben. Dazwischen kommt das tägliche Gewitter mit Starkregen … heute nur 20 Minuten, es schwimmt alles, aber nach weiteren 20 Minuten ist alles wieder OK.

Wir werden heute nicht ganz fertig, da es langsam dämmert. Morgen bekommen wir Hilfe von Nachbarn, die auch einen Filter bekommen werden. Dann besuchen wir Morgen außerdem den Bürgermeister, der für alles sein OK geben muss. Am Sonntag werden die Filter dann verteilt.

Aber wir haben heute ganz schön was weggeschafft!



Jim hatte mir versprochen, dass ich den Motorroller seiner Frau haben dürfte. Nun bin ich wieder motorisiert …. und wieder ist es ein weißer Blitz!



09.06.2018

Begegnungen


Gegen 10.00 Uhr treffe ich bei Jim mit meinem weißen Blitz ein. Heute ist es extrem schwül. Jim hütet Baby, seine Frau ist mit der älteren Tochter zum Markt einkaufen gefahren. Wir gehen gleich an die noch anstehende Arbeit, das Baby im Schlepptau. Die Kleine ist sehr brav, fordert aber Aufmerksamkeit.



Wir setzen unsere vom Vortrag her bekannte Arbeit fort … Fenster ausschneiden und wieder zukleben. Als Jims Frau zurückkommt, werde ich erst einmal freudig begrüßt. Sie ist wirklich herzlich. Dann nimmt sie das Baby und wir legen bei unserer Arbeit den Turbogang ein. Mittags sind wir immer noch nicht fertig, es fehlen aber nur noch ca. 20 Beklebungen. Das Mittagessen, das Sok Hur gekocht hat, ist wieder ausgezeichnet. Heute gibt es neben den bekannten Omeletts einen Gemüse-Fleisch-Topf. Sehr lecker.


Nach dem Mittagessen machen wir eine Rundfahrt durch Preychass Village, so der richtige Name von Jim´s Dorf. Wir besuchen dabei einzelne Familien, die bereits einen Wasserfilter der ersten Lieferung bekommen haben. So komme ich in die einzelnen Häuser und Hütten. Mir fällt auf, dass es auch in diesem Dorf bereits bemerkenswerte soziale Unterschiede gibt. Vom gemauerten Haus mit nahezu steriler Küche bis hin zur ärmlichen Hütte, bei der die Küche draußen mit Feuerstelle eingerichtet ist. Alle Leute sind sehr freundlich. Wir kommen ja schließlich unangemeldet, da ist das nicht selbstverständlich.

Alle zeigen sie sofort IHREN Wasserfilter und berichten über ihre Erfahrungen damit. Eines scheint sicher zu sein, die Dinger laufen zur allgemeinen Zufriedenheit und die Leute berichten, dass sie in ihrem Leben noch nie so gutes Wasser gehabt hätten. Bei einigen Wasserfiltern entstanden Probleme, da sich auf der oberen Seite des Biosandes eine rote Ablagerung gebildet hat. Darauf hatte ClearCambodia bereits hingewiesen und Instruktionen gegeben, was zu tun sein. Die obere Schicht des Biosandes muss in einem solchen Fall vorsichtig entfernt werden. Diese Ablagerungen scheinen durch einen hohen Eisengehalt des Wassers zu kommen und treten nicht bei allen Wasserfiltern des Dorfes auf.

Ich sehe bei den Besuchen Familien, bei denen der Vater ein Bein durch Minen verloren hat und mit seinen zwei behinderten Kindern glücklich von dem guten Wasser erzählt.



Ich sehe einen freundlichen älteren Mann, der sieben Kinder und bereits drei Enkel hat und mir mit strahlenden Augen tausend Mal für dieses Geschenk dankt, das Gesundheit gebracht hat.



Ich sehe zwei alte Leute, die ihren Lebensunterhalt durch die Herstellung kleiner Miniaturen aus Stroh verdienen. Ihre Hütte besteht aus ein paar Bambusplattformen, einigen Pfosten und einem löchrigen Wellblechdach. Die Frau mit kurzgeschorenen Haaren sitzt am Rand, der Mann, auf einer Plattform daneben, strahlt mich an und erzählt, er würde immer an dieser Stelle sitzen und arbeiten, wenn es regnete. Hier wäre das Dach nämlich dicht. Sie bekommen für die Herstellung der Miniatur-Fischköcher pro 100 Exemplare 3 Dollar. Um 100 Stück herzustellen, benötigen sie durchschnittlich 3 Tage, das macht einen Tageslohn von 1 Dollar. Ich frage Jim, ob man mit so wenig Geld überhaupt leben könne? Sie seien Selbstversorger, da ginge es. Aber es dürfe nie jemand krank werden und einen Doktor benötigen!

Ich bin von den beiden beeindruckt. Sie strahlen unglaublich viel Ruhe und Ausgeglichenheit aus.



Dann besuchen wir die Vizebürgermeisterin. Sie bedankt sich förmlich im Namen des gesamten Dorfes bei allen Spendern. Dann erzählt sie schmunzelnd, dass auch ihr Wasserfilter prima funktioniere und außerdem extrem schick aussehe. Edelstahl rostfrei, so etwas hätte sonst niemand ihrer Bekannten zu Hause. Nun wird mir auch klar, warum wir uns die Mühe mit dem Ausschneiden der Schutzfolie gemacht haben. Hier spielen Ästhetik und Status auch eine Rolle, nicht nur die Gesundheit … wer hätte das gedacht! Die Bürgermeisterin ist sehr freundlich und wird Morgen auch bei der Verteilung der Wasserfilter dabei sein.


2. Bürgermeisterin (Mitte) und Werner Helbig

Dann treffen wir noch zwei ältere Damen, die sich vor mir fast bis zum Boden verbeugen und so herzlich bedanken, dass ich zutiefst gerührt bin. Die Wasserfilter hätten so unglaublich viel Gutes hier ins Dorf gebracht. Sie wünschen mir Glück, Gesundheit und Erfolg für mein Leben und dass es lange währen möge. Gerne gebe ich diese von Herzen kommenden Wünsche an dieser Stelle an alle Spender in Deutschland weiter!

Es wird dunkel am Himmel, der tägliche Regen kündigt sich an und ist heute besonders kräftig.



Auf Jim´s Grundstück schwimmt alles, nachdem der Wolkenbruch aufgehört hat.

Jetzt geht es zum Endspurt … letzte Beklebungen und dann alles zusammenfügen, was der Filterbausatz so alles benötigt. Zwei junge Männer helfen nun. Dem einen mit Namen Nit bietet Jim die Möglichkeit, auf seinem Grundstück in einer Hütte zu wohnen. Sein Heimatdorf ist 40 km entfernt und er arbeitet als Security in einem Hotel in Siem Reap. Deshalb kann er nicht jeden Tag pendeln. Er versorgt sich mit dem, was auf Jim´s Grundstück alles wächst. Dafür hilft er Jim bei vielen Arbeiten. Der zweite junge Mann ist Nath. Er hat ein Zimmer mit einem Freund zusammen im Nachbarhaus gemietet und ist ebenfalls als Security angestellt.

Wir sind nun zu viert mit der Bestückung der Wasserfilter-Bausätze recht schnell fertig.



Dann gehen wir zu Jim´s Teich. Nath ist bereits damit beschäftigt, das Fischernetz zu sortieren.



Jim geht mit mir zum Grab seines Sohnes, der genau vor einem Jahr gestorben ist. Er nennt den Platz „son´s cottage“. Am Rande des Teiches auf einem Erdhügel haben sie den Kleinen beerdigt. Heute laufen die Enten und Hühner hier herum und alles ist friedlich. Man kann sich gut vorstellen, dass der Kleine sich hier mit all den Tieren sehr wohl gefühlt hat. Es ist ein guter Platz!



In der Zwischenzeit hat Nath sich das T-Shirt ausgezogen und springt mit Jeans bekleidet in den Teich, um Äste herauszuziehen, die dort herumliegen. Nit macht sich in der Zwischenzeit mit dem Netz auf den Weg an das Ufer. Ein Schwung, und das Netz fliegt im Bogen auf das Wasser hinaus. Das erste Ergebnis ist mager, ein kleines Fischchen. Es darf gleich wieder zurück ins kühle Nass.



Jim sagt, heute gibt es wohl keinen Fisch, lass uns Fleisch holen gehen. Er hat vor, heute Abend alle „zum Bier“ einzuladen, wie man hier sagt. Also gut, wie fahren Fleisch holen. Ich bin diesmal der Sozius auf Jim´s Moped. Wir fahren Matschpiste ….

An der Hauptstraße halten wir an einem Grillstand. Auf dem Feuer brutzeln riesige Stücke Rippen und andere Körperteile von Schweinen und Rindern. Alles XXL!

Jim bestellt und die füllige Lady am Grill greift auch schon nach einem solchen Ungetüm und hackt gekonnt eine dicke Rippe vom gesamten Brustkorb ab. Danach wird alles in kleine Happen mundgerecht geschnitten. Nach kurzer Zeit ist unsere Bestellung fertig und wir fahren mit 2 Styropor-Behältern voll Fleisch zurück.



Auf dem Weg wird dann noch das Bier zum „Bier“ geordert … 15 cans of Angkor-beer. Na, der hat’s ja gut vor, denke ich mir.

Zu Hause angekommen wartet eine Überraschung … Nath hat Fische gefangen. Einen richtig großen und dicken und zwei etwas schlankere Exemplare … dazu noch einen Frosch. Alles liegt nun in einer Plastikschüssel. Wir grillen. Mein Job ist es, Feuer zu machen, Jim kümmert sich um die Fische. Nachdem sie tot und gewaschen sind, wird ihnen Zitronengras ins Maul gestopft und sie werden mit Salz und Kräutern eingerieben. Ausgenommen werden die Fische übrigens nicht, man isst das Fleisch von der Gräte ab.

Als alles soweit vorbereitet ist, werden die Jungs gerufen. Nun kommen auch noch die Freunde von Nath und Nit mit. Wir sitzen zu sechst um die reicht gedeckte Tafel. Sok Hur ist im Haus und kümmert sich um die Kinder.



Wir essen bis spät in die Nacht und trinken das ein oder andere Bierchen (es wird noch zweimal Nachschub geholt!). Ein wildes Sprachgemisch aus Deutsch, Englisch und Khmer entsteht, wobei sich nach dem dritten Bier der Geist des Pfingstfestes auf uns herniedersenkt und wir uns bestens verstehen.


10.06.2018

Tag der Verteilung der Wasserfilter


Heute scheint die Sonne … ein gutes Omen! Ich schreibe meist morgens den Blog des Vortages, da die Aktualisierung durch die Zeitverschiebung termingerecht in Deutschland zu lesen ist. So auch heute. Dann fahre ich zu Jim. Den Weg hinaus auf seine Farm genieße ich. Der warme Wind streicht mir bei rasanten 30 – 50 km/h und hochgeklapptem Visier meines Helmes um meine Nase. Ich fließe einfach mit dem Verkehr mit … easy going!

Jim kommt gerade mit seinem Moped angerauscht, als ich in die Zufahrt des Dorfes einbiegen will. Er war bei der Dorfversammlung. Normalerweise geht er nicht zu einer solchen Veranstaltung, heute jedoch schien es ihm angebracht, sich zu zeigen. Hier auf dem Land spürt man die Einflussnahme der Volkspartei viel stärker. Ohne ihr Einverständnis geht hier gar nichts … auch nicht für NGOs wie unsere. Aber sowohl der Bürgermeister, also auch seine Stellvertreter sind sehr freundlich und finden unser Projekt ausgesprochen gut, wie sich noch zeigen wird!

Wir fahren zu Jim´s Haus. Freudige Begrüßung von Sok Hur und Sokha… und das Nesthäkchen scheint mich auch schon zu kennen und strahlt mich aus ihrer Windel breit grinsend an …

Jim und ich besprechen den heutigen Tag: um 15.30 Uhr soll es losgehen. Erst werden Reden gehalten, dann erklärt Jim, wie der Wasserfilter installiert wird, dann Gruppenfoto und zum Schluss die Verteilung der Filter. Die Liste der restlichen Familien, die bisher noch keinen Filter erhalten hatten, hat die Bürgermeisterin zusammengestellt.

Wir räumen nach dem Mittagessen, es gibt heute für den deutschen Gast kambodschanische Würstchen, die überdachte Terrasse frei, damit die Leute nachher nicht in der Sonne stehen müssen. Helfer der Gemeinde tragen die Wasserfilter auf den Platz vor Jims Haus.



Die ersten Leute kommen bereits um 13.00 Uhr … viel zu früh. Jim meint, sie sollen nochmal nach Hause gehen, was sie auch machen. Es ist die Ruhe vor der Hektik, die ansteht. Jim und ich haben uns noch einmal auf die Terrasse gesetzt, um ein wenig zu relaxen. Alles ist friedlich um uns herum. Ein Blick auf Jim´s Reisfeld hinter dem Haus zeigt, dass auch andere Lebewesen gerne Reispflanzen fressen. Einige weidende Wasserbüffel und viele Vögel sind zu sehen … ein ruhig beruhigendes Bild.



Um 15.00 Uhr geht´s los! Die ersten Dorfbewohner kommen. Die meisten per Motorscooter … es gibt nachher ja auch etwas zu transportieren. Dann trifft der Bürgermeister mit seinem ca. 10jährigen Sohn ein … natürlich auf dem Motoroller. Er schaut ernst, fast finster drein. Seine Augen sind hellwach. Er begrüßt uns und wir reden. Zunächst bedankt er sich bei mir dafür, dass wir dieses Projekt in seinem Dorf durchführen. Er sagt, dass es etwas sehr Besonderes sei, denn damit bekäme sein Dorf ein hohes Prestige in der Umgebung … als besonders fortschrittlich und gesundheitsfördernd für die Menschen. Er bedankt sich von ganzem Herzen im Namen der Dorfgemeinschaft und richtet den Dank an alle Spender in Deutschland.

Soweit die ehrliche Freundlichkeit des alten Mannes, dessen Augen nun strahlen.



In der Zwischenzeit hat sich der Platz vor Jims Haus gefüllt. Es sind ca. 40 Personen da. Nicht alle hatten heute Nachmittag Zeit und beauftragen deshalb ihre Nachbarn, den Wasserfilter für sie mitzubringen. Es wird aber genau aufgepasst, dass jede Familie nur einen Wasserfilter bekommt.

Nebenan wurde ein improvisierter Kindergarten eingerichtet, denn auch Kleinkinder sind heute mit von der Partie.



Jim begrüßt kurz alle Anwesenden, dann bin ich an der Reihe. Ich erzähle in Kürze wer ich bin und warum wir dieses Projekt machen. Ich ernte große Aufmerksamkeit. Jim übersetzt (Khmer scheint eine langatmige Sprache zu sein, so viel habe ich doch gar nicht gesagt!). Zum Schluss wünsche ich allen ein gesundes Leben und hoffe, dass die Wasserfilter ein Stück dazu beitragen können. Langer Applaus.



Jims Frau möchte auch etwas sagen. Ich verstehe es nicht, doch ich weiß was sie sagt. Heute ist der Todestag ihres kleinen Sohnes. Genau vor einem Jahr ist er gestorben. Ich war im letzten Jahr eine Woche nach dem Tod des Jungen hier bei den beiden und als Jim und ich die Idee mit den Wasserfiltern entwickelten, sagte er mir, dass er das für seinen Sohn tue, für sein Andenken. Das erzählt Sok Ha nun. Sie schaut dabei abwechselnd Jim und mich an … es ist nicht leicht, dabei die Fassung zu behalten. Zum Schluss bedankt sie sich …


Nun bedankt sich auch noch die Bürgermeisterin und eine Bewohnerin im Namen des Dorfes auf Englisch …. so viel Dank!

Nun ist wieder Jim an der Reihe. Er zeigt detailliert, wie die Wasserfilter zu bestücken und welche Arbeitsschritte durchzuführen sind. Viele Nachfragen. Eigentlich wollten wir den Show-Filter nicht auch noch mit Sand befüllen, da er dann voll in Betrieb und nicht mehr so leicht zu bewegen ist. Aber Jim sagt mir, sie verstehen es noch nicht richtig … also, Sand rein, Sieb drauf, Wasser rein und warten …. nun haben es alle verstanden und schauen gespannt auf den Wasserhahn, aus dem nun das saubere Trinkwasser kommen soll. Es dauert keine 30 Sekunden, dann fließt es. Noch ein bisschen langsam, aber es ist da. Natürlich ist das jetzt noch nicht sauber, die Bakterien im Sand müssen sich ja erst bilden. Nach drei Tagen ist es dann soweit, das Wasser ist tatsächlich bakteriell und von Schwebstoffen gesäubert. Dann kann es ohne Bedenken getrunken werden.

Die Leute sind begeistert und aufgeregt.



Vor der Verteilung der Filter steht das Gruppenfoto. Kein Problem, alle machen freudig mit! Der Bürgermeister in der Mitte, die Vizebürgermeisterin recht außen …



Nun geht es an die Verteilung. Jim ruft jeweils einen Familiennamen und die Anwesenden dürfen sich einen Filter und einen Sack mit Biosand abholen.

Fast jeder kommt noch zu mir und bedankt sich persönlich. Ich gebe diese vielen Dankesbekundungen gerne und aus vollem Herzen an alle Spender in Deutschland weiter!

Der Abtransport des Filters und des schweren Sandsackes ist ein Schauspiel. Hier sieht man die Kreativität der Kambodschaner … geht nicht, gibt´s nicht!

Bilder sagen mehr als tausend Worte.



Wir trinken noch ein Bier mit den Helfern und dem Bürgermeister-Team und atmen alle tief durch. Zweieinhalb Stunden hat alles gedauert, ich bin ganz schön geschafft!

Übermorgen fahren Jim und ich zu den Leuten und schauen nach, ob alles mit der Installation der Wasserfilter geklappt hat oder wo wir helfen müssen.

Als letztes fährt der Bürgermeister, der den letzten Wasserfilter bekommen hat, fröhlich mit seinem Sohn (ja, ich habe auch dreimal nachgefragt …. Sohn) auf dem Roller nach Hause.

Ein schönes Abschlussfoto des Tages!


11.06.2018

BambuStage in Siem Reap


Der heutige Tag ist zum Durchatmen reserviert. Morgens schreibe ich den Blog und dann schwinge ich mich, nachdem der erste Regenschauer des Tages vorbei ist, auf meinen Motorroller und fahre einfach ein bisschen in der Gegend herum. Ich genieße die Freiheit. Nach dem Mittagessen zieht ein heftiges Gewitter auf. Da ich mich gerade im Stadtzentrum befinde, nehme ich die Gelegenheit wahr, in eines der Massagestudios zu gehen und gönne mir eine wirklich gute Massage. Eine Stunde Ölmassage kostet 7 USD, das kann ich mir leisten. Der Masseur bekommt 3 USD Trinkgeld und ich bin für einen Zehner prächtig entspannt.


Heute Abend gehe ich ins Theater. BambuStage heisst es und zelebriert die alte Kunst des Schattenpuppenspiels.

Tholpavakuthu, auch Tholpavakoothu (Malayalam തോൽപ്പാവക്കൂത്ത്), ist eine Form des Schattenspiels, die im südindischen Bundesstaat Kerala gepflegt wird. Die Figuren sind groß, meist unbeweglich und werden aus dicken, getrockneten Tierhäuten ausgeschnitten.“ (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Tholpavakuthu)

Das Puppenspiel hat den Weg nach Südostasien gefunden und ist eine Mischung aus vielen Kunstformen - Musik, Choreographie, Poesie, Kostüm und Handwerk. Die Geschichten können vulgäre Volksmärchen oder erhabene Meditationen über große Mythen sein. Sie können episch oder lustig sein.

Der Meister des Puppenspiels in Siem Reap ist Sorn Soran. Er lernte das Herstellen der Puppen aus Rinderhäuten und bekam durch die Unterstützung der Kunstschule Phare Ponleu Selpak (des kambodschanischen Zirkus) die Möglichkeit einer Ausbildung in traditionellem und zeitgenössischem Tanz und Schauspiel. Danach gründete er die Bambu Puppet-Truppe, die aus 12 Mitgliedern besteht. Sie erarbeiten in der Regenzeit Programme, die sie in der Hochsaison auf der BambuStage-Bühne aufführen.


Um 19.00 Uhr ist Beginn, ich habe noch keine Karte, also fahre ich frühzeitig los. Zunächst begrüßt mich ein Golden Retriever namens Arthur am Parkplatz. Danach eine sehr freundliche junge Frau, die sich gleich mit Namen vorstellt, Malar Arulappan heißt sie. Sie bittet mich, ihr zu folgen. Ich gehe an einem Shiva-Altar vorbei und befinde mich in einem zauberhaften tropischen Garten, der durch hunderte von Laternen und Fackeln erleuchtet ist. Traumhaft. In der Mitte eine offene Laube, in der man bequem sitzen kann und auch etwas zu trinken bekommt, wenn man möchte. Nun kommt der Chef des Theaters, Jon de Rule, und begrüßt mich ebenfalls mit Handschlag. Wir machen sehr freundlichen Smalltalk. Nach ein paar Minuten treffen 2 weitere Paare ein … das war´s. Es folgt eine sehr exklusive Vorstellung für 5 zahlende Gäste.



Wir werden in das Theater gebeten. Vor der Bühne stehen 16 sehr bequeme Sessel. Jon begrüßt noch einmal offiziell und Sorn Soran betritt die Bühne. Er zeigt zunächst ein Video, in dem die Herstellung der Häute, aus denen die Puppen gemacht sind, gezeigt wird und kommentiert sehr charmant dazu.



Dann beginnt das Spiel mit einer Anbetung von Shiva. Hier erkennt man die indisch hinduistischen Wurzeln.



Heute steht ein Spektakel auf dem Programm, bei dem es um Wasserbüffel, Mann und Frau und Freundschaft geht. Ein Wechsel zwischen Schattenspiel mit den Puppen hinter und Theaterspiel vor der Leinwand. Unterstützt von zwei Musikern entsteht ein faszinierendes Schauspiel, das mich gefangen nimmt. Die Geschichte ist turbulent, aber teilweise auch melancholisch und meditativ.




Ich habe auf Nachfrage ein Stückchen Videoaufzeichnung machen dürfen, die ich auf YouTube hochgeladen habe:

https://www.youtube.com/watch?v=6NR0T4_tB2I


Das offizielle Video von BambuStage ist hier zu finden:

https://www.youtube.com/watch?v=hgg4U_Dgmo0

Weitere Informationen erhält man unter: https://bambustage.com/


Zum Abschluss zeigt Sorn Soran noch die Herstellung der Puppen. Mit eigens fabrizierten Stanzeisen werden die Figuren aus dem sehr dicken Leder herausgearbeitet. Reine Handarbeit.



Ich bin echt fasziniert und kann jedem nur empfehlen, sich bei einem Besuch von Siem Reap diesen Geheimtipp nicht entgehen zu lassen!


12.06.2018

Montezumas Rache


Heute Nacht hat es mich erwischt … Montezumas Rache hat zugeschlagen. Für heute sage ich alles ab, Jim muss allein zu den Leuten oder soll warten, bis ich wieder fit bin. Ich koche mir jetzt erst einmal schwarzen Tee …


Traurige Nachricht! Dara, mit dem ich am 24.05. das spontane Gespräch beim Mittagessen hatte, schreibt mir gerade, dass seine Mutter gestorben sei. Sie konnten sie nicht mehr nach Thailand ins Krankenhaus bringen und die medizinischen Möglichkeiten in Kambodscha waren zu beschränkt, um ihr zu helfen!


Trauerzeremonie

Ich habe mir eben das Video angeschaut, das Sak, ein guter Freund von Jim, während der Verteilung der Wasserfilter für mich gedreht hat. Es ist leider so schlecht geworden, dass ich entscheide, es nicht bei YouTube zu veröffentlichen. Aber ich denke, die Fotos sind ausdrucksstark genug!


Jims Reis ist übrigens bereits gepflanzt … ich komme zu spät zum Helfen. Nath hat Jim gesagt, er solle nicht warten, bis ich da bin, da es sonst für den Reis zu spät würde. So hat Jim mit Hilfe von Nath vor seiner Reise nach Laos schon alles erledigt. Der Erfolg gibt Nath recht … der Reis wächst in diesem Jahr gut, da es bereits sehr früh zu regnen begonnen hat.

Ich weiß gerade nicht, ob ich traurig oder froh darüber sein soll, dass meine Hilfe nicht mehr benötigt wird!


Jims Reisfeld

13.06.2018

Wasserfilter und Kokosnüsse


Mir geht es heute besser … Montezuma hat sich verflüchtigt. Ich fahre mittags zu Jim, allerdings auf Umwegen. Zunächst zum Westlichen Baray, den ich ja schon kenne. Dort mache ich wieder einen kleinen Spaziergang am Strand.



Dann fahre ich eine kleine, wirklich gut betonierte Straße parallel des Baray in Richtung Airport. Es ist teilweise eine richtige Allee, gesäumt von Weideflächen und Reisfeldern. Sehr hübsch hier! Ich komme an dem Wat Svay Romeat vorbei und mache einen Abstecher in dieses weitläufige Kloster.



Bei meiner Ankunft auf Jims Farm ist niemand zu sehen, alle machen Mittagsschläfchen … hier läuft alles etwas relaxter ab, was auch den hohen Temperaturen geschuldet ist. Na, dann relaxe ich auch und setzte mich in eine Art Bambus-Fernsehsessel, mehr liegend als sitzend entspanne ich. Sok Hur kommt als erstes aus dem Haus. Jim schlafe noch, ob sie ihn wecken solle. Nein, er soll ruhig noch ein bisschen ausruhen. Das Baby schreit und Jim wird auch wach. Verschlafen kommt er aus seinem Haus, freut sich, als er mich sieht.

Gleich kommen noch ein paar Nachzügler, die am Sonntag keine Zeit hatten, um ihren Wasserfilter abzuholen, der bereits für sie reserviert war. Sok Hur nimmt das Heft in die Hand, als alle versammelt sind und macht die Einführung. Alle fahren frohen Mutes ihren Filter nach Hause inklusive Sandsack.



Danach machen Jim und ich uns auf den Weg, stichprobenartig nachzuschauen, wie es um die neuen Wasserfilter steht und ob sie richtig installiert wurden. Ich komme wieder in viele Häuser, diesmal aber viel mehr ärmliche Hütten. Die Leute haben sich hier mit allem arrangiert, zum Teil sind die Lebensumstände wirklich extrem arm. Es ist schon bedrückend, dies alles zu sehen. Drum herum die grüne, üppige Natur die die Armut kaschiert.

Die meisten Filter funktionieren, bei einigen mussten wir etwas nachhelfen. Alles im grünen Bereich!

Jim sagt, wenn Probleme auftreten, helfen sich die Leute auch untereinander oder kommen zu mir und fragen.



Zurück auf der Farm zeigt mir Neth, wie er mit einem Freund zusammen ein Hühnerhaus baut.

Nit holt uns Getränke vom Baum. Er klettert in Äffchen-Manier auf die 12 m hohe Palme und schlägt 2 Bündel mit je 10 Kokosnüssen vom Stamm ab. Vorher hat er sie an einem Seil befestigt, dessen anderes Ende Jim am Boden in Händen hält. Nun lässt er die Kokosnussfracht sanft zu Boden gleiten. Nit kraxelt nach getaner Arbeit auch wieder von der Palme runter. Jim öffnet die grünen Nüsse und ich bekomme einen Strohhalm, damit ich das Kokoswasser trinken kann.

Schmeckt frisch und angenehm, allerdings nicht nach Bounty!



14.06.2018

Fantastisches Nord-Kambodscha


Heute mache ich mit Jim eine Tour durch den Norden Kambodschas, für mich ist das Neuland. Zu zwei großen Tempelanlagen werden wir mit dem Auto seines Großonkels fahren: Koh Ker und Preah Vihear. Es ist eine weite Strecke, 230 km einfach. Jim rechnet mit ca. 4 Stunden Fahrzeit für die einfache Distanz.

Los geht´s. Aus Siem Reap erst einmal in Richtung Nordosten zur Tempelanlage von Koh Ker. Wir fahren vorbei an einer grünen, tropischen Landschaft mit großen landwirtschaftlich genutzten Flächen. Jim erzählt, dass bis vor 10 Jahren hier noch alles bewaldet war. Die Vietnamesen haben riesige Flächen für 99 Jahre von der Regierung gepachtet und abgeholzt. Holz bringt hervorragende Gewinne, da es sich um hochpreisige Tropenhölzer wie Teak handelt. Auf die Brachflächen wurden dann Kautschukbäume gepflanzt. Nachdem der Kautschukpreis in den Keller ging, hat man die Bäume kurzer Hand gefällt und nun pflanzt man Cashew-Kerne dort an. Business as usual.

Die einheimische Bevölkerung zieht auf ihrem Land Maniok, Pfeffer und Kürbisse.


Pfeffer

Nach ca. 2 Stunden erreichen wir Koh Ker.


„Koh Ker ist der moderne Name für eine ehemals bedeutende Stadt des Khmer-Reiches, die Lingapura (Stadt der Lingas) oder Chok Gargyar („Stadt des Glanzes“) genannt wurde. Sie liegt im Norden Kambodschas in einem dünn besiedelten Dschungelgebiet, rund 120 Kilometer von Siem Reap und Angkor entfernt. Auf einem Areal von 81 km2 wurden bisher über 180 Monumente entdeckt. Die meisten liegen versteckt im Wald, der teilweise noch stark vermint ist. Etwa zwei Dutzend Heiligtümer können gefahrlos besichtigt werden.

Unter den Khmer-Königen Jayavarman IV. und Harshavarman II. war Koh Ker kurzzeitig (von 928–944 n. Chr.) Hauptstadt des gesamten Imperiums. Jayavarman IV. (928–941) verfolgte in Koh Ker ein ehrgeiziges Bauprogramm, zu dem u. a. ein großes Wasserreservoir und zahlreiche Tempel zählten, darunter eine 36 m hohe, siebenstufige Pyramide.

In Koh Ker wurde der eigenständige „Koh-Ker-Stil“ entwickelt und die Bildhauerkunst erreichte einen fulminanten Höhepunkt. Wegen der abgeschiedenen Lage wurde der Ort immer wieder von Kunsträubern heimgesucht. Skulpturen aus Koh Ker sind in diversen Museen anzutreffen. Meisterwerke aus Koh Ker werden ab und zu auf Auktionen angeboten; aus heutiger Sicht handelt es sich größtenteils um Raubkunst.

Seit 1992 steht Koh Ker auf der Kandidatenliste des UNESCO-Weltkulturerbes.“

(siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Koh_Ker)


Eine traumhaft schöne Anlage, von der 18 Tempel zugänglich sind. Viele weitere Monumente sind noch im Wald versteckt. Ein Zugang ist gefährlich, da das gesamte Gebiet immer noch vermint ist. Schilder weisen darauf hin, welche Minenräumdienste aus aller Welt, welche Bereiche geräumt haben. Andere Areale sind mit Totenkopf-Warnhinweisen versehen. Diese sollte man unbedingt ernst nehmen!

"Kambodscha ist nach wie vor eines der am stärksten verminten Länder der Welt. Laut UN-Angaben von 1997 liegen in Kambodscha noch 6 Millionen Minen. Die Gefahr, von einer Mine verletzt zu werden, besteht immer. Die touristisch frequentierten Areale wie Siem Reap oder Angkor Wat sind zum Großteil minenfrei. In allen anderen Regionen, wie z.B. in der Grenzregion Preah Vihear, sollte man nie den Weg verlassen.“

Soweit der freundliche Reiseführer.



Jim und ich machen die Rundtour, auf der man 18 Tempel sehen kann … alle schaffen wir nicht, aber die Wichtigsten schauen wir uns an.



Prasat Pram beispielsweise mit den bereits vom Wurzelwerk der Bäume gefangen genommenen Ziegelbauten.



Prasat Banteay Pir Chean, dessen Eingangstor ausschaut, als hätte es gerade versucht, ein Erdbeben zu überstehen ... und verloren.



Prasat Pra Chap besticht durch seine Durchblicke vom Eingangstor bis zum allerheiligsten Zentrum des Tempels.



Prasat Balang ist einer von 4 Linga-Schreinen. Er beherbergt einen ca. zwei Meter großen, unversehrten Linga, der mehrere Tonnen wiegt und auf einer Yoni steht. Linga und Yoni sind aus dem gewachsenen Fels gehauen. Durch das Begießen des Lingas mit Wasser wurde dieses geweiht. Es wurde von der Yoni aufgefangen und auf der Nordseite über einen Ausguss (der heute noch sichtbar ist) ins Freie geleitet.



Und dann das Zentrum der ehemaligen Stadt, die zehntausend Menschen beherberte:

Prasat Thom mit dem Prang, einer siebenstufigen Pyramide aus Sandstein (fälschlicherweise oft Prasat Thom genannt). Sie gleicht weit mehr den Pyramiden in Mittelamerika, als den mehrstufigen Tempelbergen der Khmerzeit. Mit dem Bau des Tempels wurde 928 begonnen; er gilt als Staatstempel von Jayavarman IV. Die Basiskanten der quadratischen Stufenpyramide messen 62 m, die heutige Höhe beträgt 36 m. Auf der obersten Plattform des Monuments stand ursprünglich ein Schrein, der einen gewaltigen Lingam (Symbol des Staatsgottes Shiva) beherbergte.

Wir besteigen den Prang und ein atemberaubender Blick über ganz Nordkambodscha eröffnet sich. Vom Kulen Mountain bis nach Thailand kann man von hier schauen. Sensationell!



Wir fahren nun weitere zwei Stunden nach Norden, um zum Preah Vihear zu kommen. Hier gibt es noch dichten Dschungel. Dieser Bereich Kambodschas ist noch zum großen Teil vermint. Es ist die Region, in der sich die Khmer Rouge bis zu ihrer Kapitulation aufgehalten haben. Im dichten und damals undurchdringlichen Dschungel verschanzten sie sich hier.

„1992 weigerten sich die Roten Khmer, dem Pariser Friedensabkommen entsprechend unter UN-Aufsicht entwaffnen zu lassen. Der Bürgerkrieg flammte wieder auf. Wirtschaftssanktionen gegen die von den Roten Khmer kontrollierten Gebiete wurden verhängt und Thailand schloss die Grenzen zu diesen Regionen.

Im September 1993 wurden unter Aufsicht der Vereinten Nationen die ersten freien Wahlen seit 20 Jahren abgehalten; diese wurden von den Roten Khmer boykottiert. Die Roten Khmer zählten zu diesem Zeitpunkt noch an die 10.000 Kämpfer und bildeten nach ihrem offiziellen Verbot im Juli 1994 eine Gegenregierung in der Provinz Preah Vihear, auch verschleppten sie bis 1995 Tausende von Zivilisten in ihre Konzentrationslager im unwegsamen Dschungel an der Grenze zu Thailand.

Gleichzeitig kam es aber auch zu einem inneren Zerfall der Roten Khmer. Großzügige Angebote der Regierung ermöglichten es vielen Angehörigen und Führern der Roten Khmer, sich der Regierung unterzuordnen und sich großteils unbehelligt ein neues Leben aufzubauen. 1997 wurde Pol Pot von den Roten Khmer, jetzt unter der Führung von Oung Choeun alias Ta Mok, dem wegen seiner Brutalität berüchtigten „Schlächter“ bzw. vormaligen Chef der Südwestzone des „Demokratischen Kampuchea“, aus seiner Führungsposition als „Bruder Nr. 1“ verdrängt und als Verräter zu lebenslanger Haft verurteilt. Anfang März 1998 ging Ta Mok in Begleitung von vier seiner Getreuen über die Grenze nach Thailand, um sich dort den Behörden zu stellen. Seine Parteisäuberungen hatten Zehntausende das Leben gekostet.

Pol Pot starb am 15. April 1998 unter ungeklärten Umständen in Anlong Veng im Norden Kambodschas. Farbfotos zum Beweis für seinen Tod wurden vorgelegt.

Am 25. Dezember 1998, genau 20 Jahre nach dem Einmarsch der Vietnamesen, stellten sich mit Ex-Staatschef Khieu Samphan und Chefideologe Nuon Chea zwei der letzten hochrangigen Führer der Roten Khmer, nach Pol Pot bzw. dessen Nachfolger Ta Mok die „Brüder Nummer Zwei und Drei“, den kambodschanischen Behörden und entschuldigten sich für die von ihnen begangenen Verbrechen. Am 6. Dezember 1998 kapitulierten nach offizieller Lesart die letzten Kampfverbände. Dabei wurde auf dem Gelände des Tempels von Preah Vihear eine Übereinkunft zwischen Regierung und Roten Khmer ausgehandelt, ein Kontingent von 500 Khmer-Kämpfern samt Offizieren in die Nationalarmee zu übernehmen.“

Die gesamte Geschichte der Roten Khmer ist bei Wikipedia nachzulesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Khmer


Kurz vor dem Tempel erreichen wir ein kleines Städtchen namens Sra Aem. Jim hat Hunger, wir machen Mittagspause … es ist bereits 14.30 Uhr. Wildschweingulasch gibt es hier …. ziemlich scharf aber lecker.



Nun nur noch ein kleines Stück bis zum Eintritts-Gate. Ein riesiger, gähnend leerer Parkplatz empfängt uns. Wir sind die einzigen Besucher. Die Infrastruktur ist auf 1000 Besucher am Tag ausgelegt. "4 Schalter" (alle von freundlichen Damen besetzt) verkaufen uns nun 2 Eintrittskarten. Da die Auffahrt auf den 525 m hohen Berg für Jims Auto nicht möglich ist, bekommen wir zwei Motorroller-Fahrer zugewiesen, die uns hinauf- und auch wieder herunterbringen sollen. Das scheint spannend zu werden!



Also, mit viel Gottvertrauen aufsitzen. Die Honda-Gefährte haben auch schon einmal bessere Zeiten gesehen, aber die Motoren röhren und die Bremsen scheinen auch zu funktionieren, wenn auch quietschender Weise. Zunächst geht es an einem Stausee vorbei, dann eine breite Serpentinenstraße recht steil hinauf und dann hört diese unvermittelt auf.

Ui, wo geht es denn nun weiter? Links in einen extrem steilen kleinen Weg. Die Motoren röhren, ich kralle mich fest! Ob das gut geht? Im ersten Gang mit Höllengetöse geht es bergan. Dann folgt ein kurzes Stück, das etwas flacher ist und dann zwei Steilstücke, die das erste bei Weitem übertreffen, ich denke 30 % Steigung werden diese Stücke haben. Mir war bisher nicht bewusst, dass 125 ccm-Maschinen zwei Personen eine solche Steigung hinauf schaffen können. Zwischen Festkrallen und Staunen schaue ich mich auch noch um … wir befinden uns im tiefsten Dschungel. Wildwuchernde Bäume, Lianen, blühende Pflanzen …. ein Traum mit hoher Geräuschkulisse. Irgendwie schafft es mein Fahrer, mich und die Maschine zum Schluss auch noch über Felsen und tiefe Rinnen zum Endpunkt zu befördern. Wow, das war ein Trip, der hat richtig Spaß gemacht!



Wir stehen nun vor einer mäßig steilen Hochfläche, die wir bergan gehen. Bald grüßen drei Flaggen: Kambodscha, Weltkulturerbe und UNESCO. Dieser Tempel hat eine alte und eine neue Geschichte.


Die alte Geschichte ist:

„Prasat Preah Vihear ist ein Hindutempel der Khmer aus dem 10. bis 12. Jahrhundert. Er steht auf dem 525 Meter hohen Felshügel Pey Tadi in den Dongrek-Bergen, deren Wasserscheide die Grenze zwischen der thailändischen Provinz Si Sa Ket und der kambodschanischen Provinz Preah Vihear bildet. Seit Jahrzehnten steht die Anlage im Mittelpunkt eines teilweise gewaltsamen Grenzkonfliktes. Im Jahre 2008 wurde der Tempel als Weltkulturerbe der UNESCO eingetragen.“


Bekannt in aller Welt wurde der Tempel durch diese Grenzstreitigkeiten mit Thailand:

„Nachdem Kambodscha 1953 von der französischen Kolonialmacht unabhängig geworden war, war die Tempelanlage durch thailändische Truppen besetzt worden. Die kambodschanische Regierung rief daraufhin den Internationalen Gerichtshof in Den Haag an und dieser entschied 1962, dass der Preah-Vihear-Tempel zu Kambodscha gehört. Der Streit entbrannte neu, als die kambodschanische Regierung im Jahr 2008 den Antrag stellte, die Tempelanlage ins Weltkulturerbe der UNESCO aufzunehmen. Dem Antrag wurde auch stattgegeben und der Tempel wurde als kambodschanisches Weltkulturerbe anerkannt. Das rief zum Teil wütende Proteste in Thailand hervor. Bereits mehrfach kam es zu Schießereien zwischen Streitkräften der beiden Länder im Grenzgebiet, die auch Todesopfer forderten. Im Jahr 2003 wurde die thailändische Botschaft in Phnom Penh von einer aufgestachelten Menge niedergebrannt, nachdem sich das Gerücht verbreitet hatte, Thailand erhebe erneut Anspruch auf den Tempel.

Letztlich geht der Streit um den Tempel viel tiefer und gründet sich auf das historische Verhältnis beider Nationen. Früher standen weite Teile des heutigen Thailand unter der Herrschaft der Khmer-Könige, bis sich die Machtverhältnisse später eher umkehrten, so dass heute viele bedeutende Khmer-Tempel auf thailändischem Staatsgebiet liegen.“


Lage der Tempelanlage an der thailändisch-kambodschanischen Staatsgrenze

(Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Prasat_Preah_Vihear)


Ein YouTube-Video zeigt den Konflikt um Preah Vihear aus dem Jahr 2011:

https://www.youtube.com/watch?v=h0eCESy6Dyk


Wir steigen nun beginnend vom Eingangstor viele Treppen hinauf durch ein zweites Tor und befinden uns auf einem langen und breiten gepflasterten Weg, der uns recht steil bergauf führt. Der Blick weitet sich in Richtung Thailand. Links ist ein großes Wasserbassin. Jim erzählt, dass hier das heilige Wasser für die Krönungen der Könige entnommen wurde.



Nun kommt der erste Tempel. Ein monumentaler Bau, der sehr gut erhalten ist. An der Seite steht ein kleines Gebäude, auf dessen Dach bereits wieder ein Baum wächst. Sieht ein bisschen nach Struwwelpeter aus. Es folgt nun wieder ein ebenso langer und breiter Weg bergan. 5 Junge Mönche begegnen uns, einer mit herrlich blauem Sonnenschirm.



Der zweite und dritte Tempel folgen, bis wir im Zentrum anlangen. Umsäumt von einer Galerie steht in der Mitte ein Gebäude, in dem die Kulthandlungen ausgeführt wurden.



Wir gehen durch einen Ausgang und erreichen nach wenigen Schritten den Abgrund. Auf einem Felsblock stehend können wir nun noch weiter als von der Pyramide Prang ins Land schauen. Der Wind pfeifft hier ganz ordentlich, vor uns der 500 m tiefe Abgrund. Jim und ich haben eben noch zwei andere Besucher getroffen, ein Pärchen aus Italien. Ansonsten sind wir ganz allein hier. Unglaublich. Die Sonne scheint, angenehme Temperaturen und wir sind die Herren einer der bedeutendsten Tempelanlagen der Khmer.


Jim hat ein kleines Video über unseren Besuch des Preah Vihear gedreht, das auf YouTube zu sehen ist: https://www.youtube.com/watch?v=6eBf8qHcJBg


So etwas ist im normalen Massentourismus nicht zu erleben, das geht nur individuell oder in Kleingruppen.

Hier nun der Werbeblock: Wenn einer der geneigten Leser etwas Ähnliches erleben möchte, kann er dies tun. Jim bietet von Mai bis Oktober solche Reisen an, bei denen Kambodscha auf völlig andere Weise zu erleben ist. Kleingruppen, Orte, die sonst niemand kennt, einfache Unterkünfte, ganz nah bei den Menschen. Wer also keine Angst hat, am Tag einen Regenschauer von einer Stunde über sich ergehen zu lassen und die etwas höheren Temperaturen gut verträgt, dem kann ich nur empfehlen, eine Reise mit Jim zu unternehmen.

Danach kann man sagen: Ich war wirklich in Kambodscha!

https://jimyav.wixsite.com/hello-cambodia


Die Sonne geht langsam unter und wir machen uns auf den langen Heimweg nach Siem Reap.



Zwischendrin besuchen wir noch das Haus von Ta Mok, dem Nachfolger von Pol Pot. Hier war die Schaltzentrale der Roten Khmer nach Rückzug aus den anderen Provinzen Kambodschas. Leider ist es schon dunkel, sodass nicht mehr viel zu sehen ist. Das Haus liegt an einem künstlich angelegten See, der als Wasserreservoir diente.



Im Dunkeln erreichen wir um 22.00 Uhr Siem Reap … die Fahrt war anstrengend. Ich bin von diesem Tag mehr als begeistert … Kambodscha, wie nicht viele Ausländer es bisher gesehen haben!


15.06.2018

Phare – der kambodschanische Zirkus


Jedes Mal, wenn ich in Siem Reap bin, besuche ich an einem Abend den Zirkus Phare. Es ist immer etwas Besonderes, eine der 6 Shows zu erleben. Zum einen wird Unterhaltung auf höchstem artistischen Niveau geboten, zum anderen unterstützt man mit dem Besuch eine herausragende NGO in Kambodscha.



Ich möchte in Kürze einmal aufzeigen, was hier gemacht wird:

Der Samen von Phare Ponleu Selpak wurde 1986 im Flüchtlingslager II an der thailändisch-kambodschanischen Grenze gepflanzt. In den Lagern begannen neun junge Kambodschaner Zeichenkurse mit Veronique Decrop, einer französischen humanitären Mitarbeiterin, zu besuchen. Die Treffen waren therapeutisch angelegt und erlaubten den Kindern, durch Kunst die Gefühle auszudrücken, die sie nicht in Worte fassen konnten.

1992 kehrte die junge Gruppe aus den Flüchtlingslagern in Thailand zurück, um ein neues Leben in Kambodscha aufzubauen. Das Land erholte sich immer noch vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg, von dem die Stadt Battambang sehr schlimm betroffen war. Zu dieser Zeit litten viele Kinder in Battambang unter Traumata, Armut und Missbrauch. 1994 kam die Gruppe junger Männer aus dem Flüchtlingslager wieder zusammen, um Phare Ponleu Selpak zu gründen. Sie wollten helfen, die Kinder wieder zu integrieren und die Gesellschaft neu aufzubauen.

Zu Beginn bot die Organisation Zeichenkurse in einem einzigen Gebäude an. Das ursprüngliche Gebäude steht heute noch auf dem Campus. Aber eine viel größere Organisation entstand um dieses Gebäude herum.

Zwei Jahre später, im Jahr 1996, fügte PPSA „Musikunterricht“ in seinen Lehrplan ein. Das Unternehmen wächst seither rasant und bietet jetzt Kurse in sieben Disziplinen an, sowie einen Kindergarten, eine Bibliothek und umfassende Unterstützung durch ausgebildete Sozialarbeiter.

In einem Land, in dem die künstlerische Kultur durch jahrelange Konflikte zerstört wurde, fördert Phare Ponleu Selpak ein Gefühl von kambodschanischem Stolz und Identität.

Die Zirkusabteilung von Phare Ponleu Selpak wurde 1998 gegründet. Heute ist die Battambang Zirkusschule ein offener Raum, in dem jedes Kind aus den umliegenden Gemeinden zum Zirkusunterricht kommen kann. Die fortgeschrittensten Studenten können die Berufsausbildung abschließen, um als professionelle Künstler tätig zu werden.

Jede der Aufführungen kombiniert kambodschanische Folklore mit modernen Themen. Seit der ersten professionellen Aufführung im Jahr 2002 tourten Phare Ponleu Selpaks Zirkustruppen jedes Jahr in Kambodscha und auf der ganzen Welt.

Das Curriculum der Zirkusschule konzentriert sich auf die Hauptdisziplinen Jonglieren, Akrobatik, Luftakrobatik, Clownerie und Balance. Die Schule ist in drei Stufen unterteilt: Freizeit, Vorbereitungs- und Sekundarschule. Der Unterricht wird von lokalen kambodschanischen Lehrern und ausländischen Freiwilligen erteilt.

PPSA arbeitet daran, eine nachhaltige künstlerische Gemeinschaft in Kambodscha aufzubauen. Zu diesem Zweck bietet PPSA seinen Absolventen durch Social-Enterprise-Partner solide Beschäftigungsmöglichkeiten. Das professionelle Unternehmen „Phare - der kambodschanische Zirkus in Siem Reap“ bietet Karrierewege für die Zirkusartisten und Musiker. Das neu eröffnete Phare Creative Studio ist ein kambodschanisches Grafikdesign- und Animationsstudio.

Bildungsprogramme

Der Gemeinschaftskindergarten hilft den jüngsten Schülern, sich auf die öffentliche Schule vorzubereiten. Alle Kindergartenklassen beinhalten Zeichnen und Malen. Die Gemeinschaftsbibliothek steht allen offen und ist mit Büchern in Khmer, Englisch und Französisch bestückt. Die Bibliothek bietet Computerkurse, Alphabetisierungskurse und Nachhilfe an. Das Child Development Center bietet Kindern einen sicheren Platz außerhalb der Schulzeiten.

Sozialhilfe

Die Abteilung für soziale Unterstützung sorgt dafür, dass die Kinder in der Gemeinde regelmäßig in die Schule kommen, in gesunden Familien leben und sich von Drogenmissbrauch, häuslicher Gewalt und illegaler Migration fernhalten. PPSA unterstützt und schützt die Rechte von Kindern durch ein Kinderschutzprogramm. Dieses Programm bietet Kindern Mittagessen, Schulmaterial, Stipendien und andere Formen der Unterstützung. Engagierte internationale Geber helfen den Kindern durch ein monatliches Sponsoring-Programm dabei, sich auf ihr Studium zu konzentrieren.

Bei einem meiner früheren Besuche habe ich die Schule in Battambang besucht und war von der Vielgestaltigkeit der Ausbildungs- und Hilfsangebote sehr beeindruckt.

Die Zirkusshow in Siem Reap dient dazu, den Artisten, die alle Absolventen der Zirkusschule in Battambang sind, eine professionelle Verdienstmöglichkeit zu bieten. Weiterhin wird mit dem Erlös aus den Einnahmen das gesamte Projekt PPSA teilfinanziert.

Eine fantastische Sache!

Weitere Informationen unter: https://phareps.org/



16.06.2018

Dies und das …


Heute steht „Faulenzen“ auf dem Programm. Jim ist unterwegs und ich werde mich verschönern lassen. Dazu gönne ich mir einen Haarschnitt im „Paris Salon de coiffure“, wie auf dem einladenden Schild zu lesen ist. Der Beauty-Shop besteht aus Holz gezimmerten Wänden und zwei, an eine Seite gelehnte Wellblechtüren. Drinnen ein großer Spiegel an der Wand und zwei Friseurstühle. Davor zwei Plastikstühle für die Zuschauer des Geschehens. Ein netter junger Mann empfängt mich. Er spricht ganz gut Englisch, sodass die Verständigung kein großes Problem darstellt. Die Erklärung meines Haarschnitt-Wunsches ist allerdings auch recht einfach: two millimeter whole head! Er lächelt und schreitet zur Tat. Zwei normale Haarschneidemaschinen, sowie Schere und Kamm reichen für seine Haircut-Kunst aus …. und für meinen Kopf sowieso. Nach 10 Minuten ist es vollbracht. Mein üppiger Haarwuchs ist nun rund herum auf 2 mm gekürzt. 2 USD kostet der Spaß … und ich habe eine echte Coiffeur-Trimmung á la Paris!



Nun fahre ich mit meinem weißen Motorroller (Jim sei Dank) ins Zentrum, um ein wenig herumzustreifen. Ich schaue mir die Preah Promreath Pagode an. Das Kloster hat viele schöne bunte Wandmalereien. Es ist unklar, wann die Pagode genau errichtet wurde. Die Hautattraktion ist der große liegende Buddha, der im Haupttempel (Preah Vihear) um 1500 untergebracht wurde. 1915 wurden der Haupttempel und das Kloster um ein akademisches Gebäude (Universität) und eine Bibliothek erweitert.



Überall duftet es nach leckeren Speisen. Wie in Asien üblich, kann man auch hier in Kambodscha prima das Essen der Straßenküchen genießen. Man schaut einfach in die Töpfe und Schüsseln und bestellt, was einem „anlacht“!



Was abends von den Touristen belagert wird, sieht tagsüber sehr traurig aus …. ein Openair-Massagesalon. Fußmassage für 30 Minuten kostet hier 1 USD. Ich habe mich bei meiner letzten Massage mit dem jungen Mann, der mich durchgeknetet hat, unterhalten. Die Regel in allen Massage-Shops in Kambodscha ist, dass die Masseure pro Stunde, die sie massieren, 1 USD erhalten. In der Hochsaison kann ein Masseur so 5-6 USD am Tag erarbeiten (das Maximum von 12 USD wird nie erreicht). Die Arbeitszeit ist in der Regel nämlich 12 Stunden. Die Masseure arbeiten aber natürlich nur, wenn Kundschaft da ist. Dazu kommt noch Trinkgeld. Bei einer 7-Tage-Woche kommen so ca. 140 USD im Monat zusammen, plus Trinkgeld. Nun ist aber Low-Season. Mein junger Masseur erzählt mir, dass er heute noch nichts gegessen habe, weil er noch keinen Kunden hatte und deshalb kein Geld, um sich etwas zu kaufen (es ist bereits 17.00 Uhr!). Es seien nur Chinesen da, die kein Trinkgeld gäben. Er übernachte hier im Massage-Shop, weil er sich kein Zimmer leisten könne. Schulausbildung habe er keine, weil er aus einer armen Familien stamme und Tiere hüten musste, als er klein war. Seine Mutter sei alkoholkrank, der Bruder im Gefängnis, der Vater gestorben. Dann ist er hier nach Siem Reap gegangen, um Geld zu verdienen. Aber das klappe nicht wirklich! Er könne zwar Khmer sprechen, aber nicht schreiben. Englisch hat er sich durch seine Kunden abgehört. Er sei jetzt seit 2 Jahren nicht mehr nach Hause gekommen.

Ich schaue ihn ziemlich entgeistert an. Das klingt alles ein wenig nach zu viel Tränendrüse. Aber er scheint sich das nicht alles ausgedacht zu haben. Solche Geschichten habe ich in Kambodscha schon häufig gehört.

Er freut sich ehrlich über sein Trinkgeld, das ich ihm gebe. Nun hat er an mir 4 USD verdient. Das ist in Ordnung, denke ich.



Heute sind viele Gastransporter unterwegs …. schwere Gasflaschen werden festgeschnallt auf den Motorrädern transportiert. Allein der Anblick lässt mich schaudern. Jim sagte mir, ohne Motorroller ist man heute in Kambodscha aufgeschmissen. Die Roller werden für alles verwendet …. zum Transport von Mensch, Tier und Sachen. Um sich einen Motorroller zu kaufen (eine Honda Dream, die hier gerne gefahren wird, kostet ca. 1900 USD), machen die Leute entweder Schulden oder verkaufen Reisfelder und Wasserbüffel. Dies zeigt, wie wichtig ein Zweirad hier ist. Meine Frage an Jim, wie viele Menschen auf einen Motorroller passen, beantwortet er mit der Zahl 6, also eine ganze Familie mit Vater, Mutter und 4 Kindern. Das dürfe zwar nicht sein, aber jeder Polizist drückt ein Auge zu, weil er weiß, dass sich keine normale Familie mehr als ein oder zwei Motorroller leisten könne.

Manchmal balanciert ein solcher Familientransport dann obendrein noch die halbe Kücheneinrichtung auf dem Motorroller mit … geht nicht, gibt´s nicht!



17.06.2018

Mittagessen bei "SPOONS"


In der Nähe der BambuStage befindet sich ein sehr interessantes Lokal, das „Spoons“. Ich hatte es bereits bei meinem Theaterbesuch gesehen und mir vorgenommen, bei nächster Gelegenheit dort Mittag zu essen. Heute nun bot sich die Gelegenheit! Ich trete ein und befinde mich in einer offenen Bambus-Konstruktion, ähnlich einer großen Laube. Einzelne Tische mit gewebten Platzdeckchen, Stoffservietten, Gläsern und einem dezenten Grünzeug als Tischschmuck stehen adrett verteilt im Restaurantbereich. Eine Theke mit ein paar Barhockern vervollständigt die Einrichtung. Ich werde gleich sehr freundlich begrüßt, bekomme ein kühles Tuch zur Erfrischung gereicht und Eiswasser in das bereitstehende Glas eingeschenkt. Danach erhalte ich die Speisekarte. Vorspeisen, Hauptgerichte und auf der Rückseite Getränke. Hier sieht man an der Auswahl der Weine, dass es sich um ein Restaurant der gehobenen Klasse handelt. Nicht allerdings an den Preisen. Die sind zwar etwas höher als beispielsweise in der Pubstreet, dafür gibt es aber sehr ausgefallen klingende Gerichte, wie Frühlingszwiebelpudding mit Kokosnusssauce und fermentiertem Rettich. Auf so etwas muss man erst einmal kommen …

Ich bin weniger experimentierfreudig und entscheide mich für Hähnchenbrust auf Kokosnusssauce mit Süßkartoffeln und Frühlingszwiebeln. Das Gericht ist wahrlich ein Gedicht. Fein abgestimmte Gewürze, gut kombiniert, das Fleisch auf den Punkt gebraten und die Süßkartoffeln in Scheiben geschnitten und nochmals in Butter angebräunt. Super lecker.

Die Zeitschrift Grantourismo hat die Top 10 Restaurants in Siem Reap vorgestellt, dazu zählt das „Spoons“. (siehe https://grantourismotravels.com/2016/07/26/best-siem-reap-cambodian-restaurants/)

Das Interessanteste kommt aber noch. „Spoons“ ist Teil eines Projektes namens EGBOK.

EGBOK, die abgekürzte Form von Everything’s Gonna Be OK, ist eine NGO, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, unterprivilegierten kambodschanischen Jugendlichen eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättenbereich zu ermöglichen. Kambodscha ist nach wie vor eines der ärmsten Länder Südostasiens und nur 4 % der Jugendlichen absolvieren eine Hochschulausbildung. EGBOK nutzt hier die wachsende Hotel- und Gastronomieindustrie um die Armut in den örtlichen Gemeinden zu lindern und den Jugendlichen die Grundlage für ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. EGBOK wurde im Jahr 2009 gegründet und hat seitdem mehr als 600 Jugendlichen eine Ausbildung ermöglicht und – fast noch entscheidender – 100% aller Absolventen konnten innerhalb eines Monats nach ihrem Abschluss einen festen Arbeitsplatz finden. Neben der beruflichen Ausbildung in den Bereichen Food and Beverage, Housekeeping und Grundlagen in der Küche, werden Englisch und Mathematik unterrichtet und Computerkenntnisse vermittelt. Der Ansatz geht aber weit über die fachliche Ausbildung hinaus, d.h. es wird sich intensiv um die Jugendlichen gekümmert, es gibt Kurse, Rollenspiele und andere Veranstaltungen, in denen das Selbstvertrauen aufgebaut, soziale Kompetenz vermittelt und auf Führungspositionen vorbereitet werden soll. Dabei darf niemals vergessen werden, dass die Jugendlichen aus zum Teil ärmlichsten Verhältnisse kommen, viele von ihnen sind als Kinder Alleinerziehender oder als Waisen aufgewachsen. Die meisten sprechen kein Wort Englisch, einige beherrschen selbst die eigene Muttersprache nur rudimentär. Die gesamte Ausbildung dauert ein Jahr und beinhaltet neben dem theoretischen Teil auch viele praktische Abschnitte und ein dreimonatiges Praktikum in einem Hotel oder Restaurant. Aktuell sind 45 Studierende hier vor Ort, 19 Männer und 26 junge Frauen, das Alter liegt zwischen 17 und 24 Jahren.

Ich bin begeistert vom Essen, der Atmosphäre bei "Spoons" und dem Konzept dieses Projektes, das ein bisschen dem Konzept der Domäne Mechthildshausen in Erbenheim ähnelt! Nähere Informationen findet man auf der Homepage von EGBOK:

http://egbokmission.org/


18.06.2018

Dr. Beatocello – der Cello spielende Kinderarzt


Es gibt herausragende Menschen. Das Werk eines solchen habe ich mir heute angeschaut … das Children Hospital Jayavarmann VII in Siem Reap von Dr. Beat Richner. Der Schweizer Kinderarzt, der 1974/75 für das Rote Kreuz nach Kambodscha kam und während der Roten Khmer Zeit zurück nach Zürich musste, wurde von König Sihanouk gebeten, das vom Pol Pot Regime zerstörte Kantha Bopha Children's Hospital in Phnom Penh wieder aufzubauen. Vier weitere Kinderkrankenhäuser wurden von ihm gegründet, eines in Siem Reap.


http://www.beat-richner.ch/Assets/richner_fotogallery.html

In allen Krankenhäusern werden die Kinder kostenlos versorgt. 90 % der betroffenen Familien können nichts bezahlen, und vielen müssen sogar die Reisekosten vergütet werden. Die Finanzierung der Spitäler erfolgt größtenteils durch private Spenden (mehrheitlich aus der Schweiz), aber auch durch staatliche Unterstützung. Seit Januar 2005 übernimmt die kambodschanische Regierung 10 % der jährlichen Betriebskosten. Ebenso stellt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) der Schweizer Regierung der Stiftung Hilfsgelder zur Verfügung, entsprechend dem aktuellen Abkommen von 2013 bis 2015 jährlich 4 Mio. CHF (3,2 Mio. EUR). Insgesamt unterstützte die DEZA die Spitäler seit 1994 mit annähernd 40 Mio. CHF. Ein Großteil des Budgets von circa 34 Mio. CHF wird von den rund 100.000 privaten Spendern getragen. Richner reiste regelmäßig in die Schweiz, um mit seinen musikalischen Darbietungen als Beatocello und mit Vorträgen um Spenden und Unterstützung zu werben. So trat Richner u. a. bis 2017 jährlich auf einer vom Circus Knie veranstalteten Benefiz-Gala in Zürich auf und veranstaltet im Spital Jayavarman VII in Siem Reap für Touristen und Besucher wöchentliche mit einem Cello-Konzert kombinierte Informationsabende.


Der Mitarbeiterstab umfasst insgesamt 2400 kambodschanische Mitarbeiter (Jahresbericht 2012) und bis 2016 zwei Ausländer; der Gründer und Arzt Richner und der studierte Biologe Denis Laurent. Richner legte stets Wert auf die Feststellung, dass es in seinen Spitälern keine Korruption gäbe. Als Grund dafür nannte er die ausreichende Entlohnung aller Mitarbeitenden.


Im März 2017 wurde bekannt, dass Beat Richner die Leitung der Spitäler aus Gesundheitsgründen abgeben musste. Ziel war es schon immer gewesen, die Spitäler so aufzubauen, dass sie selbständig funktionierten. Sein langjähriger Freund Peter Studer, ebenfalls Kinderarzt, übernahm die Leitung, um vor allem "administrative Rückendeckung" zu geben, während Denis Laurent die Geschäfte vor Ort führte.


Im Jahr 2014 wurden folgende Leistungen erbracht:

Die fünf Spitäler behandeln 85 % der kranken Kinder des ganzen Landes

  • rund 2500 Arbeitsplätze für kambodschanische Ärzte und Pflegepersonen

  • 696.329 ambulante Behandlungen kranker Kinder

  • 122.086 Hospitalisationen schwerkranker Kinder

  • 18.335 chirurgische Eingriffe

  • 249.490 Impfungen

  • 19.361 Geburten in der Maternité

Zeit online hat 2006 einen sehr guten Artikel über Beat Richner verfasst :

https://www.zeit.de/2006/24/P-Beat-Richner_xml

Alles Wissenswerte kann auch auf seiner Homepage nachgelesen werden:

http://www.beat-richner.ch/index.html


19.06.2018

Letzter Tag mit Jim


Heute machen wir einen Ausflug … Jim, sein Freund Sak und ich. Es geht in Richtung Battambang. Wir wollen uns den neuen Bambootrain anschauen, auf dem Banan Mountain den Sonnenuntergang betrachten und unterwegs wollen mir die beiden einiges Interessante zeigen. Ich bin gespannt. Leider ist es heute ziemlich regnerisch, was der guten Stimmung allerdings keinen Abbruch tut.

Zunächst fahren wir in Richtung Nordwesten nach Sisiphon. Battambang liegt eigentlich genau im Westen von Siem Reap, ist aber auf direktem Weg nicht zu erreichen, da sich der Tonle Sap See in der Regenzeit hier ausbreitet und keinen Straßenbau zulässt. Also ist ein großer Schlenker nötig: 189 km statt ca. 70 km auf einer immaginären Direktroute. Auf halber Streke nach Sisiphon biegen wir rechts ab. Nun sind wir in einer der großen Reiskammern Kambodschas außerhalb der Tonle Sap Region. Reisfelder, soweit das Auge reicht. Für die Bewässerung ist ein weitverzweigtes Kanalsystem zuständig, das das Wasser aus dem Trapeang Thmor Reservoire erhält. Dieser künstliche See wurde von den Roten Khmer 1970 gebaut. Viele Menschen kamen dabei ums Leben. Der Sinn dieses Wasserspeichers war der gleiche wie heute: Bewässerung der Reisfelder. Heute ist das Gebiet östlich des Sees ein Naturreservat mit einer Flächer von 10.000 Hektar zum Schutz des seltenen östlichen Saruskranichs ( Grus antigone sharpii ). Vor der Entdeckung des Kranichs in Trapaing Thmor gab es weniger als 1000 Exemplare der weltweit lebenden Vögel.


Saruskranich (Wikipedia)

Wir machen ein improvisiertes Fotoshooting auf der Staumauer.




Um aus diesem Reisfeld-Gebiet wieder herauszukommen, muss Jim all seine Fahrkünste aufbringen. Die Wege werden immer schmaler, rechts und links von Wassergräben gesäumt.



Nachdem wir die Hauptstraße nach viel Geschaukel wieder erreicht haben, geht es ein Stück Richtung Sisiphon. Jim biegt aber vorher nach links ab … ein Shortcut, wie er meint. Nun ja, hoffentlich landen wir nicht wieder in irgendwelchen Reisfeldern. Diesmal nicht. Wir erreichen nun die "Nase" des Tonle Sap Sees, die in der Trockenzeit nahezu ausgetrocknet ist, sich in der Regenzeit aber mit dem Hauptsee zu einer gigantischen Wasserfläche vereint. Mein Boot liegt noch nahezu auf dem Trockenen, bald wird es schwimmen.



An einer schönen Pagoda vorbeifahrend machen wir nun Mittagsrast am See.



Dort gibt es überall Stege, auf denen Bambushütten gebaut wurden. Dies sind Picnicplätze, die von den Einheimischen gerne für Sonntagsausflüge genutzt werden. Wir haben heute wirklich einen regnerischen Tag erwischt. Beim Mittagessen, es gibt gegrilltes Hühnchen, eine Spezialität der Region, schüttet es, was das Zeug hält. Das Bambusdach unserer Hütte weint ebenfalls ob dieses Wetters und verwässert etwas den zum Essen gereichten Reis. Nicht schlimm, das Huhn schmeckt trotzdem.



Gut gestärkt fahren wir weiter nach Battambang. Den alten Bambootrain gibt es nicht mehr. Er ist dem Bau der neuen, noch nicht in Betrieb befindlichen Staatsbahn, die von Phnom Penh über Battambang bis an die Thailändische Grenze führt, zum Opfer gefallen. Vor zwei Jahren bin ich ihn noch mit meiner Gruppe gefahren.


„Der Bamboo Train ist in Battambang das Highlight schlechthin und somit der Hauptgrund, warum sich Touristen hierher „verirren“. Es ist eine Bambus-Eisenbahn, auf zum Teil leicht krummen Schienen, die jedoch in Kürze ihren Dienst einstellen soll, da auf der Strecke kommend wieder ein echter Zug rollen soll.

Für die Fahrt mit dem Bamboo Train werden 2 Achsen auf die Gleise gelegt, gefolgt von einem, wie der Name schon vermuten lässt, Bambusgestell, mit Motor.

Glaubst du nicht? Ohhh doch! :)

Schnell noch Achse und Motor mit Kette oder Riemen verbinden und die abenteuerliche Fahrt kann starten! Bin ich im falschen Film?

Das Gestell liegt einfach so auf den 2 Achsen aus Metall und wird nicht befestigt. Es wird nicht eingehakt, nicht angeschraubt und all das hat auch seinen Grund:

ES GIBT NUR 1 GLEIS, ABER ES WIRD IN 2 RICHTUNGEN GEFAHREN.

Klingt logisch, oder!? Ne, irgendwie nicht. Kommt nun also Gegenverkehr, bremsen beide Fahrer (wir nennen sie mal Lokführer), bringen ihre Gefährte voreinander zum Stillstand und dann werden gemeinsam alle Teile von einem der 2 „Züge“ in die Hand genommen und neben den Gleisen abgelegt.

Dann kann der erste Bamboo Train passieren und der zweite „Train“ wird dahinter wieder auf die Gleise gesetzt. Somit können beide die wilde Fahrt fortsetzen.

Das Problem an der Sache ist, dass in der „Rush-Hour“, also, wenn viele Touristen vor Ort sind, eben auch viele Züge fahren.

Den Rest kannst du dir denken! :)

Aladdin meets Indiana Jones:

Du fühlst dich tatsächlich wie im Film, als ob du soeben auf einem fliegenden Teppich aus Aladdin sitzt oder plötzlich direkt in einem Indiana Jones Film bist, wenn du an sattem Grün, vielen Büschen und Ästen entlang braust!

Mit Glück springen noch Huhn oder Hund knapp vor dem Zug ins Gebüsch und der Adrenalinkick ist perfekt.

Definitiv ein Abenteuer, welches du nicht verpassen solltest!“ (siehe https://life-to-go.com/kambodscha-reise-teil-2-siem-reap-nach-battambang-bamboo-train/)


Soweit einmal die begeisterte Beschreibung eines jungen Mannes, der ebenfalls mit dem alten Bambootrain unterwegs war. Ich kann das nur unterstreichen, was er da sagt … ein echtes Abenteuer.

Seit einigen Monaten nun ist der neue Bambootrain in Betrieb. Schon allein der Parkplatz und das Empfangsgebäude verheißen nichts wirklich Gutes. Hier soll Tourismus angeheizt werden. Der neue Zug ist eine nette Geschichte … niemand muss mehr aussteigen oder die Trains von den Schienen heben. Es gibt eine Ausweichstelle, an der der Gegenverkehr wartet … per Sprechfunkt gesteuert. Ja, man rattert noch auf einem Bambusgestell dahin, aber auch die Landschaft, die man durchfährt, ist nicht wirklich spannend. Wenigstens scheinen die Kambodschaner die neue Bahn zu mögen und fahren gern damit, wie Jim sagt. Der Charme und das Abenteuer der alten Bahn sind hier allerdings nicht mehr zu finden.


Wer Lust hat, kann hier des ersten Teil des neuen Bambootrains mitfahren:

https://www.youtube.com/watch?v=mm59twP0hOw


Ursprünglich war die Idee der Bambootrains aus der Not der Zeit nach den Roten Khmer entstanden. Die verbliebenen Schienen wurden genutzt, um zunächst unmotorisiert stakend mit einer Bambusplattform und zwei Achsen Güter und Menschen zu befördern. Die Straßen waren damals meist kaputt und so setzte sich diese Idee im gesamten Land durch.



Die Betrachtung des Sonnenuntergangs auf dem Berg Banan ging heute leider im Regen baden. Dafür gibt es zum Abschied von Battambang noch einen Buddha und einen herrlichen See … was will man mehr!



20.06.2018

Bye, bye Siem Reap


9.45 Uhr geht mein Bus. Jim wollte heute extra nach Siem Reap kommen, um mich zur Busstation zu fahren. Ich habe im gedankt und versichert, dass ein Tuktuk in 7 Minuten diesen Job gut erledigen könnte, er solle nach der gestrigen Fahrt, die für ihn als Fahrer anstrengend war, lieber ausschlafen. Deshalb haben wir uns bereits gestern Abend voneinander verabschiedet …. ich komme ja wieder!

Also Koffer packen (in der Zwischenzeit ist der richtig schwer geworden, weil noch Geschenke dazu kamen) und per Tuktuk zum Bus. Pünktlich um 9.45 Uhr startet die Fahrt. Diesmal habe ich mir einen Doppelsitz ergattert und kann gemütlich räkelnd einen Teil der Strecke schlafen. Zwischendrin, wenn ich einmal wach bin, ziehen die grünen Reisfelder an mir vorbei, die Sonne scheint und vor mir erstrahlt eine Bilderbuchkulisse. Der Reis ist in den 20 Tagen seit meiner Fahrt nach Siem Reap ganz schön gewachsen, es sieht alles saftig grün aus.



Jims Reis wächst ebenfalls, wenn auch nicht so toll wie hier im Schwemmgebiet des Tonle Sap. Sein Reisanbau ist der Tradition seiner Eltern geschuldet, er macht das Ganze eher ein bisschen halbherzig. Sein Hauptjob ist Tourguide. Er arbeitet nun ausschließlich für eine große deutsche Reiseagentur, die ihn in der Highseason gut mit Gruppen versorgt. In der Lowseason ist er auf Anfragen im Individualbereich angewiesen. Hier macht er dann die speziellen Tourenangebote, bei denen man Kambodscha wirklich kennenlernen kann: https://jimyav.wixsite.com/hello-cambodia


Seit Kurzem hat die Regierung Kambodschas die chinesische Tourismusindustrie ins Boot geholt (sicherlich nicht uneigennützig!). Die Chinesen bauen rund um Siem Reap ihre eigenen Strukturen mit Hotels, Restaurants und Busunternehmen nur für ihre Landsleute auf. Den Chinesen ist es nun möglich, für absolute Dumpingpreise von vielen Flughäfen in China direkt nach Siem Reap zu fliegen (früher ging das nur von Shanghai und Beijin). Nun fallen die Billig-Pauschaltouristen aus China in Großgruppen über Angkor her. Die Argumentation der Regierung für diesen Deal ist, dass die Chinesen auch in der Regenzeit kommen, ihnen sei dies egal. So könne das touristische Loch in dieser Zeit gestopft werden. Leider ist dies nicht so. Die einheimischen Hotels sind in der Regenzeit immer noch leer, weil die Chinesen ihre eigenen Großhotels gebaut haben, die auf ihre Landsleute zugeschnitten sind. Viel Geld bleibt für den kambodschanischen Tourismus dabei leider nicht hängen. Diese ganze Entwicklung ist leider sehr negativ zu betrachten. Lowprice Massentourismus aus China macht schnell die einheimischen Strukturen kaputt …. und der Hochpreistourismus für gut zahlende europäische und amerikanische Gäste wird als erstes darunter leiden.


Kurz vor Phnom Penh überqueren wir den Tonle Sap River auf der Pre Kdam Brücke.

Ich habe mal wieder ein Filmchen gedreht … bitte anschauen!

https://www.youtube.com/watch?v=O6y0X_0TLKg


Ankunft in Phnom Penh … eine halbe Stunde früher aus vorgesehen. Ich bin wieder in der Großstadt. Hier ist alles hektischer als in der beschaulichen Provinz. Ich fahre mit einem Tuktuk zu meinem Hotel. Diesmal habe ich eine Unterkunft in der Nähe des Zentralmarktes ausgesucht, da dieses Hotel preiswerter ist, als das vor 30 Tagen. Zimmerbezug und Dinner. Dann ausruhen.

Kambodscha strengt mich doch mehr an, als ich dachte!



21.06.2018

Departement of Immigration und rund um den Zentralmarkt


Der heutige Tag ist zunächst davon geprägt, mein auslaufendes Visum zu verlängern. Ich freue mich auf die kambodschanische Bürokratie …! Das Touristenvisum läuft 30 Tage, danach kann es einmal um weitere 30 Tage verlängert werden. Diese Verlängerung kann man über Reiseagenturen im gesamten Land machen. Dann kostet dieser Dienst ca. 115 USD inklusive Visagebühr. Macht man die Verlängerung direkt in der Immigrationsbehörde, kostet der Spaß 30 USD. Ein gutes Geschäft für die Reiseagenturen.

Ich fahre also als Sozius mit Tra hinaus zum Airport, denn dort gegenüber befindet sich die Immigrationsbehörde. Wir finden auch schnell den richtigen Schalter. Ein mäßig freundlicher Mensch in Uniform reicht mir ein Formular zum Ausfüllen und verlangt ein Passfoto, das ich auch zum Glück mitgenommen habe. Dann verschwindet er mit meinem Pass und dem Formular in die hinteren Räumlichkeiten. Nach ca. 10 Minuten kehrt er zurück. Er hat eine Kopie gemacht, die ich nun unterschreiben darf. Dann geht er wieder. Weitere 10 Minuten verstreichen und er kehrt zurück. Ich bekomme ein gestempeltes Papier und als Gegenleistung darf ich ihm 30 USD überreichen. Ich habe nur 20er Scheine im Portemonnaie. Er steckt einfach die 40 USD, die ich ihm gebe, in sein Portemonnaie und gibt mir 10 USD aus seiner Geldbörse retour. Sicherlich rechnet er nachher ordentlich ab! Ich bekomme meinen Reisepass mit Visa-Verlängerung am 28.06. um 14.00 Uhr wieder … am 30.06. fliege ich nach Deutschland zurück … mal sehen, ob das klappt!

Nun bin ich in Kambodscha ohne Reisepass unterwegs. Es sollte nichts Unvorhergesehenes passieren, sonst wird´s schwierig!



Auf der Rückfahrt in die Stadt haben wir einen Platten hinten. Mir war das Gleiche am letzten Tag mit Jim´s Motorroller passiert. Ich habe damals schnell eine Werkstatt gefunden, die mir einen neuen Schlauch eingezogen hat. Auf der Hauptstraße gibt es auch hier alle 500m solche Reparaturstätten. Einfach, aber effektiv. Innerhalb von 10 Minuten ist der Schlauch gewechselt und wir können weiterfahren. 5 USD hat der Spaß gekostet.

Ich lasse mich am Zentralmarkt absetzen, Tra fährt zurück ins Büro. Ich schlendere entlang des Zentralmarktes.



Hier sind die Goldgeschäfte ansässig. Schmuck, soweit das Auge reicht und der Geldbeutel hergibt: Goldschmiedegeschäft an Goldschmiedegeschäft.

Von den Straßen rund um den Zentralmarkt gehen kleine Hinterhofeinfahrten, die aber den gesamten Block durchziehen. Man kommt also eine Parallelstraße weiter auf der anderen Seite wieder heraus. Hier sind die Eingänge zu den Wohnungen der Häuser. Unten befinden sich einige Läden, die aber eher Dinge des täglichen Bedarfs feil bieten … keinen Schmuck. Viele Garküchen sind zu sehen und zu riechen. Hier wird gebrutzelt, was das Zeug hält. Und dann sehe ich, dass es ganze Häuserzeilen gibt, in denen die Goldschmiede das produzieren, was auf der Schaufensterseite der Straße verkauft wird. Hier befindet man sich in einer Parallelwelt …. hinten die Arbeit, vorne die Schau und der Verkauf. Die Atmosphäre erinnert mich an Städte wie Palermo oder Neapel. Karten spielende Männer, eine Schneiderin mit Nähmaschine mitten auf dem Fahrweg, Holzkohleöfen, auf denen Fleischspieße grillen und mitten hindurch fahren die Motorroller, die auf die andere Seite des Wohnblocks wollen. Das volle Leben mit Hinterhofflair!


22.06.2018

Der Apsara-Tanz und Din Borin


Heute bin ich per Zufall in einer Galerie gelandet. Sie gehört Din Borin. Eigentlich wollte ich nur einen Kaffee im Feelgood Café trinken, da sah ich seine Bilder, die dort zur Dekoration hingen. Auf Nachfrage erhielt ich den Hinweis, dass Dins Atelier und Galerie im ersten Stock dieses Hauses sei. Meine Neugier war geweckt. Also, hinauf in den ersten Stock. Ich stehe vor einer großen Glastür, durch die ich Bilder, Staffeleien und einen schlafenden Menschen auf einem Sofa sehe. Soll ich stören? Warum nicht … etwas schlaftrunken lächelt er mich auch gleich an, eine freundliche Begrüßung mit etwas Smalltalk folgen. Es ist Din Borin. Ich frage und er antwortet zunehmend wacher geduldig in gutem Englisch.


Er ist 34 Jahre alt. "Als ich klein war, habe ich Stunden damit verbracht, Bilder mit einem Stock in den Sandboden zu zeichnen", sagt er. "Als ich erwachsen wurde, interessierte ich mich für alles, was mit Kunst zu tun hat, von Malerei und Mode bis hin zur Innenarchitektur." Din zog im Jahr 2000 nach Phnom Penh, um an der Norton University Architektur zu studieren. "Als ich aufwuchs, wollte ich Architekt werden", sagt er. "Ich wollte in der Lage sein, schöne Häuser zu bauen, in denen Menschen gut leben können."

Während seiner fünfjährigen Studienzeit faszinierten Din die Apsara-Tänzer, die das Publikum mit ihren anmutigen Gesten und Bewegungen verzauberten. "Das wurde meine Inspiration und ist es auch heute noch."

"Ich liebe das Tanzen und die Bewegungen und das Make-up. Mit den weiß gemalten Gesichtern sehen die Tänzer künstlerisch aus. Das Kostümdesign ist auch perfekt. Ich mag die modernen Apsara-Tänzer, aber ich bevorzuge das Traditionelle."

Ein kleiner Einschub zu den Apsaras:

„Sie sind in der hinduistischen und Teilen der buddhistischen Mythologie halb menschliche, halb göttliche Frauen, die im Palast des Gottes Indra leben. Apsaras gelten auch als „Geister“ der Wolken und Gewässer und sind in dieser Hinsicht den Nymphen der griechischen und römischen Mythologie vergleichbar. Einen besonderen Stellenwert erhielten Apsaras in der Mythologie der Khmer zur Zeit des historischen Konigreiches Kambuja, mit der heute als Angkor bekannten Hauptstadt (9. bis 15. Jahrhundert, Kambodscha). Eine Legende erzählt davon, dass König Jayavarman II., der als Gründer des Reiches Kambuja gilt, das Reich von Indra, dem König der Götter, zugewiesen bekam. Zugleich präsentierten die Apsaras den Menschen von Kambuja die Kunst des Tanzes.

An vielen Tempelwänden in Angkor finden sich Reliefdarstellungen von Apsaras, meist mit auswärts gerichteten Knien auf Lotosblüten tanzend, manchmal auch fliegend.

Die Tradition des höfischen Tanzes in Kambodscha, manchmal Apsara-Tanz genannt, geht auf den Königshof in Angkor zurück.“ ( siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Apsara)


Ein YouTube-Video zeigt einen Apsara-Tanz in Ta Prom (Angkor) vom Königlichen Apsara Ballett dargeboten: https://www.youtube.com/watch?v=Erbp1Isk96M


Zurück zu Din Borin. Er malte und entwickelte zunehmend seinen eigenen Stil. "Ich werde nicht tun, was alle anderen machen", sagt er. "Ich muss etwas Anderes machen." Er begann mit Farben und Texturen zu experimentieren. Er verwendete kühne Pinselstriche, um mit den Handgesten der traditionellen Tanzform und den sehnigen Formen der Gliedmaßen zu spielen. Er ließ die Figuren abstrakter erscheinen, alle in kräftigen Farben mit Acryl auf Leinwand. "Ich will nicht nur eine Fotografie der Tänzer erstellen, ich will sie mir zu eigen machen", sagt er.

Nach seinem Hochschulabschluss als Architekt im Jahr 2005 arbeitete Din für ein Architekturbüro. Dennoch hatte er immer noch seinen Kindheitstraum, eines Tages seine eigene Galerie zu eröffnen. "Gleichzeitig habe ich auch gerne Häuser entworfen", sagt er. "Ich war hin- und hergerissen."

2014 wagte er dann den Sprung und ist seinem Herzen gefolgt. Er gab seinen Vollzeitjob auf, um das Beste aus beiden Dingen zu machen – er arbeitet nun als freiberuflicher Architekt und betreibt gleichzeitig seine eigene Galerie. Somit hat er mehr Zeit, sich auf die Entwicklung seiner Kunst zu konzentrieren. "Ich konnte nicht länger warten. Es fühlte sich richtig an und ich wusste, wenn ich es nicht jetzt tun würde, würde ich es bereuen. " Er eröffnete seine Galerie in der 136 Straße oberhalb des Feelgood-Cafés.


"Es war bisher großartig", sagt Din, der sich einer Handvoll Khmer-Künstlern angeschlossen hat, die die zeitgenössische Kunst des Landes vorantreiben. "Der kambodschanische Markt bevorzugt zurzeit noch die traditionellen Gemälde von Angkor Wat. Aber das ändert sich. Die jüngere Generation hat Zugang zum Internet und wird von dort aus beeinflusst. Das hilft der zeitgenössischen und abstrakten Kunst hier in Kambodscha zu wachsen.“

"Ich bin wirklich glücklich", sagt er mit einem Lächeln. "Ich lebe meinen Traum."


Er ist in der Zwischenzeit in Kambodscha und darüber hinaus bekannt. Seine Bilder hängen in Europa, Amerika und natürlich auch in Kambodscha. Er verkauft und versendet seine Gemälde in alle Welt.

Ein Blick auf seine Homepage zeigt noch weitere Bilder von ihm: https://www.facebook.com/dinartcambodia/



23.06.2018

Lähmende Hitze und ein Gewitter


Heute ist ein Tag, den man am besten im klimatisierten Hotelzimmer verbringt. Mein morgendlicher Spaziergang, der zum Wiederbeschaffen meiner nun frisch gewaschen Wäsche aus der Wäscherei dient, war bei bereits 35 Grad um 11.00 Uhr mehr als anstrengend. Noch ein kleiner Snack und etwas Trinken und dann zurück in die kühlen Räume das Hotels. Heute Abend will mich Tra in die Disco mitnehmen … wenn´s nicht mehr so heiß ist, mache ich da gerne mit!


Ich bin während meines Aufenthaltes hier bei Gesprächen mit vielen Menschen immer wieder auf das Verhältnis zwischen Kambodscha und Vietnam gestoßen. Da gibt es eine lange Geschichte der Gemeinsamkeiten und der Konflikte. Von vielen Kambodschanern habe ich gehört, dass sie Angst haben, von Vietnam vereinnahmt zu werden. Der kambodschanische Präsident Hun Sen wird von Vielen als rechte Hand der vietnamesischen Regierung in Kambodscha angesehen. Generell besteht hier ein großes Misstrauen gegenüber dem Nachbarland. Ich lese ein wenig im Internet nach und stoße auf den Reisebericht eines jungen Mannes, der 2015 hier in Kambodscha als Freiwilligenhelfer tätig war. Seine Recherche und die Schlussfolgerungen beschreiben genau die Entwicklung und die Situation bis 2015. Wie ich bereits am 28.05.2018 geschrieben habe, wurde nach 2015 die Pressefreiheit in Kambodscha eingeschränkt, die Oppositionspartei verboten, Oppositionelle inhaftiert und mit den Menschenrechten ist es ebenfalls nicht zum Besten bestellt. Damit steht dem Machterhalt des Präsidenten Hun Sen und seiner CPP bei der „Wahl“ im kommenden Monat wohl nichts mehr im Weg!


Hier nun dieser außerordentlich gute Bericht von niglotraveler auf Geo:

http://www.geo.de/reisen/community/reisebericht/713374/1/Das-Verhaeltnis-zwischen-Kambodscha-und-Vietnam


Draußen geht nun ein knackiges Gewitter nieder, die Straßen haben sich wieder einmal in Flüsse verwandelt.

Ich sitze im Trockenen und trinke eine Tasse Tee!



24.06.2018

Ausflug auf die andere Seite des Mekong


Tra hat heute frei … es ist Sonntag. Er lädt mich zu einem Ausflug auf die andere Seite des Mekong ein. Prima, da war ich noch nicht … also rauf auf den Motorroller und in Richtung Fähre fahren. Wir überqueren den Mekong direkt hinter dem Zusammenfluss mit dem Tonle Sap River. Hier ist der Fluss ca. 1,5 km breit. Die große, ziemlich alte Fähre kann viele Fahrzeuge unterbringen. Ich schätze, dass ungefähr 50 Motorroller und 20 Autos mit uns übersetzen. Wir fahren vorbei am Diamond Island, das sicherlich nicht nur so heißt, weil es eine brillante Lage am Fluss hat, sondern weil man hier auch durch Immobilien exorbitante Gewinne machen kann. Man sieht die enorme Bautätigkeit der kambodschanischen, vietnamesischen, koreanischen und chinesischen Investoren. Phnom Penh verändert sein Gesicht rasant.



Bevor wir auf der anderen Mekong Seite anlegen, sehe ich ein Kreuz … ich habe hier bereits mit einigen Christen gesprochen, aber noch keine Kirche gesehen. Das soll also unser erstes Ziel werden.

Wir erreichen sehr schnell die „Queen of Peace Church“, ein Katholisches Gotteshaus. Von außen eine Mixtur aus buddhistischem Tempel und Kirche, von innen karg und leer. Nur ein Kreuz, ein hölzerner Altar und eine Kanzel schmücken den Innenraum. Neben dem Gebäude ist ein Gestell mit Glocke zu sehen, das relativ neu errichtet worden ist. Davor steht eine 2 m hohe Statue „Maria mit dem Kind“. Diese Statue ist angeblich am 19.11.2012 von einem Fischer aus dem Mekong gezogen worden, nachdem ihm im Traum ein Mann erschienen sei, der ihn darum gebeten habe, die Statue zu bergen.



Wir fahren weiter. Hier auf dieser Seite des Mekong ist man sofort in einer anderen Welt … hier ist Land. Das hektische Treiben der Großstadt scheint weit entfernt zu sein, dabei sind es nur 1,5 km über den Fluss. Vieles kommt mir bekannt vor … die Gemüseverkäufer am Straßenrand, die Häuser, die auf Stelzen thronen, die in betulicher Weise ihrem Tagwerk nachgehenden Menschen.

Und dann steht am Straßenrand eine überdimensionale schwarz-weiß gefleckte Kuh. Neben ihr ein großer Kühlschrank mit Fenster. Der Inhalt: Frischmilch in Flaschen, 3,50 USD der Liter. Der Name der Farm ist lustig: Moo Moo. Ich fotografiere gerade, als ein netter Mann auf mich zukommt. Er spricht leider kein Englisch, aber Tra übersetzt. Die Farm würde gerade erweitert. Sie hätten 100 Kühe und der Besitzer sei ein Europäer. Meine Frage an Tra, ob denn Kambodschaner überhaupt Milch tränken, beantwortet er mit einem klaren: manchmal. Aber das Geschäft scheint sich zu lohnen.



Auf dieser Seite des Mekong ist die Ursprünglichkeit noch erhalten. Allerdings sind auch hier erste unübersehbare Anzeichen eines Wandels festzustellen: ein riesiges im Bau befindliches Bürohaus steht mitten im grünen Agrarland. Wenn man die Nähe zur Stadt und die teils traumhaft gelegenen Ufergrundstücke hier betrachtet, kann man sich ausmalen, wie es in 10 -20 Jahren hier aussehen wird.

Wir fahren weiter und erreichen in kurzer Distanz ein buddhistisches Kloster. Ein altes Klostergebäude, das einer Renovierung dringend bedürfte, liegt charmant hinter der Klostermauer. Wenig gepflegt holt sich die Natur hier langsam das Areal zurück. Dadurch entsteht ein wild wuchernder Klostergarten mit vereinzelten Buddha-Figuren und eingewachsenen Tempeln. Verträumt und bizarr.



Ein Stückchen weiter erwartet uns das nächste Kloster. Das ist geradezu das Gegenteil des ersten …. aufgeräumt und prächtig. Wir schlendern herum und betrachten die vielen Figuren, teils aus der hinduistischen Geister- und Götterwelt. Ganz am Ende sehe ich einen riesigen liegenden Buddha. Er symbolisiert den Eintritt ins Nirwana. Alles ist ruhig hier. Ich sehe ein paar Mönche entfernt das Mittagsgeschirr spülend. Ansonsten sind wir allein. Ich betrete den Gebetsraum. Überall sind schöne farbige Gemälde, die das Leben Buddhas darstellen. Von außen führt eine Treppe in den ersten Stock. Wir gehen hinauf. Die Tür ist geöffnet, innen ist es finster, nur der Lichtschein, der durch die Tür dringt, erleuchtet den Raum ein wenig. Die Decke ist viel höher als im unteren Stockwerk. Sie wird von acht Säulen getragen. An den Wänden erkenne ich viele prächtige Gemälde und auf der Stirnseite befinden sich mehrere Buddha-Figuren, die größte thront über allen. Ich mache mir die Technik zu Nutze und fotografiere mit hoher Isozahl, langer Belichtungszeit und großer Blendenöffnung, hole also alles aus der Kamera heraus, war in ihr steckt. Das Foto zeigt die tatsächliche Pracht des Raumes.




Es ist brütend heiß und dunkle Wolken ziehen auf. Wir beschließen, auf kleinen Wegen zurück zu einer anderen Fähre zu fahren, die uns ein Stückchen Mekong aufwärts übersetzen kann. Der Andrang an der Fähre hält sich in Grenzen. Nun sind wir vor dem Zusammenfluss mit dem Tonle Sap River auf dem Mekong unterwegs. Hier ist er ungefähr 1 km breit. Sein Wasser ist durch die Regenfälle lehmig braun. Ich sehe nun auf die Skyline des Zentrums von Phnom Penh, südlich des Wat Phnom. Herausragend sind zwei Hochhäuser: der Canadian Bank Tower und der Vattanac Capital Tower, das z. Zt. höchste Gebäude der Stadt. Beim Verlassen der Fähre steht neben uns eine junge Frau mit ihrem Motorroller, die einen Passagier bei sich hat. Angeleint scheint der kleine schwarze Hund sich auf die Fahrt zu freuen.



Wir quälen uns nun durch dichten Verkehr vorbei an zwei Ministerien in Richtung City.



Ganz nah kommen wir dabei an den beiden erwähnten Hochhäusern vorbei. Das ist schon eine interessante Architektur. Im 37. Stock ist im Vattanac Tower ein Bar-Restaurant untergebracht. Dort geht es bei schönem Wetter noch hinauf … aber nicht mehr heute.



Ein fast voller Mond erleuchtet eine warme Sommernacht … es hat heute doch nicht geregnet!



25.06.2018

Blessing und „On the Top of Phnom Penh“


Tra möchte heute in sein Wat zum Beten fahren. Ich frage ihn, ob ich ihn begleiten darf. So quälen wir uns wieder einmal durch den Verkehr der Innenstadt auf die andere Seite der City in Richtung Airport. Auf dem Weg zeigt mir Tra noch seine Arbeitsstelle. Er ist in einer Spedition beschäftigt. Große Gewerbegebiete sind hier in der Nähe des Flughafens ausgewiesen, teils bebaut, teils noch brachliegend.



Wir erreichen das Kloster. Ein sehr großes Gelände mit vielen einzelnen Gebäuden, einem See und der erhöht stehenden Pagoda.



Tra parkt direkt vor dem Gebetsgebäude. Alle fahren mit ihren Fahrzeugen direkt in das Kloster. Ein Parkplatz mit Bewachung ist ebenfalls vorhanden. Sehr servicefreundlich, denke ich mir. Es sind viele Leute da, die alle beten und eine Segnung erhalten möchten. Nachdem wir unserer Sandalen ausgezogen haben, gehen wir in den ersten Teil des offenen Gebetsraums. Ein großer Altar mit vielen goldenen Buddhas fällt sofort ins Auge. Tra begibt sich gleich dorthin, kniet davor nieder und betet.



Ich schaue mich in der Zwischenzeit um. Der Gebetsraum ist an 3 Seiten offen. Nach hinten schließt sich ein tropischer Garten mit Brunnen und einem Teich an. Hinter dem Teich thront ein Buddha, der freundlich herüber lächelt. Nette Helfer sind damit beschäftigt, die Menschen in den richtigen Teil des Gebetsraumes zu dirigieren. Alles ist gut durchorganisiert. Tra kommt und wir werden in den mittleren Bereich des Raumes gelenkt. Dort setzen wir uns auf den Boden und warten mit den anderen Gläubigen. Auch hier ist an der Stirnseite ein Altar mit Buddhas aufgebaut. Außerdem ist noch das Bild des Klostergründers zu sehen. Nach 5 Minuten kommt ein Mönch mit kräftiger Statur und einem etwas unfreundlichem Gesichtsausdruck auf das Podest vor dem Altar gestürmt. Seine Mimik ändert sich aber sehr schnell und er begrüßt alle sehr herzlich. Danach beginnt die Segnungszeremonie. Er betet laut und vernehmlich, für mich allerdings unverständlich. Danach werden von den Helfern Gegenstände eingesammelt, die die Menschen gerne segnen lassen möchten. Jeder erhält eine goldene Schale, auf die Dinge gelegt werden können. Dabei geht es hier vor allem um die Symbolik. Ich sehe Portemonnaies, Schlüssel von Motorrollern, 6 Pack Wasserflaschen, aber auch Schriftstücke. Eines kann ich schnell erkennen: ein Arztbericht scheint es zu sein. Man erhofft sich durch die Segnung des Mönches Geld, Glück, Gesundheit …. und wohl auch sauberes Trinkwasser!

Alles wird auf den Altar vor den Mönch gestellt. Dann fordert er uns auf, eine Station weiter zu gehen. Gleich nebenan, durch ein Gitter abgeteilt, lassen wir uns wieder nieder. Der Mönch zieht von dannen. Er vollzieht nun mit 3 weiteren Mönchen das, was auch uns gleich erwartet: die Wassersegnung. Im Moment wird gerade eine andere Gruppe gesegnet.

Unserer Gruppe bekommt nun von den Helfern Plastikteller mit Sand gereicht. Jeder malt mit den Fingern Zeichen in den Sand. Dann werden einige Geldscheine auf den Teller gelegt und wir warten auf den noch in Aktion befindlichen Mönch.



Nachdem die Wassersegnung beendet ist und er sich selbst abgetrocknet hat, diese Zeremonie geht auch an ihm nicht spurlos vorüber, kommt er wieder zu uns, diesmal gemächlicher und sehr freundlich. Er hat mich wohl als einzigen Europäer in der Gruppe entdeckt und grinst mich breit an. Ich zeige auf meine Kamera und frage nonverbal, ob ich fotografieren darf. Er nickt und grinst noch breiter.

Segnung der Sachen zweiter Teil: Er nimmt nun jeden der Goldteller, brabbelt etwas und bläst über die Dinge, die da vor ihm liegen. Danach geben die Helfer die Dinge ihren Besitzern zurück. Nachdem jeder seine Sachen wiederhat, dürfen wir aufstehen. Die Leute nehmen ihren Sandteller und streuen sowohl Sand, als auch die Geldscheine in eine Art Düne neben dem Gebäude.


Dann geht es als Abschluss der Zeremonie zu Wassersegnung. Hierbei sollen Körper, Geist und Seele gereinigt werden. Alle stellen sich im Kreis auf. Die 4 Mönche kommen. Der Hauptmönch grinst mich wieder an, ich habe mich nicht eingereiht, sondern stehe mit meiner Kamera außerhalb des Kreises. Nun geht die Wasserschlacht, Entschuldigung, aber man kann es nicht anders bezeichnen, los. Die Mönche haben Wasserbehälter und einen Ring aus Elfenbein, wie man mir sagt. Sie schöpfen Wasser aus dem Brunnen und schütten es an dem Ring vorbei über die Köpfe der Gläubigen. Dabei werden nicht nur die Köpfe nass. Die Mönche laufen dabei hintereinander im Kreis, sodass die Leute permanent begossen werden. Ein echt feuchtes Vergnügen. Nach ca. 5 Minuten wird der Rundlauf beendet. Alle sind durchaus fröhlich, wobei ich merke, dass die Reinigungszeremonie als solche von allen als sehr ernst empfunden wird. Zum Schluss zwinkert mir der Hautmönch freundlich zu. Er hatte mir während der Zeremonie ebenfalls etwas Wasser ins Gesicht gespritzt, wohl um mir etwas Gutes zu tun. Danke, sehr nett!



Tra sieht aus wie eine Wasserratte. Alles nicht schlimm bei 35 Grad.



Wir gehen noch weiter auf dem Grundstück umher und kaufen Räucherstäbchen, die wir aufstellen.


Auf mich hat das Ganze einen ungezwungenen Eindruck gemacht. Man merkt zwar die Autorität der Mönche, die hochgeachtet sind, aber der Umgang miteinander ist sehr nah und angenehm. Eine schöne Erfahrung, die ich da machen durfte.


Zurück in die Innenstadt. Heute Abend geht es on top of pp – auf den höchsten Punkt Phnom Penhs, den Vattanac Capital Tower.


Canadian Bank Tower (vorn), Vattanac Capital Tower (hinten)

Der Vattanac Capital Tower ist ein 188 Meter hohes, 39-stöckiges Gebäude und es gehört einer Tochtergesellschaft der Vattanac Bank. Im 37. Stock befindet sich das Skybar-Restaurant mit aus dem Gebäude herausragender Skybar. Diese Skybar ist der eigentliche Hype dieses Hochhauses. Man kann bei chilliger Musik und einem Cocktail in ca. 170 m über Phnom Penh schweben. Grandios, gerade bei Nacht. Für den normalverdienenden Kambodschaner allerdings nicht erschwinglich … ein Cocktail kostet 10 – 12 USD. So trifft sich dort auch die Schickimicki – Elite der Stadt und ein paar Touristen. Nichtsdestotrotz ist die Aussicht umwerfend. Ich habe Tra eingeladen, da er mich nun schon ein paar Mal herumkutschiert hat. Er freut sich und zeigt mir die wichtigsten Punkte Phnom Penhs von oben. Wir sitzen direkt am Geländer. Mir fällt auf, dass es hier nichts gibt, was Selbstmörder aufhalten würde. Vom Barhocker auf das Glasgeländer in ca. 1,50 m Höhe und dann ein beherzter Sprung … hat vielleicht noch niemand probiert, sonst wären hier sicherlich schon Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden.



Wieder mit dem Fahrstuhl sicher unten angekommen schlendern wir noch an der beleuchteten Riverside entlang und gehen dann noch etwas essen …. nicht ganz so nobel wie in der Skybar des Towers!



Phnom Penh mit seinen extremen Gegensätzen …


26.06.2018

Dies und das und sehr viel Wasser


Heute beschließe ich, einen Ruhetag einzulegen. Das Klima in Phnom Penh fordert langsam seinen Tribut von mir. Auf dem Land waren Hitze und Feuchtigkeit wesentlich besser auszuhalten als in der Großstadt, mit ihren Abgasen und Häuserschluchten, die sowohl die Wärme, als auch den Smog gut festhalten. Also gibt’s am Morgen nur einen Fotospaziergang, den ich mit der Abgabe meiner schmutzigen Wäsche in einer der vielen Wäschereien verbinde. Für einen USD pro Kilogramm bekomme ich Morgen meine Kleidung gewaschen und gebügelt wieder. Das ist einfach prima.


Ich habe einmal einige nette Schnappschüsse zusammengestellt, die mir während meiner Schlendertour vor die Linse kamen. Der junge Mann in Highheels vollführte einen Showdance der Extraklasse auf dem Gelände der Universität. Er präsentierte sich für mich besonders fotogen.




Ab mittags zog sich der Himmel bedrohlich zu und um 15.00 Uhr entlud sich ein Gewitter, das seines Gleichen sucht. Solche Wassermassen in kurzer Zeit habe ich während meines Aufenthaltes in Kambodscha bisher noch nicht erlebt. 2 Stunden dauerte das Inferno. Der Berufsverkehr schwamm förmlich durch die Stadt, so er sich überhaupt bewegte. Teilweise kniehoch stand das Wasser in den Straßen. Gut, dass ich im Hotel bin und mir dieses Schauspiel von meinem überdachten Balkon anschauen kann.

Tra erzählt mir per WhatsApp, dass das Wasser sein Büro überflutet habe. Die Rückfahrt in die Stadt sei ein Abenteuer gewesen. Sein Motorroller stand teilweise bis zur Sitzbank unter Wasser.

Um 20.00 Uhr ist das Wasser abgeflossen und alles ist wieder normal …


27.06.2018

Das Nationalmuseum


Heute schaue ich mir die Skulpturen an, die beispielsweise in Koh Ker und Preah Vihear standen. Das Nationalmuseum verwaltet die weltweit umfangreichste Sammlung von Khmer-Kunst. In der Ausstellung und den Archiven befinden sich Stücke aus den unterschiedlichsten Perioden Kambodschas. Der Hauptteil der Sammlung besteht aus Artefakten der Angkor-Zeit. Das Nationalmuseum ist ein sehr hübscher quadratischer pagodenartiger Bau in dunkelroter Farbe. Es wurde von den französischen Kolonialisten in über zweijähriger Bauzeit ab 1917 errichtet. Als Vorbild diente die traditionelle Tempelarchitektur der Khmer.



Die Ausstellungsräume gruppieren sich um einen wunderschönen Garten mit Teich und Tempel. Aufgeteilt ist die Ausstellung in die Zeit vor, während und nach Angkor. Betritt man das Gebäude, wird man gleich von einem 2 m hohen Garuda, einem schlangentötenden, halb mensch-, halb adlergestaltigen Reittier des Gottes Vishnu begrüßt. Er stand in Preah Vihear.



Die Skulpturen der Prä-Angkor-Zeit sind aus den Jahrhunderten vor 802. Die Statuen zeigen meist hinduistische Gottheiten wie Shiva, Brahma und Vishnu. Aber auch mein Lieblingsgott ist vorhanden: Ganesha, der nette Gott mit dickem Bauch und Rüssel. Er gilt als "Überwinder von Hindernissen" und ist somit auch der Gott der Reiseleiter und der Reisenden.

In der Angkor-Zeit wandelten sich die Statuen mit der Einführung des Buddhismus. Nun sieht man viele Buddhastatuen mit der Schlange Naga. Aber auch aus dem 19. Jahrhundert sind Ausstellungsstücke zu betrachten. Es ist ein Gang durch die Geschichte des Khmer-Reiches.



Der Innenhof lädt zum Verweilen ein.

Eine Oase der Ruhe … bis zu dem Zeitpunkt, als eine ca. 100-köpfige chinesische Touristengruppe einfällt.

Da gibt´s dann nur eins: nix wie raus!



28.06.2018

Clear Cambodia, mein Reisepass und Traditional Dance Show


Langsam nähert sich meine Reise ihrem Ende. Im Moment bin ich auch ganz froh darüber, weil es mir körperlich nicht ganz so gut geht … Phnom Penh setzt mir zu.

Heute ist nochmal ein anstrengender Tag. Um 9.00 Uhr habe ich einen Termin mit den Managern von Clear Cambodia. Ihr Büro ist in Richtung Airport. Ohne Tra wäre ich heute aufgeschmissen. Er nimmt mich auf dem Weg zu seinem Büro mit, sodass ich pünktlich zum Gespräch vor Ort bin. Ich werde freundlich vom Executive Director Yim Viriya, dem Technical and Water Service Manager Ky Ka und der Operations Managerin Ko Sokmean begrüßt. Zunächst brennt mir die Lösung einiger Probleme bei den Wasserfiltern in Siem Reap auf den Nägeln. Einige zeigen Anzeichen von Korrosion. Ich renne offene Türen ein. Es wird für alle Filterbehälter 100%igen Ersatz geben. Schließlich sind ja 10 Jahre Garantie auf den Dingern. Ich habe alle Telefonnummern der Clear Cambodia-Manager und soll mich sofort melden, falls irgendetwas nicht gut sei. Heute Nachmittag hat Jim mir geschrieben, dass sich Herr Ky Ka bereits mit ihm in Verbindung gesetzt und alles abgeklärt hat. Ich habe diesbezüglich einen sehr guten Eindruck von dieser NGO. Mr. Yim Viriya erzählt mir die Geschichte von Clear Cambodia, die seit 1999 Wasserfilter in ganz Kambodscha verteilt. In der Zwischenzeit haben sie weitere Projekte entwickelt, z. B. Großwasserfilter für Schulen ebenfalls auf Biosand-Basis. Weiterhin helfen sie in der Hygieneerziehung der Kinder. Latrinen werden gebaut und Waschhäuser. Alles hat konzeptionell Hand und Fuß. Vielleicht ergibt sich aus diesem Gespräch ja eine Zusammenarbeit mit Wasserzeichen e.V. Wir werden zuhause darüber nachdenken.

Wer noch einmal etwas über die Biosand-Wasserfilter sehen möchte, kann sich den YouTube-Film anschauen: Khmer mit englischen Untertiteln.

https://www.youtube.com/watch?v=1SNppeb0HnI

Hier die Homepage von Clear Cambodia: https://www.clearcambodia.org/home/


Alle bedanken sich bei mir und den Spendern in Deutschland für die Hilfe hier in Kambodscha.


Ich nehme mir ein Tuktuk und lasse mich zum Zentralmarkt kutschieren. Mein Hotel liegt um die Ecke. Dann schlägt Montezumas Rache wieder sehr heftig zu. Diesmal sind alle Schleusen geöffnet. Echter Mist, denn ich muss um 14.00 Uhr im Departement of Immigration sein, um meinen Reisepass mit Visaverlängerung abzuholen. Und es ist heute wieder unerträglich heiß. Tra bietet an, mich in seiner Mittagspause zu fahren. Danke, ohne diese Hilfe wäre es heute eng geworden. 14.00 Uhr betrete ich den zum Glück gut klimatisierten Raum. Der gleiche, mäßig freundliche Beamte sitzt an gleicher Stelle und begrüßt mich auf die gleiche Weise wie vor 8 Tagen, nämlich ziemlich machtbetont herablassend. Ich darf vortreten und meinen gestempelten Wisch hinüberreichen. Ich hasse eine solche Art des Umgangs, egal wo auch immer auf der Welt. Er verschwindet. Diesmal dauert es 15 Minuten, dann kommt er wieder zurück. Ich darf weiter warten, denn nun nimmt er erst einmal 5 andere Leute dran. Mein Pass liegt aber bereits vor ihm auf seinem Schreibtisch, wie sich bald herausstellt. Nach weiteren 20 Minuten darf ich wieder vortreten. Mir ist langsam ziemlich mulmig zumute, weil ich auf die Toilette muss. Nun bekomme ich gnädiger Weise meinen Reisepass. Vorsichtshalber suche ich das neue Visum, er bemerkt es und, immerhin, er zeigt es mir. Danke!


Nun schnell ein stilles Örtchen gesucht. Zurück entscheide ich mich, den Linienbus zu nehmen. Tra hat mir das empfohlen. Es kostet nur 1500 Riel, umgerechnet 30 Cent. Für eine Tuktuk-Fahrt zahlt man für die gleiche Strecke 10 USD. Der Bus kommt in 5 Minuten, gut so, ich stehe nämlich in der prallen Sonne. Ich steige vorn ein und gebe die abgezählten 1500 Riel dem Fahrer in Erwartung eines Tickets. Er schaut mich mit großen Augen an, dann lächelt er (bestimmt denkt er: doofer Tourist) und deutet auf einen Glasbehälter mit Schlitz neben seinem Führerhaus. Aha, da soll ich das Geld einwerfen … Ticket? Fehlanzeige. Er fährt weiter und ich setze mich in den neuen Omnibus. Wenn ich nicht wüsste, dass ich in Phnom Penh bin, könnte ich meinen, mit der ESWE unterwegs zu sein. Unterschiede sind der Glaskasten und die Musik, die, vom Fahrer eingestellt, aus den Lautsprechern klingt. Gut klimatisiert ist das Gefährt zudem. Das Ein- und Aussteigen funktioniert wie bei uns … roten Knopf drücken und der Bus hält an der nächsten Haltestelle. Alle weiteren Mitfahrer werfen ein Bündel Geldscheine beim Einsteigen in den Glaskasten. Keiner zählt nach! Dieser Linienverkehr ist eine neue Errungenschaft Phnom Penhs. Seit September 2014 gibt es 3 Linien. Viele der Busse wurden von den Freunden aus China spendiert. Sicherlich nicht ganz uneigennützig! Wie dem auch sei, es ist eine sehr komfortable, umweltschonende und sozial verträgliche Weise, sich in der City fortzubewegen.


100 Linienbusse von China gespendet

Ich steige wieder am Zentralmarkt aus und gehe zu meinem Hotel. Mein Kreislauf ist ziemlich am Ende und ich bin froh, mit knapper Not meine Toilette erreicht zu haben.

Ausruhen!


Gestern hatte ich bereits Karten für die Traditional Dance Show gekauft, um Tra DANKE für all seine Mühe zu sagen. Ich rappele mich auch auf, fühle mich zwar schwach, aber die Show möchte ich unbedingt sehen.

Das Tanztheater ist hinter dem Nationalmuseum. Die Show ist wirklich toll. Sie heißt „Earth and Sky“ und führt den Zuschauer auf einer magischen Reise durch die kambodschanische Mythologie, die Traditionen der Vorfahren und das Dorfleben.

„Nachdem den Geistern des Tanzes Respekt gezollt wurde, beginnt die Geschichte mit der Erschaffung des Universums und der Geburt der himmlischen Apsara.

Jahrhunderte später, in einem Land namens Kambodscha, versammeln sich die Dorfbewohner für ihre täglichen Tätigkeiten. Die Dorfbewohner tanzen Kour Angre, um die Ernte zu feiern. Im darauffolgenden Jahr gibt es eine Dürre. So bitten die Dorfbewohner den König, den Ritual-Tanz von Moni Mekhala durchführen zu lassen, um für Regen zu beten: Der Sieg der Göttin über den Riesen provoziert ein Gewitter. Nach dem Regen für Wasser gesorgt hat, beginnt das Leben in Kambodscha wieder und eine Vielzahl von Tieren kommen zum Feiern, darunter Affen, Pfauen und Rehe. Wenn Fische im Wasser auftauchen, versuchen andere Tiere, sie zu fangen.

Die Dorfbewohner führen dann den Fangtanz Robam Nesat auf: wo es Wasser gibt, gibt es Fische und wo Fische leben, ist Leben. Nachdem alle Dorfbewohner gegangen sind, feiern die Musiker das Leben mit einem Chhayam Drum Dance, der für improvisierten Call- und Response-Gesang bekannt ist. Traditionell nur von Männern aufgeführt, treten auch weibliche Trommler hinzu.

In einem Gefühl von Freude und Zusammengehörigkeit fordern die Musiker alle Künstler auf, für den Finaltanz auf die Bühne zu kommen, der die Kunst des kambodschanischen Boxens Bokator zeigt.“

Ich finde, die Geschichte dieser Show passt wunderbar zu dem Wasserfilter-Teil meiner Reise und bildet so etwas, wie eine sehr schöne Klammer.

Tolle Tänzer, tolle Kostüme, tolle Livemusik … Tra ist ebenso begeistert wie ich.



Der Vollmond leuchtet vom Himmel, das Nationalmuseum ist von Scheinwerfern erhellt … es ist ein sehr versöhnlicher Ausklang eines wahrlich anstrengenden Tages.



29.06.2018

Letzter Tag in Kambodscha


Die Sonne scheint, es ist zwar heiß, aber der Wind hat die Schwüle der vergangenen Tage vertrieben. Mir geht es auch wieder besser. Bei meinem morgendlichen Spaziergang hole ich meine Wäsche aus der Wäscherei und kaufe mir auf dem Markt ein paar Bananen. Die sind wirklich lecker und haben stopfende Wirkung.



Bei meinem Spaziergang werde ich Zeuge einer netten Szene. Zwei junge Mönche sind auf Tour, um Essen für sich einzusammeln. Bis 11.00 Uhr sind ganze Heerscharen Mönche zu sehen, die durch die Straßen ziehen. Sie bekommen von den meisten Geschäftsleuten Reis und/oder andere Nahrungsmittel. Damit geben sie den Menschen die Möglichkeit, etwas Gutes für ihr Karma zu tun. Also, die beiden Mönche stehen vor einem Laden und warten. Ein kleiner Junge kommt heraus und stellt sich betend vor die beiden. Die Mönche nehmen die Geste an und beten mit dem Jungen. Danach verschwindet der Knirps und die Mönche stehen etwas verdattert da, weil sie ja eigentlich etwas zu essen wollten. Da sich aber diesbezüglich nichts tut, ziehen sie von dannen.



Jim schreibt mir gerade per WhatsApp. Sie haben in der Familie große Probleme mit den Kindern. Sokha, das ältere Mädchen ist im Krankenhaus: Dengue-Fieber. Ihre kleine Schwester hat auch Fieber, das aber durch eine Impfung ausgelöst wurde. Jim ist mit Sokha im Children Hospital des Cello spielenden Kinderarztes. Da wegen Überbelegung

kein Bett mehr zur Verfügung steht, schläft Jim mit Sokha auf dem Boden.

Er sagt aber, dass die Kleine wieder ansprechbar sei und sich auf dem Weg der Besserung befinde. Ich drücke die Daumen!


Ich überlege mir, dass dies der letzte Eintrag in meinem Blog sein wird. Zeit für ein Résumé? Ich versuche es einmal.


40 Tage sind eine lange Zeit, das habe ich gerade in der letzten Woche gemerkt, als mein Körper nicht mehr so ganz mitgespielt hat. Aber diese 40 Tage haben mir die Gelegenheit geboten, Vieles genauer anzusehen … ich hatte die Zeit dazu. Meine Freunde haben mir darüber hinaus die Möglichkeit geboten, an ihrem Leben teilzuhaben. Nicht nur mal eben kurz für ein oder zwei Tage, sondern für einen längeren Zeitraum. Ich kenne nun Jims Familie sehr gut und habe sie lieben gelernt. Seine Freunde sind mir ebenfalls ans Herz gewachsen. Wir haben zusammen gearbeitet, gegessen, Bier getrunken und viel erzählt. Ich habe die Dorfbewohner kennengelernt und mitbekommen, welche Strukturen im ländlichen Bereich existieren. Auch das habe ich gespürt: ohne die überall agierende und kontrollierende Volkspartei geht im ländlichen Raum garnichts. Die bedrückende politische Situation wurde in allen Gesprächen mit jüngeren Leuten zum Ausdruck gebracht. Auf dem Land leben die Menschen mit ihren Alltagssorgen in einer engen Gemeinschaft, manchmal auch Notgemeinschaft. In der Stadt ist das anders. Hier spielt vor allem der Überlebenskampf des einzelnen eine Rolle. Die Kontrollmechanismen der CPP sind hier eher beschränkt. Die Gesellschaft wandelt sich, wenn auch nicht so stark wie beispielsweise in Vietnam. Eine deutliche Landflucht ist festzustellen. Die jungen Menschen suchen sich Arbeit in der Stadt. Die Folgen sind u. a. hohe Lebenshaltungskosten in Phnom Penh. Viele stellen sich die Sinnfrage. Tra möchte gerne ein eigenes Geschäft eröffnen, hat aber kein Startkapital. Er möchte gerne reisen, hat aber weder Geld dazu, noch ist es einfach für Kambodschaner, ein Touristenvisum für das Ausland zu erhalten. Ich habe viele Zukunftsträume erzählt bekommen … die Zielrichtung dieser Träume ist meist das Ausland. Kambodscha stellt für die meisten Akademiker unter dem existierenden System keine Alternative dar.

Ich habe in den 40 Tagen aber auch wieder das erfahren dürfen, was ich an Kambodscha liebe: die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen, die schönen Landschaften, die faszinierenden Kulturgüter, das relaxte Leben.

Tra, der gerne singt und auch bereits an einem Song-Contest teilnahm, hat mir ein traditionelles Abschiedslied gesungen, das ich mit ein paar Fotos unterlegt habe. Es ist gleichzeitig eine Liebeserklärung an Kambodscha.

Ich denke, das ist ein würdiger Abschluss meines Blogs.



Für mich heißt es auf jeden Fall: Kambodscha, ich komme wieder!

581 Ansichten4 Kommentare

© 2017 by WasserZeichen e.V. Proudly created with Wix.com

WasserZeichen e.V.

c/o Werner Helbig, Waldhofstr. 62,

55246 Mainz-Kostheim

Deutschland

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now